Prozess

Neuköllner Traditionskneipe „Syndikat“ muss geräumt werden

Die 34 Jahre alte Neuköllner Kneipe muss geräumt werden. Das entschied das Landgericht am Dienstag.

Die Neuköllner Kneipe „Syndikat“ kämpft ums Überleben – wie hier im Sommer bei einer Demonstration.

Die Neuköllner Kneipe „Syndikat“ kämpft ums Überleben – wie hier im Sommer bei einer Demonstration.

Foto: Reto Klar

Berlin. Ein Jahr lang kämpfte die Neuköllner Traditionskneipe „Syndikat“ aus dem Schillerkiez gegen die Kündigung und Räumung. Im Sommer 2018 hatte nach mehr als 33 Jahren die Kündigung im Briefkasten der Kneipe gelegen. Ohne Begründung – und ohne Verhandlungsoption, wie die „Syndikat“-Mitarbeiter der Berliner Morgenpost sagten. Doch der Kampf der Kneipenbesitzer war vergeblich. Das Landgericht urteilte am Dienstag: Die Kündigung der neuen Hauseigentümer „Firman Properties“ ist wirksam. Die Räumung der Bar damit vollstreckbar.

Die Polizei war einer Sprecherin zufolge mit 140 bis 160 Einsatzkräften vorm Gericht. Es war im Vorfeld des Prozesses mit Ausschreitungen und Störaktionen gerechnet worden, wie zuletzt beim Prozess um die Räumung der besetzten Liebigstraße 34. Vor dem Landgericht wurden am Dienstagmorgen Absperrungen errichtet. Die Polizei kontrollierte jeden, der hinein wollte. Auch rund um das Gericht patrouillierten Einsatzbeamte. Protestler kamen allerdings nicht. Und auch das Urteil war schnell und störungsfrei verkündet worden.

Kneipenbesitzer: Wir sind vom Urteil sehr frustriert

Auffällig: Sowohl die Vertreter der Kneipe als auch die neuen Hausbesitzer fehlten bei der Urteilsverkündung. „Es hätte sich für die paar Minuten, in denen das Urteil verlesen wird, einfach nicht gelohnt, bis ans Landgericht zu fahren“, sagte Christian, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, der Berliner Morgenpost. Er gehört seit mehr als zwölf Jahren zum acht Mann starken „Syndikat“-Kollektiv, das die Kneipe betreibt.

Auch wenn das Urteil so fast schon vorherzusehen gewesen war, sagte Christian weiter, sei die Enttäuschung nun sehr groß: „Natürlich sind wir frustriert. Sehr sogar.“ Ob man in Revision gehen wolle, ließ Christian indes noch offen. Man müsse sich nun mit dem Kollektiv und den Anwälten besprechen, erst dann könne eine Entscheidung getroffen werden.

Kein neuer Mietvertrag – keine Schlüsselübergabe

Die neuen Hausbesitzer hatten dem „Syndikat“-Kollektiv vergangenes Jahr gekündigt. Zum Jahresende sollte die Kneipe geräumt und übergeben werden. Doch das Kollektiv weigerte sich, kämpfte für den Fortbestand der Bar – und übergab nicht die Ladenschlüssel. Das „Syndikat“ wurde weiter betrieben, auch Miete wurde weiterhin gezahlt.

Die „Firman Properties“ ist Teil der „Pears Global Real Estate“, eines sogenannter Global Player mit Sitz in London. Das Unternehmen hatte das „Syndikat“-Haus an der Weisestraße im Neuköllner Schillerkiez 2015 gekauft. Das britische Finanzmagazin „This is money“ schätzt das Vermögen der Immobiliengruppe auf rund sechs Milliarden Euro.

Immobilienfirma tritt bevorzugt durch Briefkastenfirmen auf

Bundesweit besitzt die Gruppe nach eigenen Angaben rund 6200 Miet- und Gewerbeeinheiten, die meisten davon in Berlin. Damit gehört das Familienunternehmen zu einem der größten auf dem Immobilienmarkt, sowohl in Großbritannien als auch in Berlin. Das Unternehmen tritt bevorzugt durch Briefkastenfirmen als Eigentümer ihrer Immobilien auf.

So auch beim „Syndikat“: Als der Kneipe im Sommer gekündigt wurde, machten sich die acht Betreiber auf die Suche nach ihrem Vermieter. Denn in Erscheinung getreten war bisher immer nur ein Verwalter. Auf der Suche nach dem Hausbesitzer traf das Team schnell auf eine Briefkastenfirma in Luxemburg – die „Firman Properties“. Für eine Stellungnahme war das Unternehmen wie schon in der Vergangenheit nicht zu erreichen.