Pankow

Eltern bauen als Baugehilfen Spielplätze mit wieder auf

Pankower fassen mit an, weil viele Spielplätze beschädigt oder gesperrt sind. Ein Problem, das ganz Berlin betrifft.

Christoph Weyl, seine Tochter Carla und Anke Tiedt wollen den geschlossenen Spielplatz an der Dusekestraße wiederbeleben

Christoph Weyl, seine Tochter Carla und Anke Tiedt wollen den geschlossenen Spielplatz an der Dusekestraße wiederbeleben

Foto: Thomas Schubert

Buden hinter Bauzäunen, Absperrbänder an den Rutschen, abmontierte Schaukeln – viele Spielplätze im Bezirk Pankow ziehen Familien nicht etwa an. Sie schrecken ab. Es fehlt an Geld und Baupersonal für die Reparatur. Auf 160 von 212 Spielplätzen sind entweder Geräte beschädigt – oder die Anlagen sind sogar als Ganzes marode. Derzeit gilt in 39 Fällen: Sperrung statt Spielspaß. „Man müsste 40 bis 50 Millionen Euro in die Hand nehmen, um Abhilfe zu schaffen“, sagt der Pankower Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne). Zur Verfügung habe er allerdings nur 1,2 Millionen Euro im Jahr.

Zahlreiche baufällige Spielplätze und nur begrenzte Mittel – ein Problem, das ganz Berlin betrifft. Von den 1839 öffentlichen Spielplätzen im Stadtgebiet waren bei der letzten Erfassung im März dieses Jahres 770 beschädigt, heißt es bei der Senatsverwaltung für Umwelt. In Mitte und vor allem in Pankow ist die Quote noch schlechter. So nimmt ausgerechnet der kinderreichste Bezirk Berlins eine unrühmliche Spitzenrolle ein. Immer wieder hat der zuständige Stadtrat Kuhn in der Vergangenheit auf Engpässe bei der Finanzierung und beim Personal in Pankow verwiesen.

Seit Dienstag geht das Bezirksamt nun in die Offensive. Und holt sich Hilfe von unzufriedenen Eltern. 60 von ihnen organisieren sich seit diesem Frühling im Verein „Kiezinseln“. Der Vorsitzende Christoph Weyl nennt ein einfaches Ziel: „Wir wollen geschlossene Spielflächen wieder öffnen.“ Also sammelt der Verein ab sofort Spenden und überträgt das gesammelte Geld dem Bezirk. Der wiederum darf die Einnahmen nur für die Sanierung von Spielplätzen verwenden. Und wenn es an den Umbau von maroden Anlagen geht, bieten die Eltern auch handfeste Unterstützung an. Sie werden zu Baugehilfen. Und empfinden das nicht als Staatsdienst, sondern als pragmatischen Beitrag zur Lösung des Problems. „Wir helfen nicht dem Staat. Wir helfen uns selbst“, erklärt Katarina Boritzki-Greiner von der Elternvertretung der Elisabeth-Shaw-Schule.

Einen entsprechenden Kooperationsvertrag hat der Verein „Kiezinseln“ mit Stadtrat Kuhn unterzeichnet. Als Unterlage diente die Tischtennisplatte eines seit zwei Jahren gesperrten Spielplatzes an der Dusekestraße in Pankow. Dort wuchert das Gras zwischen den Ruinen von Spielgeräten mannshoch. Die Bude oberhalb der Rutsche zündeten Jugendliche vor einigen Monaten an. „Man kann höchstens noch verstecken spielen“, spottet Christoph Weyl. Seiner kleinen Tochter Carla will er etwas Besseres bieten. „Dieser Platz wird dringend gebraucht – für unsere Kinder“, erklärt die zweite Vorsitzende Anke Tiedt.

Spandau setzt seit zwölf Jahren auf Spielplatzpaten

Noch in diesem Jahr will der Verein mit dem Bezirksamt eine „Interimslösung“ umsetzen. Dafür werden alle baufälligen Geräte auf dem Platz abgerissen, sodass Kinder wenigstens eine Fläche zum Ballspielen erhalten. Im nächsten Frühjahr will das Bezirksamt dann mit Geld aus dem früheren SED-Vermögen neue Spielgeräte aufstellen. Das reicht, um in Pankow drei Spielplätze zu sanieren. Für alles weitere braucht man die Unterstützung der Eltern.

Dass ein Bezirk mit Hilfe von Partnern für gepflegte Spielplätze sorgen kann, zeigt sich in Spandau. „Raum für Kinderträume“ heißt ein Projekt, das es inzwischen seit zwölf Jahren gibt. Das Prinzip ist einfach, aber wirksam: Privatpersonen, Kitas, Schulhorte, Firmen oder Vereine kümmern sich um die Spielflächen in ihrer Nähe. Derzeit kommen auf 100 Spielplätze rund 50 Paten. Aus Sicht des Bezirksamts Spandau erwies sich das Projekt nicht nur als effektiv bei der Instandsetzung von Spielplätzen. Wenn sich Nachbarn um die Anlagen kümmern, gibt es auch weniger Vandalismus.

Trotz ehrenamtlicher Hilfsmodelle sieht der Pankower Stadtrat Vollrad Kuhn auch weiterhin den Senat in der Pflicht. Nur mit einer dauerhaften Aufstockung des Budgets könne man Personal einstellen, dass die Reparaturarbeiten vorantreibe. Der Senat wiederum verweist auf die Erfolge seines Kita- und Spielplatzsanierungsprogramm (KSSP). So wurden in den vergangenen fünf Jahren 370 Spielplätze saniert. Allein 2017 investierten die Bezirke rund 4,2 Millionen Euro aus dem Programm in 71 Spielplätze, die baufällig waren.