Tödlicher Unfall

So gefährlich ist Fahrradfahren am Kottbusser Tor

Am Kottbusser Tor wurde eine Radfahrerin von einem Lkw erfasst und starb. Patrick Goldstein ist dort regelmäßig mit dem Rad unterwegs.

Patrick Goldstein ist Reporter für Friedrichshain-Kreuzberg.

Patrick Goldstein ist Reporter für Friedrichshain-Kreuzberg.

Foto: Reto Klar

Berlin. Nach dem tödlichen Unfall einer Fahrradfahrerin am Kottbusser Tor in Kreuzberg: Morgenpost-Reporter Patrick Goldstein ist viel mit dem Fahrrad in Kreuzberg unterwegs, auch am Kottbusser Tor. Dort herrscht Lebensgefahr, konstatiert er. Hier seine Erlebnisse:

Es ist die Etappe im Bezirk, bei der man alles andere einfach mal abschaltet. Wer als Radfahrer da noch ans Büro oder an Privates denkt statt sich hundert Prozent zu konzentrieren, begibt sich in Lebensgefahr. Unterwegs auf dem Radweg am Kottbusser Tor zeigt sich in nur wenigen Sekunden komprimiert, wie ungeschützt man als Radfahrer ist in Berlin.

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Am Morgen nach dem tödlichen Unfall einer Radfahrerin am Mittwoch führt mich mein Weg durch Kreuzberg zu einem Termin. Schon die Anfahrt zum „Kotti“ findet unter verschärften Bedingungen statt. Auf der Gitschiner Straße gibt es erstmal keinen Radweg, die Autos neben der Hochbahntrasse nutzen die gerade Strecke, um mal ein bisschen aufs Gas zu drücken, gern auch dicht an Radfahrern vorbei. Rechts ist auf dem Parkstreifen hohe Fluktuation, ständig werden Fahrertüren geöffnet, ziehen Wagen aus ihren Lücken oder rollen mir rückwärts entgegen. Alltag in Berlin.

Ab der Böcklerstraße gibt es einen Radweg. Aber auf dem steht diesmal ein BSR-Wagen, den gilt es zu umfahren. Lässt mich der weiße Kastenwagen einer Sanitärfirma vor? Nein. Natürlich nicht.

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Brenzlig ist es wieder an der Ecke Reichenberger Straße

Vor der ersten Ampel am Kottbusser Tor bremse ich früher ab als sonst. Andere vor mir fahren darüber hinweg, die verkehrsberuhigte Admiralstraße zur Rechten schreckt sie nicht. Der Radweg geht in den Kreisverkehr, und lange vor der Ecke zur Kottbusser Straße schaut man schon genau, ob von links ein Auto kommt. Denn die haben an der Stelle bereits viel Tempo drauf und wenig Zeit, mich zu erkennen oder zu bremsen. Wer einen Führerschein hat, weiß so etwas.

Auch die Autofahrer, die wie der Lkw am Mittwoch von Süden kommend in die Kottbusser Straße einfahren, haben eine verstopfte Straße mit parkenden Wagen in zweiter Spur hinter sich und wollen jetzt merklich vorankommen. Radfahrer, die aus gleicher Richtung kommen, lässt die gesonderte Ampel deutlich vor den Autos über die Straße in Richtung Norden. Für mich geht es nach Osten weiter. Brenzlig ist es wieder an der Ecke Reichenberger Straße, in deren Bereich der Unfall geschah. Auch hier kommen Autos mit Tempo an, haben keine Ampel, die Radfahrer auch nicht, beide wähnen sich durch das Grün ein paar Meter zuvor nun auch hier im Vorfahrtsrecht. Wie gesagt: Lebensgefahr.

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