Karstadt-Neubau

Demonstranten protestieren gegen Karstadt-Pläne

Signa stellte die Pläne für den Kaufhaus-Neubau vor. Demonstranten protestierten gegen einen Neubau im Stil der 1920er-Jahre.

Rund 150 Menschen haben vor dem Rathaus Neukölln gegen einen Karstadt-Neubau demonstriert.

Rund 150 Menschen haben vor dem Rathaus Neukölln gegen einen Karstadt-Neubau demonstriert.

Foto: Nina Kugler

Berlin. Der Karstadt-Eigentümer Signa hat am Dienstagabend seine Pläne für den Kaufhaus-Neubau am Hermannplatz im Neuköllner Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt. Begrüßt wurde Timo Herzberg, CEO von Signa Deutschland, von rund 150 Demonstranten, die vor dem Rathaus gegen einen geplanten Neubau im Stil der 1920er-Jahre protestierten.

Ihre Forderung: Kein Abriss des 50er-Jahre-Hauses. Dabei ist Neukölln formal gesehen nicht zuständig, um über einen Neubau zu entscheiden. Denn das Gebäude steht auf Grund und Boden von Friedrichshain-Kreuzberg.

Dennoch betonte Neuköllns Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) am Dienstagabend, dass es eine enge Zusammenarbeit und Absprache zwischen den beiden Bezirken gebe. „Beide Bezirke sind gleichermaßen betroffen“, so Biedermann. Im Oktober zeigte ein internes Dokument aus dem Bezirksamt Neukölln, dass der geplante Neubau eher negativ bewertet wurde.

Signa plant Erhöhung der Gewerbefläche um 30 Prozent

Doch Signa sieht dennoch weiterhin die Notwendigkeit, Karstadt neuzubauen. Denn, so berichtete der Konzern während der Vorstellung des Projekts, seit zehn bis 15 Jahren seien Besucherzahlen und Umsätze im Kaufhaus am Hermannplatz rückläufig. Zudem sei die Untervermietungsquote sehr hoch. Karstadt sei der einzig große Mieter, ansonsten seien in dem Haus vor allem Kleinunternehmen ansässig. Für Signa ein Zeichen, dass sich das Gebäude derzeit in eine kleinteilige Shopping-Mall entwickeln würde.

Signa plant nach eigenen Angaben, die Gewerbefläche im Haus um rund 30 Prozent zu erhöhen – mit Karstadt und Büros als Hauptmieter. Diese Gewerbe sollen denn auch den Neubau querfinanzieren. Die Bauzeit schätzt Signa derzeit auf drei bis vier Jahre, betonte aber gleichzeitig, dass weder Bauantrag noch -genehmigung vorliegen würden. Momentan würde man sich noch in der Planungsphase befinden, und auch die Bürgerbeteiligung und der daraus entstehende Dialog solle noch mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen.

Signa wollte und konnte dem Ausschuss daher auch keine konkreten Baupläne vorlegen. Nur so viel: Sollte Karstadt tatsächlich um- oder neugebaut werden, solle dies im laufenden Betrieb stattfinden. Ob dies allerdings in einem sogenannten Phasenumbau – dass das Gebäude also nach und nach umgebaut wird, während in anderen Teilen der Betrieb weiterläuft – oder für die Zeit des Umbaus ein Alternativstandort gefunden werde, blieb indes noch offen.

Parkhaus auf der Urbanstraße soll abgerissen werden

Zudem unterstrich Signa seinen Wunsch, das Parkhaus, das auf der Seite zur Urbanstraße steht, abreißen zu wollen. Denn es stünde die meiste Zeit mindestens zur Hälfte leer und blockiere damit – im wahrsten Sinne des Wortes – wertvollen Platz in Innenstandlage. Alternativ sollen neue Parkplätze in einer unterirdischen Garage gebaut werden.

Baustadtrat Biedermann unterstrich indes die Nötigkeit einer konkreten Planung, um den Neubau richtig bewerten zu können. Ebenso müsse eine konkrete Nutzung für die Läden im Kaufhaus benannt werden. „Denn die werden natürlich Auswirkungen auf die umliegenden Kieze haben“, so Biedermann. Und hier müsse man Anwohner und Gewerbetreibende vor Gentrifizierung und Verdrängung schützen.

Herzberg sagte dazu: „Die Zukunft von Karstadt an diesem Standort ist unverhandelbar.“ Über die Größe des Neubaus und die genaue Ausgestaltung könne man diskutieren.