Nachbarschaftspreis

„Shalom Rollberg“ erhält Preis: Darum geht es in dem Projekt

Das Projekt „Shalom Rollberg“ bringt im Rollbergviertel Juden und Muslime zusammen. Dafür erhält den Deutschen Nachbarschaftspreis.

Das Projekt „Shalom Rollberg“ kämpft in einem Neuköllner Problemkiez gegen Antisemitismus.

Das Projekt „Shalom Rollberg“ kämpft in einem Neuköllner Problemkiez gegen Antisemitismus.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Neukölln. Das Projekt „Shalom Rollberg“ ist der diesjährige Berliner Landessieger des Deutschen Nachbarschaftspreises. „Wir sind schwer begeistert“, sagt Susanne Weiß, Vorsitzende von „Morus 14“, jenem Dachverein, zu dem auch „Shalom Rollberg“ gehört. Das Projekt startete 2012 und will Antisemitismus vorbeugen – in einem Neuköllner Problemkiez.

Der Rollbergkiez zwischen Hermannstraße und Karl-Marx-Straße ist zwar nur knapp 30 Hektar groß – etwa ein Zehntel des Tempelhofer Felds. Aber trotzdem beziehen von den etwa 5500 Einwohnern hier rund 40 Prozent Unterstützung vom Amt. Die Arbeitslosenquote liegt bei mehr als sieben Prozent. Mehr als 67 Prozent der Einwohner haben einen Migrationshintergrund. Seit 2002 steht der Kiez unter Quartiersmanagement.

Muslime und Juden kommen das erste Mal zusammen

Als vor rund acht Jahren eine junge Jüdin zum arbeiten zu „Morus 14“ kam, war es für viele Kinder aus dem Kiez das erste Mal, dass sie mit dem Judentum in Kontakt kamen, berichtet Weiß heute. Die Faszination war da. Und so entwickelte sich „Shalom Rollberg“.

Ehrenamtliche Berliner Juden oder Israelis, die in der Stadt leben, bieten muslimischen Kindern und Jugendlichen aus dem Kiez Aktivitäten an: Sie spielen Theater, treiben Sport oder produzieren Kunst. Weiß beschreibt es als „niedrigschwellige Begegnung“.

Interreligiöser Unterricht an Grundschule

Aber neben den Freizeitaktivitäten geben Juden Kindern auch Nachhilfe oder bieten Schülerkurse bei „Morus 14“ an. Und unterrichten sogar in der Regenbogen Grundschule. Hier werden den Kindern in interreligiösen Schulstunden die verschiedenen Religionen vorgestellt. Am Ende des zweimonatigen Kurses besuchen die zumeist muslimischen Schüler dann die Synagoge am Fraenkelufer in Kreuzberg.

„,Shalom Rollberg’ kann ein Modellprojekt sein – auch für andere Gegenden in Deuschland“, findet Weiß. Denn Antisemitismus sei kein Berliner Problem, erklärt sie weiter.

Preis ist mit 2000 Euro dotiert

„Im Projekt werden interkulturelle und interreligiöse Begegnungen zwischen Menschen initiiert, deren Lebenswege sich in der Regel nicht kreuzen“, erklärt die nebenan.de-Stiftung, die den Deutschen Nachbarschaftspreis seit 2017 vergibt. Fast beiläufig würde man sich bei „Shalom Rollberg“ mit Vorurteilen und Antisemitismus auseinandersetzen. Der Preis ist mit 2000 Euro dotiert.

Insgesamt waren dieses Jahr 106 Nachbarschaftsprojekte aus allen 16 Bundesländern den Deutschen Nachbarschaftspreis nominiert. Aus den 16 Landessiegern werden am 24. Oktober nun noch drei Bundessieger ermittelt. 2018 holte die „Kulturmarkthalle“ im Prenzlauer Berg den Landessieg für Berlin, im Jahr zuvor das „Baumscheibenfest“ aus Treptow-Köpenick.

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