Umwelt

Ein breites Bett für die Panke

Der Senat will den kleinen Berliner Fluss wo möglich renaturieren. Bezirksamt und Denkmalschützer äußern jedoch reichlich Bedenken.

Im  Park hinter dem Schloss Niederschönhausen  in Pankow führt eine  Brücke über die Panke

Im Park hinter dem Schloss Niederschönhausen in Pankow führt eine Brücke über die Panke

Foto: dpa Picture-Alliance / Soeren Stache / picture-alliance/ ZB

Der Senat plant, den Verlauf der Panke in Berlin zu ändern. Der Fluss ist im Bereich zwischen den Pölnitzwiesen in Pankow bis zur Mündung in den Nordhafen in Mitte fast 18 Kilometer lang. Er soll da, wo es möglich ist, ein breites Bett, ausgedehnte Ufer und Auen bekommen, und sich stärker winden. Fischen und Pflanzen soll er neue Lebensräume bieten. Auch die Gefahr von Hochwasser ist geringer, wenn das Wasser durch Biegungen strömt. Doch das Projekt hat nicht nur Vorteile.

Umbau verändert Parks und gefährdet alte Bauten

Weil durch diesen Umbau Liegewiesen verschwinden, Parks verändert und alte Bauten gefährdet werden, lehnt das Bezirksamt Pankow die Pläne ab. Es stimmt aber der Absicht grundsätzlich zu. Die Naturschutzverbände protestieren dagegen, dass Eichen gefällt und damit jahrhundertealte Käfer vertrieben werden. Insgesamt 1200 Bäume sollen dem Vorhaben geopfert werden, Ersatzpflanzungen sind vorgesehen. Das Anliegen des naturnahen Panke-Ausbaus begrüßen die Verbände. Das tut auch der Bürgerverein „Für Pankow“. Aber er bedauert, dass eine Fläche für Volksfeste wegfallen wird, und das beliebte Entenrennen auf der Panke, das der Lions Club veranstaltet.

Nun beschäftigt sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit den Bedenken. 2016/2017 könnte ein rechtskräftig beschlossener Plan vorliegen. 2017 sollen die Arbeiten ausgeschrieben werden und 2018 beginnen. Nach Auskunft der Landesbehörde sind 27,7 Millionen Euro dafür veranschlagt. Bis 2027 soll das Gewässer seinen naturnahen Zustand erreichen. Das fordert die Richtlinie der EU.

Panke leidet an Folgen der Industrialisierung

Noch ist die Panke in Berlin vielerorts wie ein Kanal. Das Wasser trübe, die Fließgeschwindigkeit gering. Es sind Folgen der Industrialisierung, die um 1850 begann. Gerbereien leiteten ihr Abwasser in den Fluss. Mit dem Umbau sollen Mäander entstehen. Dort fühlen sich kleine Forellen, Bachneunaugen und Steinfliegenlarven wohl. Auch Sand- oder Kiesbänke wird es geben, wo sich die Grundwanze und Muscheln einquartieren. Steine, Totholz und kleine Inseln in der Panke sind geplant. Schilfgürtel für Libellen. Wehre werden entfernt, damit die Fische barrierefrei durch den Fluss wandern können.

Viel mehr Platz als bisher soll die Panke im Schlosspark Schönhausen bekommen. Auch auf Kosten der hohen alten Eichen. Der Panke-Verlauf solle über mehrere Hundert Meter grundlegend verändert werden, kritisiert das Bezirksamt. „Dies ist ein erheblicher und umfangreicher Eingriff in das Gartendenkmal.“ Offene Wiesen, auf denen sich Parkbesucher erholen, „sollen einer weiteren Nutzung de facto entzogen werden“. Es gehe um 150 Bäume im Schlosspark, sagt Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne).

Bezirk erwartet Gespräche über strittige Punkte

Den Naturschutzverbänden liegt das Wohl des Heldbocks am Herzen. Der vom Aussterben bedrohte Käfer lebt seit rund 200 Jahren in den Eichen des Schlossparks. Die Panke-Renaturierung dürfe nicht auf seine Kosten geschehen.

Die Denkmalschutz-Experten aus Pankow sehen auch die Panke-Umgestaltung im Bürgerpark mit Sorge. Dort sind Bauarbeiten nahe dem Rosenpavillon vorgesehen. Durch Baumaschinen komme es zwangsweise zu Erschütterungen. Der 1860 errichtete Pavillon könnte Schaden nehmen. Durch Erschütterungen könnte auch das denkmalgeschützte ehemalige Gartenhaus an der Parkstraße 37/39 gefährdet werden. Das Gebäude hat bereits Risse, die durch den Neubau auf einem Nachbargrundstück verursacht wurden.

Stadtrat Kirchner erwartet, dass es zu den strittigen Punkten Gespräche mit der Senatsverwaltung geben wird. Das Pankower Amt stehe der grundsätzlichen Intention des Renaturierungsprojektes, „einen urtypischen deutschen Tieflandbach wieder erlebbar und sichtbar zu machen, aufgeschlossen gegenüber“.

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