Rechtsextremes Attentat

Wie Gäste in Berliner Shisha-Bars auf Hanau reagieren

Rund ums Rathaus Neukölln reihen sich Shisha-Cafés aneinander. Die Gäste haben von den Angriffen in Hanau gehört - bleiben aber ruhig.

Frau in einer Shisha-Bar in Berlin (Archivbild)

Frau in einer Shisha-Bar in Berlin (Archivbild)

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Auf dem Fernseher in einer Shisha-Bar in Berlin-Neukölln läuft eine Live-Übertragung aus Hanau. Die Reporterin berichtet am Donnerstag über den Anschlag aus der Nacht zuvor. „Das könnte überall passieren“, sagt ein Gast, der vor dem Fernseher sitzt, an seiner Wasserpfeife zieht und später noch arbeiten muss.

Am Morgen hat er von einem Freund von dem mutmaßlichen Terroranschlag auf zwei Shisha-Bars in Hessen mit mehreren Toten erfahren. „Solche Leute müssen lebenslang in den Knast“, sagt der etwa 40 Jahre alte Mann in der Bar in der Hermannstraße, „damit sie verstehen, was ein Menschenleben wert ist.“

Ein 43-Jähriger hatte am späten Mittwochabend neun Menschen erschossen, überwiegend solche mit ausländischen Wurzeln. Generalbundesanwalt Peter Frank, der die Ermittlungen übernommen hat, attestiert dem Täter eine „zutiefst rassistische Gesinnung“.

Shisha-Bar-Besitzer wünscht sich mehr Polizei auf den Straßen

In Neukölln wohnen viele Familien mit türkischen und arabischen Wurzeln, in der Gegend rund um das Rathaus Neukölln gibt es zahlreiche Shisha-Cafés, wo vor allem Männer sitzen. „Das ist schlimm, was passiert ist“, sagt ein Kunde in einer Bar in der Karl-Marx-Straße. Die Anschläge auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz 2016 und zuletzt in Halle zeigten, dass die Situation auch in Deutschland schlimmer werde - „aber noch lange nicht so schlimm, wie in anderen Ländern.“

Viele Inhaber und Gäste sind am Tag nach dem Anschlag betroffen. Angst oder Panik ist aber nicht zu spüren. Die Menschen sind eher ruhig, Wachleute gibt es in keiner der Bars. „Security-Menschen dürfen keine Waffen tragen, man kann sich also gar nicht schützen“, sagt der Besitzer einer Bar auf der anderen Straßenseite. „Das muss die Stadt machen.“ Er wünscht sich mehr Polizei auf den Straßen, damit sie im Fall eines Anschlags schneller da ist.

In seiner Bar sind am Donnerstagnachmittag etwas weniger Kunden als sonst. Ob das mit dem Anschlag zu tun hat, kann der Besitzer noch nicht sagen. „Das ist erst gestern passiert. Jetzt muss man abwarten.“

„Wir sind deutsch und fühlen uns deutsch“

Vor einer Bar in der Sonnenallee hängt eine Deutschlandfahne. Der Besitzer hat palästinensische Wurzeln und betont: „Die hängt immer da, wir sind deutsch und fühlen uns deutsch.“ Ein gutes Dutzend Männer sitzt am Nachmittag an den Tischen. Sie rauchen Shishas und trinken Tee, die meisten für sich alleine. Im Fernseher läuft Musik, über den Anschlag wird nicht gesprochen. „Wir haben aber davon gehört“, sagt ein Kellner.

In die meisten Bars kommen überwiegend Stammkunden - auch Deutsche. Wer neu ist, wird sofort erkannt, sagen die Kellner. Probleme mit rassistischen Anfeindungen oder Pöbeleien gebe es nicht. Wenn, dann eher mit Drogenkriminalität und Clan-Streitereien in der Umgebung.