Fehlende Spenden

Jugendclub in Neukölln droht Aus: Keine Hilfe vom Bezirksamt

Dem Jugendclub „Manna“ droht die Schließung. Die Schulleiter schlagen in einem Brandbrief Alarm: Jugendgangs bedrohen Schüler.

In der Gropiusstadt in Neukölln muss der Jugendclub "Manna" (untergebracht in dem Flachbau rechts) demnächst vielleicht bald schließen.

In der Gropiusstadt in Neukölln muss der Jugendclub "Manna" (untergebracht in dem Flachbau rechts) demnächst vielleicht bald schließen.

Foto: Bildagentur-online/Schoening

Berlin. Seit jeher ist die Gropiusstadt ein Brennpunktkiez in Neukölln. Von den gut 37.000 Einwohnern sind rund zehn Prozent ohne Arbeit. Fast 60 Prozent der Kinder leben hier in Familien, die von staatlicher Hilfe abhängig sind. Die Häuser in der Gropiusstadt sind hoch, die Sitten rau und die Sorgen der Schulleiter groß. Denn jetzt droht einem der letzten kostenlosen Jugendclubs, dem „Manna“ an der Lipschitzallee, die Schließung. Und die Schuldirektoren der Trabantenstadt fürchten nun, dass „ihre“ Kinder Jugendgangs zum Opfer fallen könnten.

Etwa 30 bis 60 Schüler aus den dritten bis sechsten Klassen der umliegenden Schulen kommen täglich ins „Manna“. Regelmäßig kommen bis zu 300 Kinder aus der Gropiusstadt und dem restlichen Bezirk nachmittags zum Essen, Spielen, Hausaufgaben machen oder einfach nur, um Freunde zu treffen und Spaß zu haben.

„Das ist ein ganz brisantes Alter, die Kinder sind gerade am Anfang der Pubertät und sind auf sich orientiert und interessieren sich weniger für die Schule“, erzählt Karin Töpfer, Schulleiterin der Hugo-Heimann-Grundschule. Viele ihrer Schüler gehen nach der Schule regelmäßig ins „Manna“, bekommen hier für 50 Cent ein warmes Mittagessen – etwas, was Zuhause oft nicht auf den Tisch kommt, weiß die Schuldirektorin. „Cool“ müsse das Freizeitangebot für die Kids in diesem Alter sein, erklärt sie weiter. Das „Manna“ erfülle dieses Kriterium – vor allem in den Augen der Kinder der Gropiusstadt.

Jugendclub „Manna“ in Neukölln: Schon im Sommer könnte Schluss sein

Doch nun steht das „Manna“ kurz vor dem Aus. Schon im Sommer könnte Schluss sein. Denn das Familienzentrum, das auch für Senioren, junge Mütter und eben Kinder und Jugendliche viele Angebote hat, finanziert sich bisher vor allem über Spenden. Doch die fallen nun nach und nach weg.

Seit elf Jahren gibt es das „Manna“ bereits, die Jahreskosten belaufen sich auf rund 350.000 Euro. Mit einer Kostenübernahme von einem Drittel durch den Bezirk hätte das „Manna“ eine Chance gehabt offen zu bleiben, sagt Lars Dittebrand, Leiter des Zentrums. .

Doch das Bezirksamt lehnt eine Teilübernahme der Kosten ab. Begründung: Es gebe genügend Angebote für Kinder in der Gropiusstadt, die bereits vom Bezirk finanziert werden. Hier gebe es auch noch ausreichend Platz für neue Kinder.

Schulleiter: Jugendeinrichtungen sind überfüllt

Die Schulleiter der Gropiusstadt und Dittebrand aber widersprechen: Die Jugendeinrichtungen in der Gropiusstadt seien voll, würden schon heute aus allen Nähten platzen.

Und: Kinder in diesem Alter wollen natürlich auch nur in coole, hippe Jugendclubs gehen. Einem 12-Jährigen vorschlagen, seine Freizeit auf dem Abenteuerspielplatz zu verbringen? Da erntet man in der Gropiusstadt nur ein müdes Lächeln von den Kids, sagen die Schulleiter.

Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) erklärt, er wolle künftig vermehrt die Kinder- und Jugendbetreuung in Britz, Buckow und Rudow fördern – denn hier gebe es bisher kaum Angebote. „Wer weitere bezirklich geförderte Angebote in der Gropiusstadt will, muss den Rudowern, Buckowern und Britzern erklären, dass sie auch in Zukunft schlechter versorgt werden. Das kann, will und werde ich als verantwortlicher Stadtrat für den ganzen Bezirk nicht tun.“

Liecke sieht vielmehr den Träger des „Manna“, die Malteser, in der Verantwortung, den Jugendclub weiterzubetreiben. „Der Bezirk kann nicht in alle Finanzierungen einsteigen, die Seitens der Träger nicht mehr gewährleistet werden können“, so der Jugendstadtrat weiter.

Bezirksamt Neukölln lehnt Kostenübernahme für „Manna“ ab

Die Kinder und Jugendlichen am Nachmittag anstatt ins „Manna“ in einen Hort zu schicken, geht aber auch nicht, erklärt Töpfer. Denn ein Hort ist für jüngere Kinder vorgesehen, aus den ersten und zweiten Klassen. Für die ist er auch kostenlos. Für ältere Kinder hingegen ist der Hort nicht kostenfrei. Können oder wollen sich die Eltern das nicht leisten, würden diese Kinder dann wieder ohne Betreuung dastehen. Und für ein Jugendhaus sind die „Manna“-Kinder wiederum noch zu jung.

Alle Schulleiter der Gropiusstadt – von sieben Grundschulen, drei Gemeinschaftsschulen und einem Ober­stufenzentrum – haben nun einen Brandbrief an den Bezirk und an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) geschrieben mit der Aufforderung, das „Manna“ nicht der Schließung zu überlassen. Jeder hier kenne Geschichten von Kindern, denen die Handys von Jugendgangs geklaut wurden oder die ihr Taschengeld abgeben mussten, sagen die Schuldirektoren „Die Gropiusstadt war nie ein einfaches Pflaster“, sagt Dittebrand.

Jugendgangs klauen Kindern Geld und Handys

Das ,Manna’“, ist sich Schulleiterin Töpfer sicher, „wird in der Gropiusstadt auf extreme Art und Weise fehlen. Wenn es schließt, dann laufen unsere Kinder ins Leere.“ Denn die Kinder würden dann entweder unbetreut zu Hause sein – oder auf den rauen Straßen der Gropiusstadt rumhängen. „Die Kinder müssen sich dann auf der Straße zu behaupten lernen“, sagt Töpfer.

Das Leben sei hart in der Gropiusstadt. „Teilweise werden die Straßen regelrecht von Gangs dominiert. Wenn unsere Kinder an die geraten, tut ihnen das natürlich nicht gut“, sagt sie weiter. Denn entweder würden die Kinder sich den Jugendgangs anschließen oder sie würden von ihnen bedroht, ausgeraubt oder erpresst. „So oder so: Die schulischen Leistungen leiden natürlich“, sagt Töpfer.

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