Party und Corona

Clubcommission will illegalen Partys den Boden entziehen

Szenen von Raves in der Hasenheide haben 2020 schockiert. Dieses Jahr will die Clubcommission früh Alternativen schaffen.

Vergangenen Sommer sorgten ausschweifende Partys in der Hasenheide für Ärger.

Vergangenen Sommer sorgten ausschweifende Partys in der Hasenheide für Ärger.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Berlin. Kalt, windig, Regen, Schnee – momentan mag niemand draußen feiern. Aber die warme Jahreszeit kommt und mit ihr der Drang nach Amüsement und Unterwegssein. Die im Sommer positive Entwicklung der Coronazahlen hat gezeigt: Das geht mit etwas mehr Disziplin als sonst durchaus in einer Pandemie.

Allerdings sind auch die ausschweifenden Raves in der Hasenheide noch gut in Erinnerung. Open Airs können nach hinten losgehen, dann, wenn es keine Regeln gibt. Die Clubcommission will jenen, für die das Feiern ein wichtiger Lebensbestandteil ist, 2021 noch mehr Alternativen bieten. Im Neuköllner Kulturausschuss warben ihre Mitglieder dafür, Flächen unbürokratisch für Veranstaltungen draußen freizugeben. Das scheint machbar, unter Vorbehalt.

Mit ihrer Initiative „Free Open Airs“ setzt sich die Clubcommission seit 2014 insbesondere für den Nachwuchs der Veranstaltungsbranche, junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren ein. Diese lernen bei Runden Tischen von Erfahrenen, worauf es bei der Organisation von Open Airs ankommt. Auch schlägt das Projekt Brücken in die Verwaltung und soll vermitteln, gerade um die riesige illegale Partyszene zu verschlanken. Die gibt es der Initiative nach nämlich nicht vornehmlich, weil die Partygänger das Verbotene reizt, sondern weil bürokratische Hürden für entsprechende Events hoch sind.

Dialog über die Möglichkeiten

In Neukölln sei man grundsätzlich zum Dialog über die kommende Saison bereit, vermittelte Kulturstadträtin Karin Korte (SPD). Allerdings bekräftigte sie auch Bürgermeister Martin Hikels Position zu Partys in der Hasenheide. Hikel hatte nach einem Rave mit circa 3000 Personen im Sommer 2020 ausgeschlossen, dass an diesem Ort Veranstaltungen genehmigt werden. Eine Kontrolle ist dort kaum möglich.

Das Problem in Neukölln überhaupt sind die rar gesäten Flächen, die für Open Airs infrage kommen. Der Bezirk hat viele dichte Kieze, Veranstaltungen, bei denen die Menschen die Nacht durchtanzen, seien schwierig, so Korte. Möglichkeiten sieht sie im Sommer eventuell im Eisstadion, wegen der Anwohner allerdings mit zeitlicher Begrenzung. Diese ist für die Clubcommission eigentlich kein Problem. „Es geht uns vor allem um Veranstaltungen tagsüber“, sagte Erich Joseph. Zudem plane man längere Pausen zwischen den Events, die Nachbarschaft würde nicht ständig beschallt. Die Vereinbarung nun: Man will im Gespräch bleiben und gemeinsam überlegen.

„Rechtzeitig Strukturen zu schaffen, in der Zeit, in der nichts los ist“ findet Sofie Krotter von den Grünen sinnvoll. Ahmed Abed (Linke) steht Open Airs ebenfalls positiv gegenüber, auch im Hinblick darauf, dass sie der gebeutelten Kreativszene Ausweichmöglichkeiten bieten könnten. Wenn die Kulturbranche nicht unterstützt wird, „gibt es nach der Krise 30 Prozent mehr Arbeitslose in Neukölln“, sagte er.