Kriminalität

Clan-Haus in Neukölln soll abgerissen werden

Ein illegal errichteter Flachbau auf dem Grundstück der stadtbekannten Familie R. in Alt-Buckow muss abgerissen werden.

Im Garten hinter der Villa in Alt-Buckow, in der die Clan-Familie R. wohnt, wurde illegal ein Flachbau errichtet.

Im Garten hinter der Villa in Alt-Buckow, in der die Clan-Familie R. wohnt, wurde illegal ein Flachbau errichtet.

Foto: Buddy Bartelsen

  • Die stadtbekannte R.-Clan hat in seinem Garten in Alt-Buckow einen Flachbau errichtet - ohne Genehmigung. Die Berliner Morgenpost erfuhr: Baut Familie R. nicht selbst zurück, kommt der Bezirk mit der Abrissbirne.
  • Zuvor war dem Neuköllner Baustadtrat vorgeworfen worden, die Bearbeitung des Falls hinauzuzögern. Dies hatte er stets zurückgewiesen. Für die neue Härte des Bezirkes gegen kriminelle Clans gibt es viel Lob.
  • Das Anwesen von Familie R. ist eine von 77 Immobilien, die die Berliner Staatsanwaltschaft im Jahr 2018 hat beschlagnahmen lassen. Es steht der Verdacht im Raum, dass die Immobilien mit Geld aus kriminellen Machenschaften erworben worden sind.

Berlin. Ein illegal errichteter Flachbau auf dem Grundstück der stadtbekannten Familie R. in Alt-Buckow muss abgerissen werden. Das erfuhr die Berliner Morgenpost auf Nachfrage aus dem Bezirksamt. Der Flachbau war im Jahr 2018 ohne Genehmigung im Garten des rund 500 Quadratmeter großen, denkmalgeschützten Anwesens errichtet worden.

Seit dem erhitzten sich an dem Bau die Gemüter. Die CDU in Neukölln warf Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) vor, aus Angst die Bearbeitung des Falls hinauszuzögern. Baustadtrat Biedermann betonte hingegen, dass es keine Anweisung gebe, die Bearbeitung des Falles hinauszuzögern. Die lange Dauer des Verfahrens begründete er damit, dass es viel zu wenig Personal in der zuständigen Bau- und Wohnungsaufsicht (BWA) gebe und in Neukölln mindestens mehrere Hundert illegal errichtete beziehungsweise bauordnungswidrige Bauten stehen würden.

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Beschwerden kamen auch von Anwohnern in Alt-Buckow selbst. So berichtete ein Morgenpost-Leser, dass er ordnungsgemäß einen Bauantrag für die Errichtung eines Carports eingereicht habe, dieser aber abgelehnt worden sei. Er frage sich nun, ob er auch einfach den Carport bauen solle, da es sowieso keine Konsequenzen habe, wie er am Beispiel von Familie R. ein paar Straßen weiter sehe.

Seinem Ärger machte der Leser auch in einem Schreiben an Bezirksstadtrat Biedermann Luft. Der antwortete mit Verweis auf die Personalnot und die vielen illegalen Bauten. Außerdem schrieb er: „Auch wenn ich Ihren sarkastischen Tonfall nicht für angemessen halte, so kann ich doch verstehen, dass Sie sich ärgern, weil Sie das Gefühl haben, dass mit zweierlei Maß gemessen wird“. Man könne versichern, dass dem nicht so sei.

Baut der Clan das Haus nicht zurück, kommt der Bezirk mit der Abrissbirne

Und tatsächlich: Nun kommt offenbar Bewegung in die Sache. Der Flachbau wurde mittlerweile durch die Bau- und Wohnungsaufsicht des Bezirksamtes besichtigt. „Der Flachbau muss rückgebaut werden, es besteht auch kein Ermessensspielraum“, teilte der Sprecher von Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD), Christian Berg, mit. Der zuständige Fachbereich erarbeite derzeit das entsprechende Rückbauverfahren. „Wie sich dieses Verfahren entwickelt und welche Schritte der Bezirk einleiten wird, hängt maßgeblich davon ab, wie der Eigentümer mit der bevorstehenden Rückbauanordnung umgeht“, so Berg weiter. Heißt im Klartext: Baut Familie R. nicht selbst zurück, kommt der Bezirk mit der Abrissbirne.

„Das Bezirksamt hat sicherzustellen, dass gleiche Maßstäbe für alle Anträge gelten“, heißt es aus dem Büro von Hikel. Deshalb könne auch nicht jeder Bauantrag genehmigt werden. Im Regelfall würden die Bauherren ihre Pläne nach einer Ablehnung anpassen und neue Unterlagen einreichen, die dann häufig auch genehmigt werden können.

Clan-Villa in Neukölln wurde 2018 von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt

Für die neue Härte des Bezirkes gibt es auch Lob vom Neuköllner Jugendstadtrat und stellvertretenden Berliner CDU-Vorsitzenden Falko Liecke: „Es hat sehr lange gedauert. Es ist gut, dass der Bezirk jetzt klare Kante zeigt. Wichtig ist, dass nicht mit zweierlei Maß gemessen wird und dass das jetzt auch tatsächlich Konsequenzen hat“.

Die Villa von Familie R. in Alt-Buckow ist eine von 77 Immobilien, die die Berliner Staatsanwaltschaft im Jahr 2018 hat beschlagnahmen lassen. Es steht der Verdacht im Raum, dass die Immobilien mit Geld aus kriminellen Machenschaften erworben worden sind. Der Wert der Grundstücke und Häuser soll sich auf rund zehn Millionen Euro belaufen.