Neubau

Neukölln will Friedhof mit Bürogebäuden überbauen

Der Bebauungsplan für Friedhöfe an der Hermannstraße zeigt, wie sich Bezirk und Architekten die Zukunft des Areals vorstellen.

Ein Teil des St. Jacobi Friedhofes an der Hermannstraße soll bebaut werden.

Ein Teil des St. Jacobi Friedhofes an der Hermannstraße soll bebaut werden.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Die Pläne zur Bebauung von Neuköllner Friedhöfen konkretisieren sich. Im Neuköllner Rathaus liegt seit Anfang der Woche der Bebauungsplan für den östlichen Teil des St. Jacobi-Friedhofs an der Hermannstraße aus. Knapp ein Hektar groß ist die Fläche, die hier bebaut werden soll – voraussichtlich aber nicht vor dem Jahr 2032. Erst dann laufen nämlich die Liegerechte auf den Friedhofsflächen aus.

Der Bebauungsplan sieht demnach Büros an der Hermannstraße vor. Die denkmalgeschützte Friedhofskapelle soll zu einem sozialen und kulturellen Begegnungsort mitsamt Info-Point umgebaut werden. Auch Neubauten sind geplant. In die sollen Wohnungen kommen für „Menschen mit besonderem Wohnbedarf“, wie es im Bebauungsplan steht. Und auch ein Umweltzentrum soll im Erdgeschoss eines Neubaus Platz finden.

Bebauung von Neuköllner Friedhöfen: Dächer und Fassaden sollen bepflanzt werden

Um den Verlust der Grünflächen auszugleichen – der St. Jacobi-Friedhof gleicht heute eher einem Park denn einem Friedhof – sieht der Bebauungsplan vor, die bestehende Baumallee zu erhalten und, wo nötig, sogar neue Bäume zu pflanzen. Außerdem sollen 70 Prozent der neuen Dachflächen bepflanzt werden. Und an mindestens 50 Prozent der Hausfassaden sollen Schlingpflanzen wachsen.

Seit 2010 finden auf dem St. Jacobi-Friedhof keine Beerdigungen mehr statt. Ein Teil der Friedhofsfläche wird seit diesem Jahr von Gärtnern der Prinzessinengärten genutzt. Trotzdem ist die Bebauung von Friedhöfen nicht unstrittig.

Bebauung von Friedhofsflächen nicht unstrittig

Neuköllns Umweltstadtrat Bernward Eberenz (CDU) warnte im Sommer im Gespräch mit der Berliner Morgenpost ausdrücklich: „Eine – auch nur teilweise – Bebauung hätte unvermeidlich negativen Einfluss auf die biotopische Qualität und würde auch die binnenklimatisch günstige Wirkung auf die umliegenden Kieze reduzieren.“

Er verwies auf ein einmaliges, artenreiches Biotop – „hoch entwickelt mit altem Baumbestand und einer auch ansonsten reichen Flora und Fauna“. Auch seien die Flächen für Kalt- und Frischluftschneise im Bezirk verantwortlich.

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