Fahrradverkehr

Kritik an neuem Pop-up-Radweg in Neukölln

Die Lokalpolitik sagt Ja zum ersten temporären Radweg in Neukölln. Er wird an der Blaschkoallee eingerichtet. Die CDU wettert dagegen.

Foto: pa

Der erste temporäre Radfahrstreifen in Neukölln ist beschlossene Sache. Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) begrüßte das Votum der Bezirksverordneten: „Es ist jetzt die Zeit, Dinge auszuprobieren, und ich bin bereit dazu“, sagte der Verwaltungschef, der selber gern aufs Fahrrad steigt. Weniger begeistert waren andere Lokalpolitiker im Bezirk.

Vorwurf: „Sie nutzen die Corona-Pandemie aus“

„Falsch, verlogen, unfair, unverständlich“ sei es, schimpfte CDU-Mann Christopher Förster, „wie Sie die Corona-Pandemie ausnutzen, um Radwege auszubauen und Ihre Klientelpolitik durchzusetzen.“ Das ging in Richtung der Antragsteller. Die SPD und die Grünen im Bezirk hatten den Pop-up-Radweg für die stark befahrene Blaschkoallee beantragt. Er schaffe in Corona-Zeiten mehr Sicherheit für Radfahrer. „Mit dem Rad zu fahren ist gerade in der Corona-Krise gut, um Ansteckungsrisiken zu vermeiden“, begründen die beiden Fraktionen, die gemeinsam mit den Linken über eine Mehrheit in Neukölln verfügen.

Das öffentliche Interesse an diesem Thema sei enorm, bemerkte Marko Preuß (SPD), Vorsitzender des Verkehrsausschusses. „In die letzte Videoschalte unseres Ausschusses haben sich 72 Menschen eingewählt und mitdiskutiert, das liegt deutlich über dem, was wir sonst an Besuchern im Rathaus haben.“

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Auch die Hermannstraße in Neukölln könnte Pop-up-Radweg bekommen

Was ist geplant? Eingerichtet wird ein knapp ein Kilometer langer Streifen zwischen Britzer Damm und Buschkrugallee, der provisorisch markiert und mit rot-weißen Warnbaken geschützt werden soll. Berlinweit sind nach Angaben der Verkehrsverwaltung bereits mehr als zehn Kilometer Strecke dieser neuen Radwege in den vergangenen drei Monaten entstanden, zehn weitere Kilometer sollen es in den nächsten Wochen werden.

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Sehen, wie groß der Bedarf bei den Fahrradfahrern ist

„Bald, noch in diesem Monat“, so Martin Hikel, werde der Radweg an der Blaschkoallee fertig sein. Er soll dann für etwa ein Jahr dort bleiben. „Praktisch“ findet das Marko Preuß. „Wir können sehen, wie groß der Bedarf ist und wie der Radweg angenommen wird.“ Bei wenig Nutzung werde er wieder abgebaut. Auch an der Hermannstraße könnte das Bezirksamt tätig werden, hier sei die Maßnahme jedoch „etwas komplizierter“ umzusetzen, so Hikel. Eine Prüfung sei in die Wege geleitet.

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FDP-Fraktion hält nichts von der „Pop-up-Manie“ in Berlin

Doch die neue Pop(-up)-Kultur spaltet. Zu teuer, zu wenig durchdacht - FDP-Mann Roland Leppek hält von der „derzeitigen Pop-up-Manie“ gar nichts. Der Bezirksverordnete verwies auf gefährliche Konfrontationen mit dem motorisierten Verkehr. Die provisorischen Radwege seien zu schnell und nicht umsichtig genug geplant. Auch die Buslinie, die dort fahre, müsse bedacht werden.

CDU schimpft über wachsenden Parkdruck

An den voraussichtlichen Kosten von 30.000 Euro störte sich Elfriede Manteufel von der CDU: „Das Geld könnte man in der Pandemie anderweitig einsetzen, zum Beispiel für neue Waschbecken in Schulen.“ Auch Gerrit Kringel (CDU) nahm die Ausgaben in den Blick: „Wir installieren etwas, das nicht nachhaltig ist.“ Fraktionskollege Christopher Förster ergänzte: „Der Parkdruck an der Blaschkoallee wird erhöht, wenn dort 100 Parkplätze wegfallen. Wie erklären Sie das den Anwohnern, die auf ihr Auto angewiesen sind?“

Hikel: Kosten für einen „richtigen“ Radweg wären höher

Christa Emde von den Grünen hielt grundsätzlich dagegen: Das Missverhältnis zwischen Autofahrern, die deutlich in der Mehrheit auf den Straßen seien, und Fahrradfahrern „muss sich ändern“, betonte sie. Doch nicht alle wollten aufs Rad umsatteln, „die Leute wollen nicht verschwitzt bei der Arbeit ankommen“, meinte Steffen Schröter von der AfD. Und, so der fraktionslose Jörg Kapitän: „Radfahren ist was für den Sommer.“ Der Radweg werde an vielen Tagen im Jahr nur wenig genutzt werden, mutmaßte er. Die Kosten von 30.000 Euro für das Provisorium beunruhigen den Bezirksbürgermeister übrigens nicht. „Wenn wir einen richtigen Radweg bauen, kann das auch locker sechsstellig werden“, sagte Hikel.

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