Verkehr

U-Bahnhof Karl-Marx-Straße soll umbenannt werden

„Jüdische Rundschau“ fordert Umbenennung der Station Karl-Marx-Straße. Zuletzt waren schon Namen anderer U-Bahnstationen umstritten.

Station auf der Strecke der U 7: Die Karl-Marx-Straße in Neukölln.

Station auf der Strecke der U 7: Die Karl-Marx-Straße in Neukölln.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sehen sich erneut mit der Forderung nach Umbenennung einer U-Bahnstation konfrontiert. Nach den jüngsten Debatten um die als rassistisch empfundenen Stationsnamen Mohrenstraße in Mitte und Onkel Toms Hütte in Steglitz-Zehlendorf fordert die „Jüdische Rundschau“ nun einen neuen Namen für den Bahnhof Karl-Marx-Straße in Neukölln.

Mit einer Fotomontage, die den Stationsnamen zeigt, ist in der Anmutung einer typischen BVG-Werbung zu lesen: „Viel zu lange trug unser Bahnhof diesen Namen. Wir setzen dem ein Ende und benennen ihn um. Nächstes Ziel: Öfter ein Geschichtsbuch aufschlagen!“

Kritik an rassistischer und antisemitischer Haltung von Karl Marx

In einem offenen Brief an die Leitung der BVG belegen sie mit zahlreichen Textstellen dessen antisemitische und rassistische Haltung. So schrieb Marx 1862 über den SPD-Gründer Ferdinand Lassalle: „Der jüdische Nigger Lassalle hat glücklich wieder 5.000 Taler bei einer Spekulation verloren. ... Es ist mir jetzt völlig klar, dass er, wie auch seine Kopfbildung und sein Haarwuchs beweist, von den Negern abstammt.“

Die BVG bestätigt den Eingang des Briefes. „Bahnhofsnamen sollen aber in erster Line der Orientierung dienen“, so BVG-Sprecherin Petra Nelken. Erst, wenn der Senat beschließe, eine Straße umzubenennen und der alte Name der U-Bahnstation für Verwirrung sorgen würde, müsse umbenannt werden. Zudem weise sie daraufhin, dass Marx selbst Jude war.

„Jüdische Rundschau“ sieht offenen Brief als Mahnruf

Die Antwort der BVG empfindet Simon Akstinat, Chefredakteur der „Jüdischen Rundschau“ als „unbefriedigend“. Denn: „Abgesehen von den dunklen Zeiten des letzten Jahrhunderts sind wir gegen Enthistorisierungen und Umbenennungen. Wenn diese aber wie in jüngster Zeit nicht einmal vor George Washington und Christoph Kolumbus Halt machen, so soll unser offener Brief als Mahnruf verstanden werden, dass auch in Berlin bei Umbenennungen mit gleicher Elle gemessen werden sollte“.