Cleanup Day in Neukölln

Warum das Bezirksamt Neukölln die Hasenheide putzt

Das Bezirksamt Neukölln packt beim „Cleanup Day“ mit an und putzt in der Hasenheide. Weltweiter Aktionstag.

Das Bezirksamt Neukölln putzt in der Hasenheide.

Das Bezirksamt Neukölln putzt in der Hasenheide.

Foto: Nina Kugler

Berlin. Am Freitagmorgen ist es noch so kalt, dass beim Ausatmen ein Nebelschleier vor dem Gesicht entsteht. Trotzdem haben sich mehr als 50 Mitarbeiter des Neuköllner Bezirksamts in der Hasenheide zusammengefunden. „Bewaffnet“ sind sie mit Handschuhen, gelben Westen, Greifzangen und blauen Müllbeuteln. Denn sie säubern heute zwei Stunden lang den Park beim sogenannten „Cleanup Day“.

Die Hasenheide wird vom Ordnungsamt zwar nicht als Müll-Hotspot gelistet – im gesamten Bezirk gibt es insgesamt sieben –, aber genügend Abfall wird man hier dennoch einsammeln können. Beate Ernst, die im Vorstand von „wir Berlin“ sitzt, jene Organisation, die den sogenannten „Cleanup Day“ organisiert, warnt die Müllsammler vor Drogenspritzen. „Nur mit Greifzange aufheben.“

2000 Müllsammler sind in Neukölln unterwegs

Ernst erzählt, dass in Neukölln an beiden Tagen bis zu 2000 Müllsammler bei unterschiedlichsten Aktionen erwartet werden. In ganz Berlin sollen es sogar bis zu 16.000 Menschen sein. Sie sagt: „Wir müssen ein Signal setzen für die globalen Probleme der Verhüllung vor unserer Haustür.“

Es ist der neunte Aktionstag, an dem Berliner ihre Stadt reinigen. Und Neukölln tut das besonders gründlich: Denn Neukölln ist der Bezirk in Berlin, in dem im vergangenen Jahr am häufigsten illegal abgeladener Sperrmüll von den Berliner Stadtreinigungsbetrieben (BSR) abgeholt werden musste – 9480 Kubikmeter. Das sind mehr als 2000 Kubikmeter mehr als im zweitdreckigsten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg (7042).

Bezirksstadtrat Biedermall will Bewusstsein schaffen

Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) ist am Freitagmorgen ebenfalls in der Hasenheide.

Er vertritt Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD), der im Abgeordnetenhaus den Neuköllner Haushalt verteidigen muss. Würde Hikel dort fehlen, würde das den Bezirk 10.000 Euro Strafe kosten. „Und das Geld stecken wir lieber in andere Aktionen“, sagt Biedermann und lächelt.

Er weiß, dass der Bezirk dem Problem des organisiert illegal abgeladenen Mülls mit einer Aktion wie dem „Cleanup Day“ nicht Herr werden kann. Aber Biedermann sagt: „Wir müssen unser eigenes Handeln hinterfragen. Es ist nicht in Ordnung, einfach so eine Zigarette auf den Boden zu werfen. Darauf wollen wir aufmerksam machen.“

Der „Cleanup Day“ findet an zwei Tagen statt, Freitag und Samstag. Er findet weltweit statt. Im vergangenen Jahr haben sich bereits Millionen Menschen in mehr als 150 Ländern beteiligt, nun organisiert der Verein „Wir Berlin“ die Aktion auch in Berlin. Die Berliner Morgenpost begleitet den Tag als Medienpartner.