Hermannplatz

Wirtschaftssenatorin Pop bekennt sich zu Karstadt-Neubau

Baustadtrat Florian Schmidt hatte Pläne für einen Neubau des Hauses abgelehnt. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) widerspricht.

Bei der Ausstellungseröffnung: Senatorin Ramon Pop (Grüne) und Signa Deutschland-Chef Timo Herzberg. Hinter ihnen steht ein Modell des Baus von 1929.

Bei der Ausstellungseröffnung: Senatorin Ramon Pop (Grüne) und Signa Deutschland-Chef Timo Herzberg. Hinter ihnen steht ein Modell des Baus von 1929.

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Der Streit um die Neuerrichtung eines Karstadtgebäudes am Hermannplatz stand an diesem Donnerstagmorgen natürlich im Mittelpunkt des Interesses. Und die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sprach dies in ihren Eingangsworten direkt an, als sie Signa Deutschland-Chef Timo Herzberg zurief: „Sie haben eine Diskussion angestoßen. Und wir wären nicht in ,Kreuzkölln’, wenn hier nicht gern diskutiert werden würde“, so die Senatorin. Gemeinsam mit Herzberg eröffnete sie die Ausstellung „Kiezgestein – 90 Jahre Karstadt am Hermannplatz“.

Den Plänen der Signa, den Gebäudekomplex im Stil der ursprünglichen 20er-Jahre-Optik zu errichten, hatte der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Grüne) jüngst abgelehnt. „Ich danke Ihnen für die Beteiligung an der Debatte“, sagte Pop in Richtung der Vertreter der Signa-Gruppe. Im Gegensatz zum Stadtrat bezog sie deutlich Position für die Umgestaltungspläne der Signa.

Das Gebäude bedürfe als zentrale Stelle zweier Bezirke einer Modernisierung, gerade in Zeiten eines immer weiter wachsenden Berlin, betonte die Senatorin. Um diese Veränderungen aufzufangen, seien weitere Investitionen in die Karstadt-Häuser wichtig. Nur so könne erfolgreiche Unternehmens- und Stadtgeschichte geschrieben werden.

Der auf dem Kaufhaus geplante Dachgarten sei laut Pop gut mit einer Umgestaltung des Hermannplatzes vereinbar, die auch umliegende Anwohner und Gewerbetreibende miteinbeziehe. Zudem würde sich ein Abriss des Parkhauses mit dem Bedarf des Bezirks decken. Eine Öffnung zum Kiez sei wichtig, Aufenthaltsqualität solle geschaffen werden. Vorstellbar seien auch Kitas und Grünflächen, so die Grünen-Politikerin weiter.

Gegen die Ablehnung von Parteikollege Schmidt

Damit sprach sie sich indirekt auch gegen die Ablehnung ihres Parteikollegen Schmidt aus. Er hatte die Meinung vertreten, der geplante Monumentalbau passe nicht in die kleinteilige Parzellenstruktur des Umfeldes und die soziokulturelle Lage in Neukölln und Kreuzberg. „Daher muss sich die Frage stellen, inwieweit die Reinszenierung der großartigen Geste aus der Vorkriegszeit noch für die heutige Zeit geeignet ist“, hieß es in einer Stellungnahme, die Schmidt auch am Mittwochabend bei der jüngsten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung wiederholte.

Zudem, so der Stadtrat, sei das Verkehrskonzept des Neubaus lückenhaft: Die Fragen nach Stellplätzen für Autos und Fahrräder blieben ebenso unbeantwortet wie jene zu Belieferung und Müllentsorgung des Komplexes. Vor diesem Hintergrund sei eine Rekonstruktion „trotz aller Faszination für das historische Gebäude in der heutigen Situation überzogen und unangemessen“.

Herzberg hatte gegenüber der Berliner Morgenpost seine Überraschung über diese Entscheidung zum ausdruck gebracht. Die Gespräche zwischen Bezirk und Investor seien konstruktiv und offen verlaufen, zudem sei die Absage in einem so frühen Planungsstadium unverständlich, so Herzberg. „Das Verfahren wurde zu einer Zeit abgebrochen, an dem es noch gar nicht richtig begonnen hat“, sagte er.

Trotz des Rückschlags hält die österreichische Investmentgesellschaft an ihren Absichten fest. Die Karstadt-Niederlassung solle zu einem Zentrum für Kunst und Kultur werden, das den Einzelhandel nicht vergesse und Platz für Büros oder Hotels lasse, so Herzberg am Donnerstag. „Wir wollen einen lebendigen Ort auch abseits der Öffnungszeiten schaffen“, erklärte er. Zentrum des kulturellen Austauschs soll die Dachterrasse in 32 Metern Höhe werden, die dem ursprünglichen Gebäude nachempfunden sei und einen Blick über Berlin biete.

Die Neubaupläne der Signa seien kontrovers und intensiv diskutiert worden, so Herzberg. Das sei aber auch nötig, um den Standort der Galeria Karstadt Kaufhof für die nächsten 90 Jahre zu wappnen. Das Unternehmen bedaure es, dass es kein Beteiligungsverfahren gegeben hat, durch das auch Bürger an einem Dialog über einen Neubau hätten teilnehmen können.

Die Schau im vierten Obergeschoss erzählt bei kostenlosem Eintritt die Geschichte des Einkaufspalasts, von den 20er-Jahren über die vorsätzliche Zerstörung in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs bis zu den folgenden Neu- und Umbauten des Hauses. Die vorerst letzte Bauphase gab es im Jahr 2000. Ein aktuelles Bauvorhaben ist, zwischen Hasenheide und Urbanstraße über den Karstadt-Innenhof einen geschützten Fußgänger- und Fahrradweg zu bauen.

Warenhaus als prägendes Gebäude zweier Bezirke

Mit der Schau soll die Geschichte des Warenhauses als prägendes Gebäude zweier Bezirke erzählt werden. Dabei wird auf zahlreiche Fotografien, Original-Zitate und historische Dokumente zurückgegriffen. Ein Modell des ursprünglichen Gebäudekomplexes wird ebenfalls gezeigt.

Architekten und Stadtforscher haben sich an der Zusammenstellung der Dokumente und Fotografien beteiligt. Mehrere sprachen sich bei der Eröffnung nachdrücklich für eine „Renaissance des Warenhauses der 20er-Jahre“ aus.

Die Ausstellung ist montags bis sonnabends von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Besucher können eigens für die Ausstellung hergestellte Postkarten und Pralinen aus Kreuzberg und Neukölln erwerben. Deren Erlös geht an die Karuna Sozialgenossenschaft.