Mobile Konsumräume

Drogen in Neukölln: Stadtrat Falko Liecke fordert mehr Hilfe

Wegen des öffentlichen Drogenkonsums in Neukölln fordert Stadtrat Falko Liecke (CDU) wieder mobile Konsumräume.

Drogenkonsum auf einem Neuköllner Grab: Spritzbesteck und Müll am 24. Januar auf dem St. Jacobi-Friedhof an der Hermannstraße.

Drogenkonsum auf einem Neuköllner Grab: Spritzbesteck und Müll am 24. Januar auf dem St. Jacobi-Friedhof an der Hermannstraße.

Foto: Bezirksamt Neukölln von Berlin

Berlin. In Neuköllns Grünanlagen werden offen Drogen genommen. „Es trifft mich immer wieder, wenn ich diese Zustände sehe“, schrieb Neuköllns Gesundheitsstadtrat und stellvertretender Bezirksbürgermeister Falko Liecke (CDU) am Donnerstag auf Facebook. Dazu postete er mehrere Fotos – eines davon zeigt weggeworfenes Spritzbesteck auf dem Boden neben einer kleinen Tanne.

Aufgenommen wurde es laut Liecke am 24. Januar auf dem St. Jacobi-Friedhof an der Hermannstraße. Die anderen Bilder entstanden am selben Tag im wenige hundert Meter entfernten Anita-Berber-Park. „Auch in der ‘kalten’ Jahreszeit hält uns das Drogenproblem in Atem“, schreibt Liecke weiter.

In Neukölln gibt es immer wieder neue Drogen-Hotspots – darunter auch eine Grünfläche an der Stadtautobahn A113 zwischen Buschkrugallee und Ballinstraße sowie den U-Bahnhof Schönleinstraße an der Grenze zu Kreuzberg. „Wir sind als Bezirk dafür nicht zuständig, werden aber immer wieder von genervten oder verängstigten Bürgern angesprochen“, sagte Liecke der Berliner Morgenpost. Er fordert mehr Anstrengungen der Senatsgesundheitsverwaltung und der Sicherheitsbehörden im Kampf gegen Drogen.

Drogen in Neukölln: Seit einem Jahr fester Konsumraum an der Karl-Marx-Straße

Neben mehr Sozialarbeitern fordert Liecke, dass es auch wieder ein Drogenkonsumobil im Bezirk gibt, „um besser auf Hotspots reagieren zu können“. Gebraucht würden eigentlich zwei oder drei. So ein Mobil gab es bis vor einem Jahr im Neukölln. Nach der Eröffnung des des Drogenkonsumraums „Druckausgleich“ an der Karl-Marx-Straße im Januar 2019 wurde es allerdings abgezogen und nach Tempelhof-Schöneberg verlegt.

Im Druckausgleich kann in geschützter Atmosphäre und unter hygienischen Bedingungen insbesondere Herion konsumiert werden. Im vergangenen Jahr nahmen 511 Süchtige das Angebot 16.674 Mal in Anspruch, wie aus einer Antwort der Senatsgesundheitsverwaltung auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hervorgeht.

Drogenkonsumräume sollen künftig länger geöffnet haben

Der Neuköllner Druckraum ist wochentags von zwölf bis 18 Uhr und sonnabends von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Die anderen beiden in Moabit und in Kreuzberg sogar Sonnabend und Sonntag geschlossen.

„Es ist beabsichtigt, dass die Öffnungszeiten schrittweise noch beginnend im ersten Quartal dieses Jahres auf bis zu acht Stunden täglich pro Einrichtung an sieben Tagen die Woche erweitertwerden sollen“, heißt in der Antwort weiter. Außerdem seien weitere stationäre Angebote geplant und die Verlagerung der mobilen sei möglich.

„Wir haben oft Mehrfachlagen“, sagte Liecke. Viele Drogenabhängige seien obdachlos. Daher fordert er eine Einrichtung, die auch in den Nachtstunden geöffnet hat. Eine Art „Tee- und Wärmestube“ mit Beratungsangeboten, der Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, und auch zu konsumieren.

In 70 Prozent aller Neuköllner Parks werden Drogen genommen

In Berlin gibt es derzeit drei feste Drogenkonsumräume. Neben dem an der Neuköllner Karl-Marx-Straße sind das die „Birkenstube“ in Moabit und die „SKA“ in Kreuzberg. Im Raum in Moabit wurden im vergangenen Jahr 687 Konsumenten und 20.712 Konsumvorgänge gezählt, heißt es von der Senatsgesundheitsverwaltung. In Kreuzberg waren es 531 beziehungsweise 12.105.

Neben dem U-Bahnhof Kottbusser Tor gilt auch die Station Schönleinstraße als einer von Berlins Drogen-Hotspots. Von Januar bis Oktober vergangenen Jahres registrierte die Polizei dort 121 Verstöße, am Kottbusser Tor 130. Beide Stationen liegen auf der U-Bahnlinie 8.

In 70 Prozent aller Neuköllner Parks werden Drogen konsumiert. Seit Mitte 2019 werden laut Bezirk auch vermehrt Spritzen und Müll auf der Ausgleichsfläche der Autobahn A113 gefunden.