Bezirksbürgermeister

Martin Hikel: „Die Corona-Krise ist für viele existenziell“

Bezirksbürgermeister Martin Hikel über die Herausforderung der Corona-Krise und die Entscheidung, die Spielplätze nicht zu schließen.

Martin Hikel, Bezirksbürgermeister von Neukölln.

Martin Hikel, Bezirksbürgermeister von Neukölln.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Neukölln wird auch künftig seine Spielplätze aufgrund der Corona-Krise nicht schließen. Das sagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) der Berliner Morgenpost. „Wir haben uns als Bezirksamt dazu entschlossen, dass wir von der Nutzung der Spielplätze dringend abraten.“ Dazu seien Beratungsteams mit Informationsmaterial auf verschiedenen Sprachen auf den Spielplätzen in Neukölln unterwegs, um über die Gefahren aufzuklären und strengere Verhaltensregeln, wie beispielsweise größeren Abstand zu halten, zu kommunizieren.

Hikel beruft sich gleichzeitig auf den Beschluss des rot-rot-grünen Senats, die Spielplätze nicht zu schließen. Allerdings rücken immer mehr Berliner Bezirke von dieser Offenhaltung selbstständig ab – den Anfang machten Mitte, Marzahn-Hellersdorf, Reinickendorf und Spandau, gefolgt von Steglitz-Zehlendorf, Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg. „Das entscheidende ist ja, dass die großen Neuköllner Spielplätze gestern nicht wahnsinnig hoch frequentiert waren“, sagte Hikel weiter. Außerdem wolle er den Neuköllnern Zeit geben, sich an den Ratschlag, Spielplätze möglichst nicht mehr zu nutzen, zu gewöhnen. „Man muss den Leuten die Chance lassen, aktuelle Hinweise in die Praxis umzusetzen. Klappt das nicht, muss man im Zweifel doch noch weitere Maßnahmen folgen lassen.“

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Wegen Corona-Krise: Betrieb im Rathaus Neukölln läuft auf Sparflamme

Unterdessen läuft der Betrieb des Neuköllner Bezirksamts derzeit eher auf Sparflamme. Die Pandemie haben auf seinen eigenen Alltag, aber auch auf den der ganzen Verwaltung „massive Auswirkungen“, so Hikel. Die meisten der täglichen Bürger-Sprechstunden im Bezirksamt fielen nun aus, viele Dienstleistungsangebote für Neuköllner stünden nicht mehr wie gewohnt zur Verfügung. „Das meiste läuft jetzt über E-Mail und Telefon.“ Dennoch erklärte er, dass nur rund zehn bis 15 Prozent der Mitarbeiter des Bezirksamts im Homeoffice arbeiten könnten. „Es gibt im Bezirk gar nicht so viele Homeoffice-Arbeitsplätze“, fügte er erklärend hinzu. „In allen Schlüsselbereichen sind ansonsten die Beschäftigten in ihren Büros.“ Bisher gebe es im Bezirksamt Neukölln noch keinen positiv getesteten Mitarbeiter. „Aber die Einschläge, die Verdachtsfälle, kommen jeden Tag näher – und wir reden stets nur von Momentaufnahmen“, so Hikel.

Man versuche jetzt daher den Personalaufwand nun so zu organisieren, dass die Verwaltung weiterhin effektiv arbeiten könne. „Bei allen anderen schauen wir, dass sie ihre Kollegen anderweitig sinnvoll unterstützen können.“ So sei derzeit eine der wichtigsten Aufgaben, das Gesundheitsamt mit weiterem Personal zu unterstützen, so der Bezirksbürgermeister. Er versicherte, dass das Gesundheitsamt jedem gemeldeten Verdachtsfall im Bezirk nachgehe, „und zwar nach allen Möglichkeiten. Und das ist ein ganz schöner Kraftaufwand.“

Aufgaben werden nun nach wichtig und unwichtig aufgeteilt

Insgesamt, so erklärte Hikel, funktioniere die Verwaltung aber weiterhin gut. Allerdings priorisiere man nun natürlich die Aufgaben. „Dinge, die für die Bürger existenzsichernd sind, wie zum Beispiel ein Ausweisdokument oder das Führungszeugnis für eine Pflegekraft, die werden auch weiterhin bearbeitet. Aber wer sich jetzt zum Beispiel ummelden möchte, der kann auch schon mal auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet werden.“

Auch solle in Zukunft ein Hauptaugenmerk auf die Wirtschaftsförderung gelegt werden. „Wir haben zwar die Möglichkeit nicht, Kredit zu vergeben. Was wir aber tun können, ist beraten“, sagte Hikel. Kleinstunternehmen bräuchten nun besondere Hilfen. So stehe man beispielsweise auch im engen Austausch mit dem Arbeitsamt, aber auch die Beratung für Unternehmen, wie man nun an staatliche Hilfsfonds gelange, könne das Bezirksamt leisten. „Die Corona-Krise ist für viele existenziell. Und Neukölln ist ein Bezirk, der wie kein anderer für seine lebendige Kultur- und Kreativszene, aber auch Gastroszene steht. Und das sind jetzt die ersten Branchen, die über die Klinge springen. Für die müssen wir jetzt da sein.“