Feuerwehr Prenzlauer Berg

Mit Pferdewagen und Kaisers Segen gegen die Flammen

Die älteste Feuerwache Deutschlands ist in Prenzlauer Berg beheimatet. Vor 135 Jahren ging es los. Tag der offenen Tür zum Jubiläum.

Mit Pferdewagen in den Einsatz: Zur Kaiserzeit schirrten die Retter vor der Brandbekämpfung die Rosse an

Mit Pferdewagen in den Einsatz: Zur Kaiserzeit schirrten die Retter vor der Brandbekämpfung die Rosse an

Foto: Thomas Schubert

Berlin.  Kein Blaulicht, kein Motor. Als die Truppe der neuen Feuerwache Prenzlauer Berg 1883 zum ersten Mal in den Einsatz ging, war ein Pferdewagen Stand der Technik. Zuvor hatte der Kaiser persönlich den Männern seinen Segen gegeben. Brände von lokalen Wachen aus zu bekämpfen, das war damals innovativ und wegweisend. 135 Jahre später ist der Backsteinbau an der Oderberger Straße die älteste aktive Berufsfeuerwache Deutschlands. Am heutigen Sonnabend feiert die Mannschaft unter der Leitung von Brandamtsrat Frank Pietzofski ihr Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür. Besucher erwartet ein selbst gestaltetes Unterhaltungsprogramm und ein Blick in die Geschichte.

Heute wundert man sich, dass es Zeiten gab, als Feuerwehrmänner ihre langen Bärte ins Wasser tunkten und sie als Atemschutz benutzten. Auch die personelle Ausstattung lässt staunen. „Mit acht Mann ging es auf der Wache los. Jetzt sind wir ein 100-köpfiges Team“, vergleicht Brandoberinspektor Andreas Kroschel gestern und heute.

Nach zwei Kriegen und der DDR-Ära ist die Wache heute mehr denn je eine feste Größe des Rettungswesens. Mit 1900 Einsätzen pro Monat gilt diese Wache als die einsatzstärkste im Stadtgebiet. Mit vier Rettungswagen, zwei Löschfahrzeugen und einer Drehleiter versorgen die Jubilare ein Gebiet zwischen Wedding, Pankow und Lichtenberg. Die Atemschutz-Notfallstaffel der Wache ist sogar in ganz Berlin gefordert.

Ansonsten pflegt man den Ruf als Wehr zum Anfassen. Wenn nebenan in einer Bar jemand Geburtstag feiert, singen die Männer ein Ständchen. Trotzdem haben sie im Ernstfall mit Rücksichtslosigkeit zu kämpfen. Kroschel erinnert sich an den Fall, als ein Auto-fahrer einen Rettungswagen während des Einsatzes umparkte, damit er freie Bahn hat. Dass der Mann damit Leben gefährdete, war ihm egal.

Tag der offenen Tür: Feuerwache Oderberger Straße 24, diesen Sonnabend 10–17 Uhr.

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