Stadtentwicklung

Buckower Höfe als Vorbild für Berlin

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Isabell Jürgens
Die Neuköllner Bezirksstadträtin Karin Korte, Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel, Bundesbauministerin Klara Geywitz, die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (alle SPD) sowie die Gewobag-Vorstände Snezana Michaelis und Markus Terboven (v.l.) auf der Baustelle.

Die Neuköllner Bezirksstadträtin Karin Korte, Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel, Bundesbauministerin Klara Geywitz, die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (alle SPD) sowie die Gewobag-Vorstände Snezana Michaelis und Markus Terboven (v.l.) auf der Baustelle.

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey besichtigte die 1970er-Jahre Siedlung. Dort plant die Gewobag einen Um- und Ausbau.

Berlin. So viel Politprominenz verirrt sich sonst selten in die „Buckower Höfe“ ganz im Süden Neuköllns, an die Ringlebenstraße, noch hinter der Gropiusstadt gelegen. Dabei kann die Anfang der 1970er-Jahre errichtete Wohnanlage mit ihren rund tausend Wohnungen und bis zu 18 Stockwerken hohen Gebäuden durchaus als die kleine Schwester der Gropiusstadt gelten. Mit allen Problemen, aber auch allen Chancen. Am Montag schauten sich die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey, Bundesbauministerin Klara Geywitz und Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (alle SPD) die Gegend an. Im Anschluss bezeichnete Giffey die Pläne, wie die Buckower Höfe um- und ausgebaut werden sollen, als Beispiel für die Stadt.

Die Probleme, sagt Gewobag-Chefin Snezana Michaelis und deutet bei einem Rundgang auf die noch unsanierten Gebäude mit ihrem grauen Plattenbau-Charme, liegen sowohl im schlechten energetischen Zustand als auch in der Asbestbelastung. „Im ersten Bauabschnitt haben wir bereits 170 Tonnen Asbest aus 212 Wohnungen entsorgen müssen“, so die Chefin der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft. Das sei auch der Hauptgrund, weswegen die Mieter jeweils für sechs bis acht Wochen aus ihren Wohnungen ausziehen müssten. Nach 50 Jahren hätten die Gebäude das Ende ihres Lebenszyklusses erreicht und bedürften dringend einer umfassenden Modernisierung, um das Quartier nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten.

Buckower Höfe in Neukölln: Neue Wohnungen durch Dachaufstockungen

Die Chancen liegen dafür im Nachverdichtungspotenzial der in lockerer Bauweise errichteten Siedlung: „16 Gebäude der insgesamt 35 Mehrfamilienhäuser mit bisher vier beziehungsweise sechs Geschossen werden um ein weiteres Obergeschoss aufgestockt. Die Ausführung erfolgt in Holzbauweise als energieeffizienter Dachaufbau. Zur barrierefreien Erschließung werden zudem Aufzüge angebaut. „So entstehen 79 neue Wohnungen, ohne dass weitere Flächen bebaut werden“, erläutert Michaelis. Die Arbeiten sollen 2024 abgeschlossen werden, fügt sie noch hinzu.

Der Abbruch eines wenig genutzten alten Parkhauses sowie einer eingeschossigen Ladenzeile schafft zudem Platz für fünf neue Mehrfamilienhäuser mit 176 Wohnungen. Insgesamt kommen dadurch 255 Mietwohnungen hinzu. Eine neue Kita sowie in den Erdgeschossen eine gewerblich Nutzung für Gastronomie, verschiedene Dienstleistungen und Einzelhandel sind ebenfalls vorgesehen.

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Zehn Bewerber kommen auf eine Wohnung

Wie denn die Nachfrage nach den neuen Mietwohnungen sei, möchte die Regierende Bürgermeisterin wissen. Die sei, im Vergleich zu zentraler gelegenen Wohngebieten, überschaubar, sagt die Gewobag-Chefin. „Wenn sich in Wedding 1000 Menschen auf eine Wohnung bewerben, sind es hier etwa zehn“, nennt sie die Größenordnung. Das, so Michaelis, liege vor allem an der ausbaufähigen Verkehrsanbindung: Die Anwohner sind aktuell auf den Bus oder das eigene Auto angewiesen, U- und S-Bahnanschluss gibt es nicht. Für die gesamte Anlage werde deshalb ein Mobilitätskonzept entwickelt. Dabei stehen E-Mobilität und Fahrradnutzung im Fokus. Die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr soll verbessert werden. Angebote für Car-Sharing und Bike-Sharing werden untersucht.

Eines der wesentlichen Vorhaben im Quartier Buckower Höfe sei aber die energetische Ertüchtigung. Heizwärme und Warmwasser sollen künftig mit einem neuen, effizienten Blockheizkraftwerk (BHKW) erzeugt und über das Nahwärmenetz verteilt werden. Auf Flachdachflächen wird eine extensive Dachbegrünung angelegt. Und Platz für Photovoltaikanlagen zur ökologischen Stromerzeugung würden, so Michaelis auf Nachfrage der Bundesbauministerin, ebenfalls installiert. Der erzeugte Strom werde den Mietern als günstiger „Quartierstrom“ angeboten. Alle Arbeiten, inklusive der neuen Gestaltung der Außenanlagen unter Einbeziehung des alten Baumbestands, mit Spielplätzen und Fahrradabstellplätzen sowie einem Quartiersplatz sollen 2027 abgeschlossen sein. Die Kosten dafür, so Michaelis, belaufen sich auf rund 150 Millionen Euro.

50 Prozent der Wohnungen werden anschließend an Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins (WBS) vergeben, die Mieten im geförderten Neubau liegen bei 6,50 Euro je Quadratmeter, im frei finanzierten Bereich bei 9,90 bis elf Euro nettokalt.

„Berlin muss in die Breite, in die Dichte und in die Höhe wachsen“

Nach dem Rundgang unterstrichen die Regierende Bürgermeisterin und ihr Bausenator Andreas Geisel, den Wohnungsbau in der Stadt auch mittels Verdichtung und Aufstockung bereits bestehender Quartiere voranbringen zu wollen. „Berlin muss in die Breite, in die Dichte und in die Höhe wachsen“, sagte Giffey. Wie das gelingen könne, dafür seien die Buckower Höfe ein hervorragendes Beispiel. Auch Geisel betonte, die Entwicklung neuer Wohngebiete sowie Neubau und klimagerechte Sanierung in bestehenden Quartieren sei wichtig, ebenso der Ausbau von Dachgeschossen. Der Senat habe sich zum Ziel gesetzt, 200.000 neue Wohnungen innerhalb von zehn Jahren zu schaffen. Bundesbauministerin Geywitz verwies darauf, dass der Bund Milliardensummen zur Verfügung stelle, um in Deutschland den Bau von 400.000 bezahlbaren Wohnungen pro Jahr, darunter 100.000 Sozialwohnungen, zu unterstützen. „Berlin ist da ein ganz wichtiger Ort“, sagte Geywitz.