Prenzlauer Berg

Grüne wollen mehr Straßen zu Spielplätzen auf Zeit machen

In Prenzlauer Berg wird jeden Dienstag am Humannplatz eine Straße gesperrt - und für Kinder zum Austoben und Verweilen freigegeben. Auch der Boxhagener Platz könnte demnächst zum Spielplatz werden.

Mitten auf der Straße Skateboard fahren, mit Kreide auf den Asphalt malen oder einfach nur herumrennen und spielen? Auf Berlins Straßen eigentlich unmöglich. Eigentlich. Denn jetzt startete in Prenzlauer Berg auf einem Teil der Gudvanger Straße das Pilotprojekt „Temporäres Spielen auf der Straße“.

Zum Start wurde die Straße zeitweise für den Verkehr gesperrt und Kindern zum Spielen freigegeben. In den kommenden fünf Monaten, bis zu den Herbstferien, soll auf der Gudvanger Straße, direkt vor der Wilhelm-von-Humboldt Schule, immer dienstags von 10 bis 18 Uhr auto- und damit sorgenfrei gespielt werden.

Mehr als 2500 Kinder und Jugendlichen besuchen im direkten Umkreis vier Schulen und sieben Kitas. Auf den Spielplätzen herrscht vermehrt Platzmangel. Aus diesem Grund initiierten Schulen und Kitas mit den Anwohnern das Projekt. „Tagsüber werden hier einfach weniger Parkplätze gebraucht. Nicht alle Kitas haben hier im Kiez ihre eigenen Freiflächen. Besonders für diese ist die temporäre Spielstraße super“, argumentiert Matthias Groh, Sprecher der Anwohnerinitiative. Andrea Barnow vom Kinderladen Libelle ist froh, dass die Spielstraße zustande gekommen ist: „Wir haben ein halbes Jahr mit Politikern und Anwohnern gesprochen. Wenige waren aufgrund der kurzzeitig wegfallenden Parkplätze nicht begeistert. Die ließen sich dann aber auch überzeugen.“ Birgit Müller wohnt direkt an der Spielstraße.

Spielplätze im Friedrichshain im Sommer überlastet

Sie hat selbst kein Auto und stört sich auch nicht an den laut spielenden Kindern: „Ich bin ja Kinderfreund. Was ich aber nicht verstehe ist, dass wir viele Ecken hier in Prenzlauer Berg haben, die einfach nur gepflastert wurden. Da hätte man wunderbar kleine Spielplätze schaffen können und dann müsste es so eine temporäre Spielstraße nicht geben“, so die Anwohnerin.

Der direkt an die Gudvanger Straße anliegende Spielplatz auf dem Humannplatz ist tagsüber durch die Schulen und Kitas und nachmittags durch abholende Familien stark überlastet – eine Entlastung auf die Spielstraße soll wenigstens zeitweise Abhilfe schaffen. Sarah Spintig (30), Mitarbeiterin im Büro des Kita-Trägers Drachenreiter GmbH, freut sich über die Aktion: „Es ist für die Kinder etwas außergewöhnliches, auf der Straße zu spielen – ein echtes Erlebnis. Der Humannplatz ist ja gerade im Sommer regelmäßig überfüllt. Da ist diese Möglichkeit doch eine schöne Sache. Gerne mehr davon in Berlin!“

In anderen Großstädten wie Bremen und Frankfurt am Main wurde die autofreie Spielstraße bereits erfolgreich etabliert. Dort gibt es die „temporären Spielstraßen“ genau in den Zeiträumen, in denen Autofahrer mit ihren Autos in der Regel bei der Arbeit sind. Dann werden die Straßen- und Parkplatzflächen für den Verkehr gesperrt und von spielenden Kindern erobert. Ziel der Aktion ist es, dass sich Kinder und Jugendliche wieder vermehrt vor ihrer Haustür bewegen können. Und auch in London ist die Spielstraße auf Zeit eine viel genutzte Möglichkeit, Raum für spielende Kinder zu schaffen.

Temporäre Spielstraße am Boxhagener Platz

Fennimor Pause ist mit seiner sechsjährigen Tochter Karlotta auf der Spielstraße. „So etwas kann man ja nur gut finden. Meine Tochter wohnt mit ihrer Mutter nur 100 Meter von hier entfernt, für sie ist das natürlich super“, so der Vater.

Das Projekt soll noch über die Gudvanger Straße hinaus ausgedehnt werden. So fordern die Grünen eine temporäre Spielstraße am Boxhagener Platz in Friedrichshain.

„Wir wollen kleinen und großen Anwohnern die Möglichkeit bieten, den Straßenraum zum Spielen und Verweilen zurückzuerobern“, so Grünen-Fraktionssprecherin Paula Riester. Genau wie der Humannplatz in Prenzlauer Berg sind auch in Friedrichshain die Spielplätze in der Gegend, gerade in den Sommermonaten, häufig überlastet. Eine temporäre Spielstraße kann die Lösung bieten.