Neubauprojekt

Forderung aus SPD: Nur 6000 Wohnungen im Blankenburger Süden

Erste Stimmen werden laut, in Pankow doch weniger als 10.000 Wohnungen zu bauen. Den Bürgern sei etwas anderes versprochen worden.

Das Bebauungsgebiet Blankenburger Süden

Das Bebauungsgebiet Blankenburger Süden

Foto: Reto Klar

Berlin.  Neue Diskussion um Berlins größtes Wohnprojekt: Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Jörg Stroedter fordert, sich auf den Bau von 6000 Wohnungen im Blankenburger Süden (Pankow) zu beschränken. „Berlin braucht zwar deutlich mehr Wohnungen, es macht aber keinen Sinn, dort über 10.000 Wohnungen zu errichten“, sagte er am Dienstag der Berliner Morgenpost.

Den Bürgern sei etwas anderes versprochen worden. Bei der Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung waren den Anwohnern Anfang März plötzlich Pläne präsentiert worden, wonach das Kerngebiet um weiteren Wohnungsbau ergänzt werden soll. „Damit nimmt der Druck natürlich zu, in anderen Wohngebiete wie in Tegel oder in der Wasserstadt Oberhavel in Spandau viele Wohnungen zu bauen“, sagte Stroedter.

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Mit seiner Forderung, auf die erweiterten Pläne zu verzichten, wagt sich der erste SPD-Politiker aus der Deckung. Bei der Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung waren den Anwohnern jüngst überraschend Varianten präsentiert worden, wonach das Kerngebiet um weiteren Wohnungsbau ergänzt werden soll. Dies sorgte für mächtigen Wirbel.

„Wir sind mit der Bürgerbeteiligung erst am Anfang“

Die rot-rot-grünen Koalitionäre und auch die Bauverwaltung unter Katrin Lompscher (Linke) wies am Dienstag allerdings einen Bericht des „Tagesspiegel“ zurück, wonach man sich auf abgespeckte Pläne für den Blankenfelder Süden geeinigt habe. Die Sprecherin der Bauverwaltung, Katrin Dietl, sagte der Berliner Morgenpost: „Wir sind mit der Bürgerbeteiligung erst am Anfang und werden dem Ergebnis des Partizipationsprozess nicht vorgreifen.“ Der Onlinedialog laufe noch bis 31. März und werde danach ausgewertet. „Zudem fließen aus der Auftaktveranstaltung Anregungen in das Werkstattverfahren ein.“ Eine Vorzugsvariante könne dann voraussichtlich im Sommer präsentiert werden, so Dietl.

„Der Beteiligungsprozess hat erst angefangen“, unterstrich auch die Linke-Fraktionsvorsitzende Carola Bluhm. „Wir sind uns aber einig, dass wir künftig besser kommunizieren müssen.“ Auch die Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek sagte auf Anfrage: „Wir haben uns nicht auf Quantitäten verständigt.“ Sie halte es auch nicht für sinnvoll, sich auf eine Wohnungszahl festzulegen. Dies müsse für das Gebiet gemeinsam mit der Bevölkerung in einem Beteiligungsverfahren entwickelt werden. „In der Koalition sind wir uns allerdings einig, dass es uns gemeinsam gelingen muss, Vertrauen zurückzugewinnen“, so Kapek. „Der Anfang war etwas ruckelig.“

Die Pankower Grünen fordern inzwischen in einem Antrag an die Bezirksverordnetenversammlung , sich auf das bisherigen Kerngebiet zu beschränken und nur 6000 Wohnungen im Blankenburger Süden zu planen.

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