Drogen

Liecke: „Die Berliner Suchthilfe ist gescheitert“

Neuköllns Gesundheitsstadtrat schlägt Urban Gardening als Maßnahme gegen Drogenschwerpunkte vor. Doch das könnte schwierig werden.

Falko Liecke, Gesundheitsstadtrat von Neukölln, schlägt Alarm bei der Suchthilfe.

Falko Liecke, Gesundheitsstadtrat von Neukölln, schlägt Alarm bei der Suchthilfe.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Sie ist ein Drogen-Hotspot: die Grünfläche zwischen Buschkrugallee und Ballinstraße, nördlich der Autobahn A113 in Neukölln. Dabei ist die Grünfläche eigentlich eine Ausgleichsfläche für die Autobahn und gehört dem Bund.

Seit Mitte des Jahres kam es hier aber vermehrt zu Spritzenfunden und Vermüllung, erklärte das Bezirksamt Neukölln auf Nachfrage. Es wurden sogar teilweise ganze Camps mit Zeltkonstruktionen und Matratzen auf der Grünfläche aufgebaut. Im Sommer wurde das Lager zwar vom Ordnungsamt geräumt. Doch nach wie vor ist der Park als Drogen-Hotspot bekannt.

Liecke: „Jede Woche neue Drogenschwerpunkte im Bezirk“

Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) sagte dazu nun: „Die Berliner Suchthilfe ist gescheitert. Wir sehen jede Woche neue Drogenschwerpunkte im Bezirk und sind nicht in der Lage, aktiv zu reagieren.“

Nun schlägt die Neuköllner CDU vor, die Grünfläche an der A113 als Urban-Gardening-Fläche umzuwandeln. Liecke erklärte: „Mit kleinen städtischen Gärten wollen wir die soziale Kontrolle über diese Grünfläche zurückgewinnen. Es darf einfach keine Normalität sein, dass Drogen in aller Öffentlichkeit gehandelt und konsumiert werden.“

Einen entsprechenden Antrag, der der Berliner Morgenpost vorliegt, wird im Oktober in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) eingebracht. Darin wird das Bezirksamt aufgefordert, die bis dato noch eingezäunte Grünfläche frei zugänglich zu machen, „und dieses Grundstück im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsverfahrens als Urban-Gardening-Fläche für Familien, Anwohnerinnen und Anwohner zur Verfügung zu stellen.“

Eine Idee mit Startschwierigkeiten

Doch Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieser Idee zeichnen sich bereits ab. Denn das Grundstück ist eine Ausgleichsfläche, gehört dem Bund und wird von der Senatsverwaltung für Verkehr verwaltet. Für das Grundstück bedeutet das konkret: wenig Pflege. Ein Mal pro Jahr gebe es laut einem Sprecher des Bezirksamts eine „rudimentäre Rasenpflege“, darüber hinaus werde jedoch „keine Pflege vorgenommen. Insbesondere erfolgt keine Beseitigung von Müll, Konsumutensilien und sonstigen Hinterlassenschaften. Das musste bisher der Bezirk erledigen.“

Gleichzeitig sind sich Bund und Land uneins über die Nutzung des Grundstücks: Während die Senatsverwaltung für Verkehr die Grünfläche für die Öffentlichkeit zugänglich erhalten möchte, wäre der Bund auch bereit, die Grünanlage einfach zu schließen – ganz so, „wie es mit dem wilden Grünstreifen auf der anderen Seite der Ballinstraße bereits gehandhabt wird“, so der Sprecher des Bezirksamts.

Land müsste Grundstück vom Bund abkaufen

Und: Sollte Berlin tatsächlich eine öffentliche Grünanlage aus der Fläche machen, müsste das Land das Grundstück zuerst vom Bund kaufen. Und eine andere Ausgleichsfläche müsste voraussichtlich bereitgestellt werden.

Schwierigkeiten, um die die CDU Neukölln zwar kennt, die sie aber dennoch nicht von einem entsprechenden Antrag abschrecken. Denn nach Auskunft der Landesdrogenbeauftragten, so erklärte es der Rathaussprecher, gebe es derzeit keine Möglichkeit, einen mobilen Konsumraum hier zu schaffen.

Liecke erklärte, dass der Drogenkonsumraum an der Karl-Marx-Straße, der nur eine U-Bahnhaltestelle entfernt ist, nicht ausreiche. „Wir müssen genauso mobil und flexibel werden, wie es die Drogenszene schon lange ist. Dafür brauchen wir mehrere Beratungs- und Konsummobile pro Bezirk, mehr Straßensozialarbeit und endlich echte Unterstützung vom Senat“, so die Forderung des Neuköllner Gesundheitsstadtrats.