Corona-Pandemie

Berliner Experte fordert: Corona-Personal nicht reduzieren

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Jens Anker
Nicolai Savaskan, Leiter des Gesundheitsamts Neukölln.

Nicolai Savaskan, Leiter des Gesundheitsamts Neukölln.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Die Politik muss sich auf den Corona-Herbst vorbereiten, fordert der Vorsitzende der Ärzt:innen im öffentlichen Gesundheitsdienst.

Berlin. Nicolai Savaskan, Vorsitzender der Ärzt:innen im öffentlichen Gesundheitsdienst, hat eine schnelle Umsetzung der Vorschläge der Expertenkommission zur Bewertung der Corona-Maßnahmen gefordert. „Ganz wichtig ist die Stärkung der Gesundheitskommunikation“, sagte Savaskan, der auch Amtsarzt von Neukölln ist. Die Defizite ließen sich aktuell im Zusammenhang mit der Umstellung der Teststrategie erkennen. Die Patienten seien vollkommen verunsichert darüber, ob sie noch Anrecht auf einen kostenfreien Corona-Test hätten. Die Ärzte wiederum führten derzeit keine Tests durch, da noch Unklarheiten zur Abrechnung der Tests bestünden.

Darüber hinaus fordert Savaskan von der Politik, sich auf ein erneutes Ansteigen der Covidfälle vorzubereiten. „De facto ist die Herbstwelle schon da“, sagte er. Gleichzeitig gebe die Politik Sparvorgaben vor. So solle allein der Bezirk Neukölln Corona-Personal um mehr als 60 Prozent reduzieren. Dann ist aber aus Sicht des Amtsarzt ein Schutz der vulnerablen Gruppen in den Alten- und Pflegeheimen nicht mehr gewährleistet.

Dem widerspricht der Bezirk vehement. Es habe nie eine derartige Vorgabe bestanden, sagt der Sprecher des Bezirks, Christian Berg.

Aus Sicht des Verbandsvorsitzenden Savaskan sei zu begrüßen, dass die Expertenkommission deutlich gemacht habe, dass Kita- und Schulschließungen nur das allerletzte Mittel zur Pandemiebekämpfung seien. Wegen des guten Schutzes besonders gefährdeter Gruppen sei das aber wohl kein Thema mehr, prognostiziert Savaskan.

Gesundheitsexperten fordern mehr Geld für Long-Covid-Forschung

Gesundheitsexperten der drei Berliner Regierungsparteien SPD, Grüne und Linke wollen die Forschung zum sogenannten Long-Covid-Syndrom verstärken. „Von Long/Post Covid ist eine erhebliche Anzahl von Menschen in Berlin betroffen, wir müssen daher ihre Versorgungssituation schnell verbessern“, sagten die drei gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktionen, Bettina König (SPD), Catherina Pieroth (Grüne) und Tobias Schulze (Linke) nach einem Treffen mit Experten der Charité.

Dazu sollen die Hausärzte künftig besser geschult werden, um betroffene Patienten besser zu erkennen und behandeln zu können. Außerdem sollen Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen geschaffen werden, in denen sich Betroffene über ihre Rechte informieren können. „Long Covid ist ein Thema, bei dem wir noch nicht wissen, was eigentlich die Symptome sind und wie es sich von Depressionen, dem Fatigue-Syndrom oder anderen Symptomen unterscheidet“, sagte Pieroth am Freitag.