Bauvorhaben

Wohnungen am Mauerpark - Ein Bauherr geht in die Offensive

Die Groth-Gruppe will ein drohendes Bürgerbegehren zum Bauvorhaben am Mauerpark abwehren. Der Investor hat eine aufwendige Informationsbroschüre erstellen lassen und ein Dialogforum eingerichtet.

„Wir sind zur Wahrheit verpflichtet, unsere Gegner nicht.“ Wenn Projektentwickler Thomas Groth auf sein Bauvorhaben am Mauerpark zwischen Prenzlauer Berg und Wedding zu sprechen kommt, spart er nicht mit deutlichen Worten. Die Gegner würden fortgesetzt den Eindruck erwecken, das Bauprojekt gefährde den Park. Dabei sei das genaue Gegenteil der Fall. „Wir bauen auf einem Areal, das bis heute als Gewerbegebiet genutzt wird. Hier war nie eine Grünfläche und es war auch nie eine geplant.“ Fast beschwörend fügt der Investor hinzu: „Mit unserem Bauprojekt entstehen auf einem 3,5 Hektar großen Areal dringend benötigte Wohnungen und Berlin bekommt sieben Hektar Parkfläche. Der Bürgerwille bleibt gewahrt.“

708 Wohneinheiten geplant

Um seine Sicht der Dinge an den Bürger zu bringen, hat der Investor eine aufwendige Informationsbroschüre erstellen lassen, die er am Freitag vorstellte und die mit einer Auflage von 60.000 Exemplaren an die Haushalte am Mauerpark verteilt wurde. Im Internet wurde zudem ein Dialogforum eingerichtet (www.mauerpark-im-dialog.de), in dem Fragen gestellt und Meinungen geäußert werden können. Auf Einladung des Bezirks Mitte wird der Investor zudem kommende Woche das Projekt auf einer Bürgerversammlung vorstellen.

Die Charme-Offensive der Groth-Gruppe kommt nicht von ungefähr: Das Bündnis der Gegner, die Mauerpark-Allianz, rüstet bereits zum Bürgerbegehren gegen Groth. Wie unangenehm solche Initiativen werden können, hat der Projektentwickler bereits zu spüren bekommen. 700 Wohnungen wollte er auf einem Teilareal der Kleingartenkolonie Oeynhausen in Wilmersdorf errichten. Ein erfolgreicher Bürgerentscheid im Mai 2014 bremste das Vorhaben aus. „Deshalb setzen wir auf Informationen, damit sich nicht nur die Gegner im Internet verbreiten, sondern die Bürger auch aus erster Hand erfahren können, was wirklich geplant ist“, sagt Groth. Und die Fakten sprächen für sein Vorhaben. Gebaut werden insgesamt 470 Wohnungen, wovon der größte Teil vermietet werden soll. So werden 120 Einheiten für das städtische Unternehmen Gewobag errichtet, das diese dann zu einem geförderten Mietzins von 6,50 Euro pro Quadratmeter (kalt) anbieten wird.

Die freifinanzierten Mietwohnungen sollen ab 8,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden, die 194 Eigentumswohnungen für 2800 bis 4600 Euro je Quadratmeter. Geplant seien ferner 219 Studentenapartments sowie 43 Seniorenwohnungen. Auf Wunsch des Landes werde ein Wohnhaus durch eine Baugruppe errichtet – dazu lägen jedoch noch keine Details vor. Zudem entsteht eine Kita mit 80 Plätzen. „Der städtebauliche Vertrag hätte uns lediglich zu 40 Plätzen verpflichtet“, sagt Groth. Insgesamt würden 708 Wohneinheiten entstehen – auf einer Bruttogeschossfläche von 56.000 Quadratmetern. Die gegenüber den im städtebaulichen Vertrag ausgehandelten Flächen sogar 2000 Quadratmeter kleiner geworden sei.

Mauerpark-Allianz komplett dagegen

Die Allianz der Gegner jedoch lehnt das Bauvorhaben generell ab. „Der Bürgerwille bleibt unbeachtet. Wir werden mit allen Mitteln gegen eine Bebauung kämpfen für 100 % Bürgerbeteiligung – 100 % Mauerpark“, heißt es in einer aktuellen Presseerklärung. „Wir haben keine Einladung zu dieser Informationsveranstaltung bekomme. Wo ist da die Bürgerbeteiligung“, fragt Hartmut Bräunlich, Sprecher der Mauerpark-Allianz. Es sei ein Unding, dass sich Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) noch vor einer öffentlichen Auslegung der Baupläne und deren Auswertung von Herrn Groth „instrumentalisieren“ lasse und mit diesem auf dem Podium Platz nehme. Man werde das Bürgerbegehren auf jeden Fall weiter vorantreiben.

Spallek reagiert gelassen auf die Vorwürfe der Initiative: „Es ist doch selbstverständlich, dass derjenige die Pläne vorstellt, der sie gemacht hat.“ Natürlich seien aber alle Interessierten eingeladen, auch die Gegner, und es sei genug Zeit für eine kontroverse Debatte eingeplant.

Park soll größer werden

Der Streit um die Erweiterungsfläche für den Mauerpark schwelt seit Jahren. 1992 hatte der Senat beschlossen, auf dem ehemaligen Mauerstreifen einen Park zu bauen. 1994 wurde der östlich der einstigen Mauer gelegene Park eröffnet. Der Flächennutzungsplan aus dem gleichen Jahr sah jedoch vor, dass der Park erweitert wird. Allerdings fehlte dem Land das Geld für den Ankauf des als Gewerbegebiet genutzten ehemaligen Güterbahnhofsareals. Im November 2012 schloss das Land Berlin mit der Eigentümerin schließlich einen städtebaulichen Vertrag. Demnach soll der Park um sieben Hektar wachsen. Im Gegenzug erhält die Grundstückseigentümerin Baurecht.

Informationsveranstaltung: Dienstag, 20. Januar, 18 Uhr, Ernst-Reuter-Oberschule, Stralsunder Straße 57

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