Wohnen

Quartiersmanagement Gropiusstadt endet nach 15 Jahren

Mit dem Jahreswechsel ist das Quartiersmanagement Gropiusstadt ausgelaufen. Ein Rückblick und ein Ausblick.

24.000 Menschen leben in der Großsiedlung Gropiusstadt

24.000 Menschen leben in der Großsiedlung Gropiusstadt

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Das Gebiet, auf dem das Quartiersmanagement Gropiusstadt wirkte, umfasste zwei Drittel der in den 1960er- Und 1970er-Jahren gebauten Großsiedlung. Mit 24.000 Einwohnern auf 140 Hektar war es einer der größten so betreuten Bereiche Berlins. Innerhalb von 15 Jahren wurden Treffpunkte für die Nachbarschaft aufgebaut und die Menschen vor Ort miteinander, mit der Verwaltung und Wirtschaft vernetzt.

Wirkte, war, wurden – seit dem ersten Januar ist das Quartiersmanagement Gropiusstadt in seinem alten Zuschnitt passé. Es geht nun in die sogenannte Verstetigung, das heißt, dass die Infrastruktur, die geschaffen wurde, zwar weiterhin aufrechterhalten wird. Eine umfangreiche Förderung von Projekten findet aber nicht mehr statt, denn der Großteil des Gebietes hat sich sehr positiv entwickelt. Zentrale Vorhaben sind erreicht. „In der Gropiusstadt wohnen Menschen aus vielen unterschiedlichen Ländern nebeneinander. Unser Ziel für die Nachbarschaft war, dass aus dem Nebeneinander ein Miteinander wird. Das ist besonders wichtig, weil mittlerweile viele Geflüchtete dazugekommen sind“, sagt Selma Tuzlali, die seit 12 Jahren Quartiersmanagerin in der Gropiusstadt ist.

Campus am Efeuweg war ein großer Schritt

Mit Geldern des Städtebauförderprogramms Soziale Stadt, mit dem der Bund seit 1999 sozial- und strukturschwache Gegenden unterstützt, hat das Quartiersmanagement viel erreicht, viele Projekte initiiert und umgesetzt. Dabei spielte der Quartiersrat eine wichtige Rolle. Dieses Gremium aus Anwohnern und Vertretern der Institutionen im Kiez diskutierte Projektvorhaben und entschied darüber, wie Fördermittel eingesetzt werden sollten. So ist ein reges und engagiertes Netzwerk aus ganz unterschiedlichen lokalen Akteuren entstanden. Etwa das Gemeinschaftshaus am Bat-Yam-Platz, der Campus Efeuweg oder das Selbsthilfezentrum an der Lipschitzallee sind wichtige „Ankerorte“ im Gebiet, an denen die Nachbarschaft sich austauschen kann. Insbesondere den Campus am Efeuweg – er beherbergt Schulen, eine Kita, eine Bibliothek, Sportangebote und ein Jugendzentrum – beschreibt Tuzlali als großen Schritt. „Dort werden Kinder in ihrer ganzen Bildungsbiografie begleitet. In die Entwicklung war das Quartiersmanagement von Anfang an eingebunden.“

Konzentration auf die „Gropiusstadt Nord“

Aufgrund der insgesamt positiven Entwicklung lag es 2018 für Senat und Bezirk nahe, die intensive Betreuung auslaufen zu lassen. Aber nicht überall. Im März wird das Team des Quartiersmanagements seinen Standort wechseln und von der Lipschitzallee in die evangelische Gemeinde Martin-Luther-King-Weg ziehen. Es konzentriert sich ab dann nur noch auf ein Drittel des Ortsteils. „Als entschieden war, dass das Quartiersmanagement beendet wird, fand ein erneutes Monitoring statt. Das zeigte, dass im Norden der Gropiusstadt den Sozialdaten nach immer noch ein Bedarf besteht. Deshalb der neue Zuschnitt“, erklärt Tuzlali. Im neuen Quartiersmanagementbereich „Gropiusstadt Nord“ leben 12.437 Menschen, rund die Hälfte der Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund und der Status-Index, der die soziale und wirtschaftliche Situation der Anwohner beschreibt, steht auf „sehr niedrig“. Konkrete Planungen und Zielsetzungen für das Gebiet laufen.

Bis die Arbeit am neuen Standort aber beginnt, sind Tuzlali und ihr Team weiterhin für die alte Nachbarschaft da. Gerade in der Pandemie hat sich das Quartiersmanagement bemüht, kleine Freuden in den Kiez zu bringen. „Während der Coronazeit wurde zum Beispiel eine Band organisiert, die umhergezogen ist und vor den Balkonen gespielt hat. Und wir haben Materialien für eine Kresseaufzucht ausgegeben, die Kinder in Fotos dokumentieren konnten.“