Verkehr

Aktivisten sprühen Pop-up-Radweg auf die Hermannstraße

Donnerstagnacht sprühten Aktivisten einen Pop-up-Radweg auf die Hermannstraße. Bezirk und Polizei wollen vorerst nicht eingreifen.

So sieht der handgemachte Pop-up-Radweg in Neukölln aus.

So sieht der handgemachte Pop-up-Radweg in Neukölln aus.

Foto: Alexander Dinger

Berlin hat zuletzt mehrere provisorische Pop-up-Radwege mit einfachen Mitteln eingerichtet. So einfachen Mitteln, dass sie auch jeder Bürger selbst anwenden kann. Das haben nun Klima- und Verkehrsaktivisten des Bündnisses „Sand im Getriebe“ getan.

In der Nacht zu Freitag griffen sie selbst zu Farbdose und Schablone und sprühten kurzerhand einen Pop-up-Radweg auf die Hermannstraße in Neukölln. Ziel sei, so die Aktivisten auf Twitter, damit gegen die Abwrackprämie zu protestieren und die Verkehrswende selbst einzuleiten.

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Pop-up-Radweg über Nacht aufgesprüht – Bezirk und Polizei wollen nichts unternehmen

Die Linien gerieten etwas krumm, auf den ersten Blick könnten einige Verkehrsteilnehmer jedoch tatsächlich denken, dass es nun auch auf der Hermannstraße einen Pop-up-Radweg gibt.

Dem allerdings ist bis auf Weiteres nicht so, stellt Christian Berg vom Bezirksamt Neukölln klar. Am Freitagnachmittag habe sich das Ordnungsamt die Sprühereien angesehen. Etwas unternehmen will der Bezirk in der Sache jedoch nicht. „Nach meinen Informationen ist die Farbe weitestgehend wieder verblasst.“ Ein Eingriff sei deshalb nicht nötig.

Davon konnte zumindest am Freitagnachmittag noch keine Rede sein. Klar und deutlich waren die gelben Markierungen zu erkennen. „Kommt es dadurch zu einer Gefährdung des Straßenverkehrs, wäre das eine polizeiliche Angelegenheit“, so Berg.

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Ab 2021 soll ein breiter Radweg auf der Hermannstraße gebaut werden

Der Berliner Polizei war der plötzliche Pop-up-Radweg bis Freitagnachmittag nicht bekannt. Auch sieht man sich bei der Sicherheitsbehörde dafür nicht zuständig. Nur wenn Rad- oder Motorradfahrer auf der Farbe ins Rutschen kommen könnten, läge ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vor. Ansonsten sei es alleine Aufgabe des Bezirks, die Farbe wenn nötig zu entfernen.

Dabei ist noch offen, ob die Hermannstraße nicht vielleicht ohnehin eine Pop-up-Bikelane erhalten wird. „Unser Straßenamt prüft gerade, in welchen Bereichen das möglich ist“, sagte Berg. Wenn, dann käme der provisorische Weg jedoch wohl nur auf einzelnen kürzeren Abschnitten, da die Hermannstraße eine äußerst komplexe Straße mit variierenden Straßenbreiten sei.

Pläne für einen baulich umgesetzten, breiten Radweg gibt es allerdings schon. „Wir planen weiterhin, ab Frühling 2021 eine feste Infrastruktur da zu bauen“, so Berg.

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