Remmo-Clan

Neukölln reicht Räumungsklage gegen Remmos ein

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Immer wieder kommt es an der Villa in Alt-Buckow zu Polizeieinsätzen.

Immer wieder kommt es an der Villa in Alt-Buckow zu Polizeieinsätzen.

Foto: BM

Im August wurde den Remmos die Buckower Villa fristlos gekündigt. Nun geht der Bezirk mit einer Räumungsklage gegen die Familie vor.

Berlin. Im Streit um die von Mitgliedern der Familie Remmo bewohnte Villa in Alt-Buckow geht der Bezirk Neukölln nun offensichtlich gerichtlich gegen die Bewohner vor. Laut eines „Tagesspiegel“-Berichts soll das Bezirksamt Räumungsklage eingereicht haben. Ein Sprecher des Bezirks verwies auf das laufende Verfahren und wollte sich dazu nicht äußern, dementierte den Bericht aber auch nicht.

In dem Haus sollen mehrere Mitglieder des polizeibekannten arabischstämmigen Remmo-Clans leben, denen der Bezirk als Eigentümer im August die außerordentliche und fristlose Kündigung ausgesprochen hatte. Aufgrund der angespannten Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt wurde die Frist bis zum 31. Oktober verlängert. Offensichtlich zogen die Mieter allerdings nicht aus.

Gebäude wurde 2018 beschlagnahmt

Im Jahr 2012 kaufte ein damals noch jugendliches Mitglied der Familie das Haus in Buckow, das in Ermittlerkreisen lange als die Schaltzentrale des Clans galt. 2018 wurde die Immobilie gemeinsam mit 76 weiteren des Clans in Berlin und Brandenburg von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die Immobilien sollen mit Geldern aus kriminellen Geschäften bezahlt worden sein.

Im Herbst 2020 gab das Berliner Kammergericht dem Staat in einigen der Fällen recht – unter anderem auch bei der Buckower Villa, die seitdem dem Bezirk Neukölln gehört. Da die Remmos in dem Haus formal nur zur Miete wohnten, konnten sie als Mieter zunächst in dem Gebäude bleiben. Die Miete zahlte das Jobcenter, über das die Familienmitglieder Sozialleistungen beziehen.

Grund für die Kündigung waren seinerzeit „schwerwiegende Verstöße gegen das Vertrags- und Vertrauensverhältnis“, wie Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) sagte. Laut Bezirk ging es um einen gefälschten Mietvertrag für das Nachbargrundstück, dass von den Familienmitgliedern ebenfalls genutzt worden sein soll. Vor ein paar Wochen wurde ein Zaun zwischen beiden Grundstücken aufgestellt, wozu die Polizei mit einem Großaufgebot anrückte.

Remmos warfen Bezirksbürgermeister Hikel Wahlkampfmanöver vor

Mitglieder der Familie wiesen alle Vorwürfe in den Sozialen Medien zurück und warfen Bezirksbürgermeister Hikel systematische Schikane und ein Wahlkampfmanöver vor. In dem Haus lebten Menschen, die sich nichts zu Schulden kommen haben lassen.

Gegen Mitglieder des Remmo-Clans wird immer wieder ermittelt, einige von ihnen wurden rechtskräftig verurteilt – etwa für den Diebstahl der 100 Kilogramm schweren Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Bode-Museum oder des „Goldnests“ aus einer Biesdorfer Grundschule. Gegen weitere Mitglieder wurde zuletzt Anklage wegen des spektakulären Juwelen-Diebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden erhoben.

Gegen ein Mitglied läuft derzeit vor dem Berliner Landgericht ein Prozess wegen Handels mit Kriegswaffen und Drogen in erheblicher Menge. Der Mann wurde bereits vor wenigen Monaten wegen eines Angriffs auf mehrere Tschetschenen zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

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