Karl-Marx-Straße

Neues Großprojekt für Neukölln

An der Karl-Marx-Straße soll das Sinn-Leffers-Gebäude umgebaut werden. Eine Markthalle, Coworking-Space und Einzelhandel ziehen ein.

An der Karl-Marx-Straße in Neukölln soll ein ehemaliges Kaufhaus umgebaut werden.

An der Karl-Marx-Straße in Neukölln soll ein ehemaliges Kaufhaus umgebaut werden.

Foto: Reto Klar

Neues Großprojekt für Neukölln: Nach dem angekündigten Umbau des Karstadt-Kaufhauses am Hermannplatz soll nun auch an der Karl-Marx-Straße das ehemalige Sinn-Leffers-Kaufhaus komplett umgebaut werden. Das kürzlich geschlossene Schnäppchen-Center am Alfred-Scholz-Platz wurde von Maruhn Real Estate Investment (MREI) gekauft. Die Firma will die Immobilie, zu der auch das Parkhaus an der Donaustraße 42 gehört, für 200 Millionen Euro umbauen.

Marlis Fuhrmann (Linke), Vorsitzende im Neuköllner Stadtentwicklungsausschuss, bestätigte der Berliner Morgenpost, dass es konkrete Pläne gebe. In das ehemalige Sinn-Leffers-Kaufhaus, dessen Gesamtfläche circa 40.000 Quadratmeter groß ist, sollen auf fünf Stockwerken Coworking-Spaces entstehen. Hier sollen später dann bis zu 2000 Menschen arbeiten können. Außerdem wird es Platz für weitere Büros und Einzelhandelsgeschäfte geben. Für das gesamte Erdgeschoss ist eine Markthalle vorgesehen. Hier sollen neben Marktständen auch hochwertige Food-Trucks ihr Essen verkaufen können. Und im Übergangsbereich zwischen dem ehemaligen Kaufhaus und dem Parkhaus ist auf 15.000 Quadratmetern zudem eine Eventfläche geplant.

Gebäude wird kernsaniert und erhält neue Fassade

Der Investor sieht in seinen Plänen vor, das Gebäude komplett zu entkernen und umzubauen. Zum Alfred-Scholz-Platz hin bekommt das Gebäude eine neue Betonwerksteinfassade. Sie soll viel Glas, Stein und Beton enthalten. Und vom Parkhaus werden nur rund 30 Prozent der jetzigen Betonkonstruktion erhalten bleiben. Zwischen 2019 bis 2022 soll voraussichtlich gebaut werden. Für den Umbau des Gebäudes liegt zwar bereits eine Baugenehmigung vor, die wurde allerdings dem Voreigentümer des Kaufhauses , der S Immo AG, erteilt. Der genaue Baustart steht demnach noch nicht fest.

Die Lenkungsgruppe Karl-Marx-Straße, ein Gremium, das Anwohner, Gewerbetreibende, Händler, Dienstleister und Eigentümer an der Karl-Marx-Straße vertritt, gibt jedoch zu bedenken, dass der Bauantrag nur dann genehmigt werden könne, wenn die Sanierungsziele denen des Kerngebiets entsprächen. „Angesichts der aktuellen Großprojekte, bei denen übereinstimmend nicht mehr das Thema ,Handel’ im Vordergrund steht“, sieht das die Lenkungsgruppe aber skeptisch. Sie fordert deshalb vom Bezirksamt Neukölln sowie von der Senatsverwaltung ein Gesamtkonzept zum Thema „Zukunft der Geschäftsstraßen“ für den Bezirk zu erstellen anstatt Einzelfallentscheidungen zu treffen.

Für Anwohner wird es der zweite große Umbau an der Ecke Karl-Marx-Straße und Anzengruberstraße sein. Denn hier wird auch das Gebäude der Alten Post für 50 Millionen Euro kernsaniert und komplett umgebaut. Auch hier sollen Coworking-Spaces entstehen und Restaurants, Einzelhandel und Büros einziehen. Und nur wenige Hundert Meter weiter soll das Karstadt-Gebäude am Hermannplatz neu gebaut werden. Das Investitionsvolumen wird hier auf rund 450 Millionen Euro geschätzt. Auch hier sollen eine moderne Markthalle, Coworking-Spaces, Einzelhandel und Gastronomie entstehen. Jedoch – und das ist ein Unterschied zum Umbau an der Karl-Marx-Straße – sollen am Hermannplatz auch eine Stadtbibliothek und ein Multi-Kulti-Ärztehaus einziehen.

Kritik von Vertretern der Anwohner

„Zu gering sind Flächen für kulturelle und sozial-orientierte Projekte“, kritisiert die Lenkungsgruppe für das Projekt an der Karl-Marx-Straße. Zwar solle nach Angaben des Investors die Nutzungen für ,,alle Neuköllner“ offen sein, doch zweifelt die Lenkungsgruppe dieses angesichts der geplanten Nutzung des Erdgeschosses als Markthalle im Sinne eines hochwertigen Food-Markets an. „Nach Meinung der Lenkungsgruppe geht dieses Konzept an der Zahlungsfähigkeit des Großteils der Bewohner des Sanierungsgebietes vorbei“, teilt das Gremium mit. Und weiter: „Die Aussagen des Investors, dass man auch etwas für die Nachbarschaft tun wolle, wird nichtuntersetzt.“

Momentan befindet sich das Projekt noch in der Planungsphase, Bezirksamt und Projektentwickler stimmen sich über Einzelheiten ab. Ob und wenn ja wie der Umbau vonstatten gehen wird, steht noch nicht endgültig fest.