Strandbad Tegel

Strandbad Tegel steht vor Wiedereröffnung

2016 musste das Strandbad Tegel schließen. Vier Jahre später wurde nun ein neuer Pächter gefunden. Dennoch gibt es alte Probleme.

Im Strandbad Tegel könnten schon im Sommer wieder Badegäste ins Wasser.

Im Strandbad Tegel könnten schon im Sommer wieder Badegäste ins Wasser.

Foto: David Heerde

Berlin. Es könnte das Ende eines der größten Ärgernisse des Bezirks Reinickendorf sein: Vier Jahre nachdem das Strandbad Tegel geschlossen wurde, sieht es nun so aus , als könnte es diesen Sommer endlich wieder öffnen. Diese Woche wurde ein neuer Betreiber für das Strandbad gefunden. Das teilte Felix Schönebeck mit, Vorsitzender des Vereins „I love Tegel“ und CDU-Bezirksverordneter im Rathaus Reinickendorf. Wer das Strandbad übernimmt, ist noch nicht bekannt. Nur so viel möchte Schönebeck im Gespräch mit der Berliner Morgenpost verraten: Es handelt sich um einen gemeinnützigen Berliner Verein. Im nächsten Schritt soll mit dem neuen Betreiber ein Erbbaurechtsvertrag auf 40 Jahre geschlossen werden.

Ausflugsstätte mit langer Leidensgeschichte

„Es ist die lang ersehnte Nachricht für alle Reinickendorfer, die ihr Strandbad Tegel schmerzlich vermisst haben“ erklärte Schönebeck hörbar erfreut. Man habe die neuen Betreiber bereits während des Bewerbungsverfahrens kennengelernt und unterstütze diese, wo immer es nötig sei. Ein Angebot, auf das der neue Betreiber wohl gern zurückgreifen dürfte. Denn das bei vielen Berlinern so beliebte Strandbad bringt einige Probleme mit sich.

Im Jahr 2016 wurde das Bad geschlossen. Der Senat hatte im Vorfeld die maroden einwandigen Abwasserrohre mit Dämmstoff verfüllen lassen. Im Wasserschutzgebiet sind aber zweiwandige Rohre vorgeschrieben. Sanierungskosten würden sich auf schätzungsweise 1,7 Millionen Euro belaufen. Zu viel für die verantwortlichen Berliner Bäderbetriebe (BBB): Sie schlossen das Bad. Initiativen und Politiker hatten sich daraufhin mehrfach für die Öffnung des Strandbades ausgesprochen. Im vergangenen Jahr hat die Kiezinitiative „I love Tegel“ schließlich den Versuch gestartet, über den Sommer das Strandbad als öffentliche Badestelle zu öffnen. Schönebeck hatte gemeinsam mit seinen Mitstreitern Manuel Antony und Friedrich Winter ein Konzept entwickelt und den Berliner Bäderbetrieben vorgelegt – Manuel Antony würde mit seiner Firma die Reinigung des Strandbades sowie die Leerung der Mülleimer übernehmen, Friedrich Winter zwei mobile WC-Anlagen bereitstellen. Der Plan ging allerdings nicht auf, Prüfungsverfahren dauerten zu lange, die Badesaison war vorbei.

Das Strandbad Tegel hat also eine lange Leidensgeschichte, die nach wie vor kein rechtes Ende nehmen mag. „Die Bedingungen für einen Betreiber sind nach wie vor schlecht“, erklärte Schönebeck. „Es gibt keine Bus-Anbindung, der Parkplatz ist zu klein, die Gebäude sind marode. Viel zu lange hat man das Strandbad Tegel dem Verfall preisgegeben.“ Schönebecks Parteikollege Tim-Christopher Zeelen, der für die Reinickendorfer CDU im Abgeordnetenhaus sitzt, erklärte zudem: „Hier wurde in den vergangenen Jahren kein Euro investiert und letztlich wurden vollendete Tatsachen geschaffen, indem man die Abwasseranlage mit Beton verfüllt hat. Viele Jahre, in denen das Strandbad verfiel, der bauliche Zustand immer schlechter wurde und die Kosten für die Instandsetzung von Tag zu Tag stiegen.“

CDU-Politiker fordern Unterstützung vom Land

Gemeinsam fordern die CDU-Politiker daher eine finanzielle Unterstützung vom Land für die Wiedereröffnung, insbesondere bei der Instandsetzung der Abwasserrohre und der Gebäude. Nur sieht das Konzept, das der neue Betreiber in einem durch die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) im Auftrag der BBB durchgeführten Interessen-Bekundungsverfahrens vorgelegt hatte, keine finanzielle Unterstützung des Landes vor.

Der Senat lehne eine finanzielle Beteiligung am Strandbad Tegel ab. „Die Höhe der Gesamtinvestitionskosten muss vollständig durch Finanzierungsnachweise aus Eigenkapital, Fördermitteln und Fremdkapital gedeckt sein“, erklärte ein Sprecher der Innenverwaltung auf Nachfrage. Auch zusätzliche Parkplätze sowie eine zusätzliche Verkehrsanbindung durch eine Buslinie zum Strandbad Tegel lente der Senat im vergangenem Jahr ab: Längere Fußwege seien zumutbar – der Weg vom Strandbad zur nächstgelegenen Bushaltestelle ist knapp 1,5 Kilometer lang.

Schönebeck bleibt dennoch optimistisch. Schließlich habe der neue Betreiber auch ohne Zugeständnisse vom Land den Zuschlag erhalten – und angenommen. Schon diesen Sommer könnten die ersten Badegäste wieder ins Strandbad Tegel kommen, meinte Schönebeck. Denn dem Badebetrieb stehe trotz Renovierungsbedürftigkeit der Anlage eigentlich nichts im Wege, mindestens eine Teilöffnung des Strandbads sei möglich.

Einen kleinen Dämpfer erhält Schönebecks Optimismus allerdings vonseiten der BIM. Wie der Betrieb funktionieren soll, wenn Rohre verstopft und Sanitäranlagen nicht zur Verfügung stehen, ist nämlich noch nicht geklärt. „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen und daher liegen auch keine finalen Ergebnisse vor“, teilte Pressesprecherin Johanna Steinke mit. Ob man also diesen Sommer bereits wieder Erholung im Strandbad Tegel findet, ist derzeit noch ungewiss.