Gesundheit

Vivantes feiert Richtfest für Neubau in Neukölln

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Joachim Fahrun
Am Erweiterungsbau für das Vivantes Klinikum Neukölln wurde Richtfest gefeiert.

Am Erweiterungsbau für das Vivantes Klinikum Neukölln wurde Richtfest gefeiert.

Foto: Paul Zinken / dpa

Das Projekt liegt im Zeit- und Kostenplan. 2024 soll das Gebäude fertig sein. Es ist Auftakt einer großflächigen Modernisierung.

Berlin. Für den größten Krankenhaus-Neubau der Stadt in den vergangenen Jahren wurde am Mittwoch Richtfest gefeiert. Obwohl sich einige Honoratiorinnen und Honoratioren etwas schwer taten, die langen Nägel mit den Zimmermannshämmern im Holz der symbolischen Dachkonstruktion zu versenken, zog ein Kran dann doch den geschmückten Richtkranz über dem Rohbau des achtstöckigen Erweiterungsgebäudes am Vivantes Klinikum Neukölln in die Höhe.

Wenn der Neubau am sogenannten Nordkopf des Krankenhauses an der Rudower Straße in zwei Jahren fertig ist, beginnt für eines der größten Berliner Krankenhäuser eine neue Zeitrechnung. In Neukölln beschäftigt der landeseigene Krankenhauskonzern Vivantes 2400 Menschen und behandelt jedes Jahr rund 160.000 Patientinnen und Patienten.

Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), als ehemalige Bürgermeisterin von Neukölln dem Standort Neukölln sehr verbunden, sprach von einem „großen Tag für Berlin, für die Krankenhauslandschaft und für das Gesundheitswesen in der Stadt“.

Neue Rettungsstelle mit Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach

Die letzte Modernisierung des Klinikums Neukölln, das 600.000 Menschen im Süden und Südosten der Stadt versorgt, liegt schon lange zurück, sie erfolgte 1986. Deswegen ist eine radikale Modernisierung des Hauses nötig.

Die Bauarbeiten hatten im Herbst 2019 mit dem Abriss des Parkhauses begonnen. In dem achtstöckigen Neubau am Nordkopf soll eine neue, größere Rettungsstelle einziehen. Hinzukommen eine Kinderrettungsstelle, Räume für die Diagnosen mit CT und MRT, ein zentraler OP-Trakt mit 16 Operationssälen, Räume für die kardiologische Funktionsdiagnostik und Endoskopie sowie 240 Betten auf Normal- und 28 in Intensivstationen. Zudem wird auf dem Dach ein neuer Hubschrauberlandeplatz errichtet. „Was hier entsteht ist eine echte Hausnummer“, sagte Giffey. Sie kenne das Neuköllner Klinikum „in allen Lebenslagen“, sagte die Regierende Bürgermeisterin. Sie habe dort vor fast 13 Jahren im Mutter-Kind-Zentrum ihren Sohn zur Welt gebracht.

Besonders dringend wird in dem Krankenhaus mit 1200 Betten die neue Rettungsstelle benötigt. Ausgelegt für 25.000 Patienten pro Jahr werden dort nach Angaben von Vivantes 80.000 Notfälle jährlich behandelt. „Endlich haben wir dann Raum für unsere Patientinnen und Patienten“, sagte der Chefarzt der Rettungsstelle Alexander Pohl. So werde es Einzelkabinen für die Behandlungen geben.

Land Berlin trägt zwei Drittel der Kosten

Das Bau-Projekt des landeseigenen Klinikkonzerns schreitet bislang schnell voran, seit 2019 die Baugrube ausgehoben und im August 2020 der Grundstein für den Erweiterungsbau gelegt worden war. Die Kosten für den Neubau werden mit 226 Millionen Euro angegeben. Den Großteil trägt das Land Berlin, Vivantes selbst muss 30 Prozent der Gesamtsumme aufbringen.

Der Nordkopf ist für die gesamte Weiterentwicklung des Klinikums Neukölln von zentraler Bedeutung. Er soll nach der Fertigstellung 2024 auch zusätzlichen Platz schaffen, um hier vorübergehend Stationen unterzubringen, die im Laufe der nächsten Jahre für eine Sanierung anstehen.

Nach Inbetriebnahme des Erweiterungsneubaus als Drehscheibe wird das Hauptgebäude abschnittsweise erneuert. Danach werden an dessen südlichen Ende eine neue Zentralsterilisation und eine Klinikapotheke eingerichtet, die das Klinikum Neukölln sowie weitere Vivantes Standorte versorgen. Auch ein Präsenzlabor ist dort laut Vivantes geplant.

Vivantes-Geschäftsführer Johannes Danckert sagte, der erste Teil des Neubaus symbolisiere für Vivantes den „Aufbruch in eine Dekade der Investitionen“. Der Nordkopf sei ein „wichtiger Baustein in unserer Strategie 2030“, mit der wir modernste Arbeitsplätze und eine zukunftsfeste Gesundheitsversorgung für Berlin schaffen: „Die aufzuwendenden Baukosten sind eine produktive Investition für das Gemeinwohl unserer Stadt“, sagte Danckert. Vivantes brauche in den nächsten Jahren 1,5 Milliarden Euro, um die Häuser zukunftsfähig aufzustellen.

Der Geschäftsführende Direktor des Klinikums Neukölln, Thomas Wüstner, lobte die gute Teamarbeit. Es sei gelungen, den bisherigen Bau termingerecht abzuschließen: „Dafür möchte ich mich bei allen Bauarbeitern und Beteiligten, wie auch bei den politisch Verantwortlichen bedanken.“

Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) hob hervor, durch den Neubau in Neukölln werde die Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung im Süden von Berlin noch einmal verbessert und vor allem gesichert. Die Mitarbeitenden könnten in einem modernen Umfeld arbeiten. Sie verwies darauf, dass mit dem Neubau auch ein energiesparendes Gebäude entstehe, was gerade in diesen Zeiten ein wichtiger Aspekt sei. Gote kündigte an, Vivantes auch bei der weiteren Sanierung und Modernisierung des Neuköllner Komplexes weiter zu unterstützten.

Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) hob die Notwendigkeit hervor, „unsere gesundheitliche Infrastruktur in Berlin instand zu halten und nicht auf Verschleiß zu fahren. Man müsse auf weitere Krisen wie die Corona-Pandemie vorbereitet sein.