Corona-Krise

Berlin bekommt neue Autokinos

In Neukölln können Kinofans ab Juni Filme im eigenen Wagen genießen. Gründer von „The (P)arkplatz“ sind die Macher von „The Haus“.

Das Autokino ist wieder Kult. Nach vielen anderen Städten wie hier in Mülheim bekommt auch Berlin ab Juni ein zeitweiliges Autokino in Neukölln.

Das Autokino ist wieder Kult. Nach vielen anderen Städten wie hier in Mülheim bekommt auch Berlin ab Juni ein zeitweiliges Autokino in Neukölln.

Foto: PRESSEFOTOGRAFIE UDO GOTTSCHALK via www.imago-images.de / imago images/Udo Gottschalk

Berlin. Das Autokino schien fast vergessen, jetzt erlebt es ein Revival – als Antwort auf coronabedingt geschlossene Filmtheater. Nach anderen Städten soll nun auch Berlin wieder ein Autokino bekommen – das mutmaßlich letzte ist gerade vom Festplatz in Reinickendorf nach Nauen (Brandenburg) gezogen.

Neben dem Hotel Estrel in Neukölln soll im Juni „The (P)arkplatz“ öffnen. Die Gründer nennen sich „XI DE SIGN“ – ein interdisziplinäres Team um das Berliner Trio „Die Dixons“, das 2017 mit dem Kunstprojekt „The Haus“ an der Budapester Straße weltweit bekannt wurde.

Möglich wird das neue Autokino, weil Berlin seit vergangenem Donnerstag Autokino-Vorführungen wieder erlaubt. Andere Bundesländer waren da schneller. So stieg die Zahl der Auto-Filmtheater in Deutschland von 18 im Jahr 2019 auf derzeit 30 in ganz Deutschland, etwa 50 weitere bereiten den Start vor.

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Autokinos: Bundesnetzagentur mit Rekordzahl an Anträgen

Angesichts des Kinohungers sieht sich die Bundesnetzagentur in Bonn mit einer Rekordzahl an Anträgen auf Erteilung von Funkfrequenzen konfrontiert. Die sind nötig, um das Tonsignal des Films in die Autoradios zu übertragen und um sicherzustellen, dass nicht zum Beispiel der Flugverkehr gestört wird.

Seit Anfang März habe die Behörde bundesweit rund 43 entsprechende Frequenzen für Autokinos zugeteilt, so Fiete Wulff, Pressesprecher der Bundesnetzagentur. Weitere knapp 80 Anträge würden derzeit bearbeitet. Zwei davon seien auch aus Berlin, heißt es in der Behörde – die erste Frequenz sei bereits seit dem 30. April erteilt, die zweite sei für den 17. Mai vorgesehen.

Wo genau diese Kinos sein werden, ist noch nicht klar. Unter anderem wurden in Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf Anträge gestellt, heißt es in den dortigen Bezirksämtern.

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Auch eine Auto-Disco können sich die Macher vorstellen

Auch für „The (P)arkplatz“ muss dieser Antrag erst noch gestellt werden, sagt Kimo von Rekowski von „Die Dixons“. Auf dem Autostellplatz vor dem Estrel solle ein Ort entstehen, wo im Rahmen der jeweiligen Auflagen und Beschränkungen Konzerte, Aufführungen und Events stattfinden könnten.

Im Blick haben die Künstler nicht allein filmhungrige Zuschauer, die genug Netflix geschaut haben und runter vom Sofa wollen. „Wir wollen auch die Kulturlandschaft in Berlin unterstützen und helfen, sie in ihrer Vielfalt zu erhalten.“ Geplant sind unter anderem Filme und Serien, Live-Übertragungen von Sportevents, Theatervorführungen und Konzerte – vielleicht sogar eine Auto-Disco.

„Derzeit sind wir mit einigen potenziellen Partnern und Veranstaltern im Gespräch, etwa Kinohäuser, Sportvereine und Kultureinrichtungen “, sagt von Rekowski. Popcorn soll es natürlich auch geben – vielleicht auch mehr, derzeit laufe die Suche nach einem lokalen Gastronom für ein Angebot.

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Zuschauer müssen während des Films im Auto bleiben

Der Autostellplatz des Estrel-Hotels liegt in Fußnähe des S-Bahnhofs Sonnenallee. Das Areal ist 20.000 Quadratmeter groß und bietet genug Raum für über 500 Fahrzeuge und bis zu 1000 Zuschauer. Spätestens ab 1. Juni sollen hier die ersten Veranstaltungen stattfinden, so von Rekowski.

Ein Erfolg scheint sicher – in anderen Städten ist die Nachfrage nach Autokinos so groß, dass viele oft ausverkauft sind. Moderne Technik macht es zudem möglich, selbst auch am sonnigen Nachmittag Kinder- und Familienfilme auf LED-Bildwänden zu zeigen.

Viele Veranstalter haben zudem auch noch andere Angebote. In Düsseldorf gab es schon erste Hochzeiten im Autokino und in mehrerem Städten Parkplatz-Gottesdienste.

So sieht das Sicherheitskonzept aus

Bis die ersten Vorführungen in Neukölln stattfinden können, ist aber noch eine Menge zu tun. Neben der Frequenz und dem Programm sind auch eine Bühne und die Leinwand nötig. Vor allem müssen die Betreiber noch am Sicherheitskonzept arbeiten. Denn für den Autokino-Betrieb unter Pandemie-Bedingungen wurde ein neues Regelwerk eingeführt. In jedem Auto dürfen nur zwei erwachsene Personen sowie eigene Kinder bis 14 Jahre sitzen. In vielen Kinos gibt es Tickets nur online im Vorverkauf, sie werden durch das geschlossene Fenster gescannt.

Laut der neuen Verordnung des Berliner Senats ist auch festgelegt, dass Cabriolets ihre Verdecke im Kino schließen müssen. Die Zuschauer müssen in ihren Fahrzeugen bleiben, selbst geöffnete Fenster sind nicht erlaubt. Der Abstand zwischen Autos muss mindestens 1,5 Meter betragen. Ticketverkauf und die Nutzung von Sanitärräumen müssen den Vorgaben der Hygienemaßnahmen entsprechen.

Doch Kimo von Rekowski ist zuversichtlich: „Wir sind alle motiviert, und ich bin optimistisch, dass in Neukölln schon bald die ersten Veranstaltungen stattfinden.“

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