Bildung

Abitur im zweiten Corona-Jahr: Das sagen Schulleiter

Kann man trotz der Lernsituation in der Corona-Krise Schulleistungen wie üblich erwarten? Meinungen zu den Abi-Abschlussprüfungen.

Foto: Felix Kästle / dpa

Berlin. Nachdem der Entschluss, kurzfristig wieder Schulen zu öffnen, in der vergangenen Woche für viel Aufruhr gesorgt hatte, ist dieses Thema vom Tisch. Das Lernen findet zunächst weiterhin über das Internet statt. Dass diese Form des Unterrichts den schulischen Rahmen nicht ersetzen kann, ist relativ unstrittig. Es stellt sich also die Frage, ob Abschlussprüfungen mit üblichem Pensum sinnvoll sind.

Der Neuköllner SPD-Politiker Marcel Hopp, selbst Lehrer, hatte sich dazu bereits in der vergangenen Woche skeptisch geäußert. „Aufgrund von Coronafällen mussten Schüler mehrfach in Quarantäne. An vielen Oberschulen gibt es bereits seit den Herbstferien temporäre Klassenteilungen und Wechselunterricht. Ein normales Curriculum kann man so nicht zu hundert Prozent erfüllen“, so Hopp. Für den Mittleren Schulabschluss wurden die Regeln inzwischen angepasst. Wie 2020 sollen die zehnten Klassen auch in diesem Jahr nur mündlich geprüft werden.

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Schulleiter sieht das Abitur nicht in Gefahr

Müsste man nicht auch die Abiturjahrgänge entlasten? Tilmann Kötterheinrich-Wedekind, Schulleiter des Ernst-Abbe-Gymnasiums und Mitglied des Interessenverbandes Berliner Schulleitungen, beurteilt die Situation momentan noch als unproblematisch. In Neukölln würden die Lernplattformen gut funktionieren. Solange immerhin nach den Winterferien eine Phase mit Präsenzunterricht möglich sei, sieht Kötterheinrich-Wedekind das Abitur nicht in Gefahr.

Dieser Meinung ist auch der stellvertretende Sprecher der Vereinigung der Oberstudiendirektoren Wolfgang Gerhardt. Er leitet das Britzer Albert-Einstein-Gymnasium und hält die Abiturvorbereitung für machbar. "Die Rückmeldungen zum Lernen online sind positiv. Die allermeisten Schülerinnen und Schüler arbeiten sehr eigenständig und verantwortungsvoll", sagte er der Berliner Morgenpost. "Wenn es in Einzelfällen Probleme gibt, auch familiär, hakt die Schule natürlich nach. Dabei unterstützt die Schulsozialarbeit."

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"Der Druck ist momentan enorm"

Wie stark die Belastung der Lernenden ist, das mag sich von Einrichtung zu Einrichtung unterscheiden. Marcel Hopp appelliert, die Herausforderung für junge Menschen nicht zu unterschätzen. „Die Pandemie wirkt sich auf die Psyche der Kinder und Jugendlichen aus, der Druck ist momentan enorm“, sagt er. Die weitgehende Isolation sei „nicht gut für den seelischen Zustand und keine ideale Voraussetzung, um die gewohnte Leistung einzufordern“. Hopp wünscht sich, dass die Krisenerfahrung der Jugendlichen mehr Gewicht in der politischen Debatte bekommt: „Die pädagogische Arbeit für Kinder und Jugendliche und nicht die Abschlussprüfungen sollten jetzt im Vordergrund stehen“, meint er.