Coronavirus

Umfangreiche Tests bringen Pflege an Belastungsgrenze

Pflegeheime waren zuletzt öfter Corona-Hotspots, verhindern sollen das mehr Tests. Eine Neuköllner Senioren-Residenz sucht Helfer.

Alten- und Pflegeheime sind von der Corona-Pandemie stark betroffen.

Alten- und Pflegeheime sind von der Corona-Pandemie stark betroffen.

Foto: picture alliance / dpa

Berlin. Beim Coronavirus sind alte Menschen besonders gefährdet, einen schweren Krankheitsverlauf durchzumachen. Waren sie zu Beginn der Aufzeichnungen des Landesamtes für Gesundheit unter den Infektionen kaum vertreten, so sind die Zahlen betagter Coronakranker seit dem Herbst explodiert. In der letzten Jahreswoche 2020 lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei Menschen über 90 Jahren schließlich bei 744,4 pro 100.000 Einwohner. Am zweithäufigsten waren Menschen über 80 Jahre infiziert.

In den Fokus sind bei dieser Entwicklung die Seniorenheime gerückt, wo es zahlreiche Ausbrüche gab. Das Problem: In den Einrichtungen herrscht ein Kommen und Gehen durch Personal im Schichtsystem, Lieferungen und Familienbesuche. Gleichzeitig leben viele gefährdete Personen nah beieinander. Durch Hygienekonzepte lassen sich zwar viele Risiken vermeiden, absolute Sicherheit bieten diese aber nicht, denn es gibt viele potenzielle Überträger. „Wir können keinen Wachschutz vor die Tür stellen, nicht verhindern, dass zum Beispiel ein Lieferant ohne Maske ins Heim geht“, sagt der Neuköllner Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU).

Verschärfte Auflagen seit Dezember

Verbessern sollten die Situation im Dezember verschärfte Auflagen für die Pflege. Demnach müssen Heime sich etwa einen Vorrat an Schutzausrüstung zulegen und Gemeinschaftsräume soll man alle 20 Minuten ausgiebig lüften. Bewohnerinnen und Bewohner ohne schwere Erkrankungen müssen eine einfache Maske tragen, während für das Personal eine FFP2-Maske ohne Ventil Pflicht ist. Es ist erlaubt, zu Besuch zu kommen, aber nur als Einzelperson und nur für eine Stunde pro Tag. Die Voraussetzung dafür ist ein negatives Schnelltestergebnis vom gleichen Tag oder ein negativer PCR-Test, nicht älter als 24 Stunden.

Allerdings sind Besucher wohl gar nicht unbedingt der wunde Punkt. Mittlerweile ist bekannt, dass das Coronavirus offenbar sehr oft durch Pflegekräfte eingeschleppt wurde – im Dezember waren sieben Prozent von ihnen infiziert. Um dieses Risiko zu minimieren, sind die Angestellten nun verpflichtet, sich alle zwei Tage einem Schnelltest zu unterziehen. Die Organisation der umfangreichen Kontrolle aber bringt „die Pflegeeinrichtungen zunehmend an ihre Grenzen“, heißt es in einem Gesuch der Alloheim Senioren-Residenz Kurt-Exner-Haus in Gropiusstadt, die Ehrenamtliche oder Minijobber zur Unterstützung bei den zahlreichen Tests gewinnen möchte. Auch Interessenten ohne medizinischen Hintergrund wolle man schon einmal auf die Liste setzen, denn perspektivisch sei ihr Einsatz aufgrund der angespannten Lage durchaus denkbar.

Bald soll es Hilfe geben

Welche Herausforderung die Einhaltung aller Auflagen organisatorisch für die Pflegeeinrichtungen bedeutet, das ist dem Neuköllner Gesundheitsamt freilich nicht neu. In der Pandemie sei es deshalb wichtig, statt auf Druck auf Zusammenarbeit zu setzen, meint Amtsarzt Nicolai Savaskan. „Wir sehen uns als Partner der Heime. Natürlich sind wir auch Kontrollinstanz.“ Zum Beispiel werde bei Verdacht auf Fahrlässigkeit der Verbrauch von Tests im Müllbestand geprüft. Aber: „Wir betreiben hier kein Katz-und-Maus-Spiel“, sagte Savaskan im Gesundheitsausschuss. Wichtig ist ihm, dass die Heime in der schwierigen Lage Rat beim Gesundheitsamt suchen können.

Die Einrichtungen sind nah an der Überforderung. Das Problem spiegeln jetzt auch die am 5. Januar von Bund und Ländern beschlossenen neuen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Bereits im Dezember hatte der Paritätische Wohlfahrtsverband in einem Brandbrief an Jens Spahn gefordert, Pflegeheime durch externes Personal zu unterstützen. Die neuen Testauflagen seien zwar absolut nachvollziehbar und richtig. Doch „wenn der Infektionsschutz der vulnerablen Gruppen in Pflegeeinrichtungen und -diensten durch Tests als eines der obersten Ziele weiter gestärkt werden soll, geht dies nur mit Hilfe von Außen“, hieß es in dem Schreiben. Diese Hilfe soll es jetzt geben: Bund und Länder haben sich eine gemeinsam Initiative vorgenommen, um Freiwillige für die Durchführung der umfangreichen Schnelltests zu gewinnen. Die Bundesagentur für Arbeit soll die Vermittlung unterstützen.