Hermannplatz

Karstadt baut Straße durch Warenhaus am Hermannplatz

Der Neubau am Hermannplatz ist fraglich – aber Karstadt soll trotzdem eine Fahrrad- und Fußgängerstraße bekommen - mitten durch das Kaufhaus.

Das Karstadt-Kaufhaus am Hermannplatz in Neukölln bekommt eine Fußgänger- und Fahrradstraße. Sie verbindet die Straßen Hasenheide und Urbanstraße.

Das Karstadt-Kaufhaus am Hermannplatz in Neukölln bekommt eine Fußgänger- und Fahrradstraße. Sie verbindet die Straßen Hasenheide und Urbanstraße.

Foto: Christian Kielmann

Berlin. Ob der Hermannplatz irgendwann einen Karstadt-Neubau bekommen wird, ist weiter unklar. Trotzdem tut sich aber etwas in dem Kaufhaus – es wird umgebaut. Zumindest ein wenig. Im Untergeschoss wird zwischen Hasenheide und Urbanstraße ein geschützter Fußgänger- und Fahrradweg gebaut.

Die Fußgänger- und Fahrradstraße wird über den Karstadt-Innenhof führen. Hier soll ein neues Café entstehen. Denn, so erklärt es der Geschäftsführer von Signa Deutschland, Timo Herzberg, im Interview mit der Berliner Morgenpost, sei das Gebäude am Hermannplatz aus der Zeit gefallen.

„Wir haben an der Urbanstraße ein gigantisches Parkhaus, dessen Kapazitäten heute weit über dem Bedarf liegen. Teilweise sind die Ebenen schon geschlossen und von Vandalismus betroffen“, sagt Herzberg weiter. Der neue Fußgänger- und Fahrradweg sei ein erster Schritt zur Umgestaltung des Kaufhauses.

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Karstadt am Hermannplatz wird umgebaut – zumindest ein bisschen

Das Café soll unter anderem für das Dialogverfahren genutzt werden können, das Signa mit den Kiez-Anwohnern starten will um über einen möglichen Karstadt-Neubau am Hermannplatz zu diskutieren. Schon im Oktober sollen die Diskussionsveranstaltungen starten.

Darüber hinaus sollen im Innenhof ein Kräuter- und Blumengarten angelegt sowie eine Fahrradwerkstatt eingerichtet werden. „Sie geben einen Vorgeschmack auf den geplanten Nutzungsmix“, teilt Signa mit.

Bereits ab dem 26. September wird es im vierten Stockwerk des Karstadt-Gebäudes eine Ausstellung anlässlich des 90. Jahrestages von Karstadt am Hermannplatz geben.

Sie soll laut Signa „die Besucher auf eine Reise durch die bewegten Zeiten des Warenhauses“ mitnehmen. Dort wird ebenfalls ein großes Modell des Warenhauses aus den 1920er-Jahren zu sehen sein.

Florian Schmidts Nein und der Gegenwind aus der Politik

Ende August hatte der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Grüne), dem geplanten Neubau am Hermannplatz eine Absage erteilt. Zu groß und zu teuer sei der „Monumentalbau“, so Schmidt.

Und sorgt damit auch für Verstimmungen mit dem Nachbarbezirk Neukölln. Der Karstadt steht zwar auf dem Gebiet von Friedrichshain-Kreuzberg, der Hermannplatz aber gehört schon zu Neukölln. Beide Bezirke sind als von einem etwaigen Warenhaus-Neubau betroffen.

Nicola Böcker-Giannini, integrationspolitische Sprecherin der Neuköllner SPD im Abgeordnetenhaus, sagte nun in einem auf Twitter veröffentlichten Video: „Wir stellen uns als SPD Neukölln klar hinter die Umbaupläne des Karstadts am Hermannplatz.“ Explizit stelle sich die Partei damit auch gegen das Nein von Schmidt, sagte Böcker-Giannini weiter. Weger der gesamtstädtischen Bedeutung fordere sie, dass der Senat die Umbaupläne an sich ziehe.

Landesregierung gegen Schmidt

Kritik gegen Schmidt kam auch aus der Landesregierung, unter anderem von Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Nach Schmidts Nein teilte sie mit, dass sie die Neubau-Pläne von Signa am Hermannplatz begrüße und dazu auch in Gesprächen mit Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat sei.

Und auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) watschte Schmidt ab: „Ich glaube nicht, dass es akzeptabel ist, wenn einfach von heute auf morgen eine hohe dreistellige Millioneninvestition vom Bezirksamt abgesagt wird. Das geht so nicht.“ Notfalls müsse der Senat eingreifen, so Müller drohend Richtung Friedrichshain-Kreuzberg. Tatsächlich gab Schmidt dem Druck nach und erklärte kurze Zeit später, dass er doch wieder bereit sei mit Signa zu reden.