Vorkaufsrecht

Trotz Mietendeckel: Degewo kauft Haus in Neukölln

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft sticht beim Kauf eines Hauses an der Neuköllner Leinestraße einen privaten Investor aus.

Das Haus an der Leinestraße 8 in Neukölln wurde per Vorkaufsrecht gekauft.

Das Haus an der Leinestraße 8 in Neukölln wurde per Vorkaufsrecht gekauft.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Für die Bewohner der Leinestraße 8 in Neukölln war es denkbar knapp. Anfang der Woche endete die Frist zur Ausübung des Vorkaufsrechts. Ihr Haus wurde zuvor, obwohl es im Milieuschutzgebiet liegt, von einem privaten Investor gekauft. Der Bezirk prüfte daraufhin sein Vorkaufsrecht. Doch bis zuletzt hieß es hinter vorgehaltener Hand, dass wegen des vom rot-rot-grünen Senat geplanten Mietendeckels die Kosten für den Ankauf und die Vermietung der Wohnungen nicht kalkulierbar seien – und dass es deshalb wohl eher schlecht aussähe mit einem Kauf durch die Stadt und die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften.

Doch nun erreichte die Anwohner am Dienstag die Nachricht, dass die Degewo das Haus gekauft hat. Über die Kosten schweigt die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft wie immer. Im Vorfeld hatte sie jedoch von Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) einen höheren Zuschuss vom Land gefordert. Doch Kollatz winkte ab: Solange der geplante Mietendeckel nicht in Kraft sei, sollten die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften auch nicht mit diesem kalkulieren. Auch eventuell sinkende Mieten sollten somit keine Rolle spielen. Schon heute liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis im Haus an der Leinestraße bei acht Euro. Das Haus gilt als wirtschaftlich tragbar.

Die Anwohner hatten sich zuvor zur „Hausgemeinschaft Leine 8“ zusammengeschlossen, um beim Bezirk Neukölln gegen den Verkauf zu demonstrieren. Nach eigenen Angaben leben in dem Gebäude rund 50 Erwachsene und fünf Kinder in 23 Wohnungen. Weitere vier Wochen müssen sie sich noch gedulden, ehe sie Gewissheit haben. So lange läuft die Frist, in der der Investor dem Vorkaufsrecht widersprechen kann.