Friedrichshain-Kreuzberg

Bezirk lehnt Karstadt-Neubau am Hermannplatz ab

Am Hermannplatz will die Signa GmbH das Karstadt-Kaufhaus neu bauen. Baustadtrat Schmidt lehnt die Pläne ab – das stößt auf Kritik.

So hätte er aussehen sollen: der neue alte Karstadt am Hermannplatz.

So hätte er aussehen sollen: der neue alte Karstadt am Hermannplatz.

Foto: ChipperfieldArchitects

Berlin. Der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Grüne), will keinen Neubau des Karstadt-Gebäudes am Hermannplatz. „Auf Basis eines Vermerks des Fachbereichs Stadtplanung erklärt Bezirksstadtrat Florian Schmidt, dass kein Planerfordernis besteht und daher kein Aufstellungsbeschluss angestrebt wird“, heißt es in einer Mitteilung, die der Berliner Morgenpost vorliegt.

Weiter heißt es, dass dieser Beschluss „unter Einbeziehung der Hinweise des Stadtentwicklungsamts Neukölln“ beschlossen wurde. Das Karstadt-Gebäude liegt nämlich auf der Bezirksseite von Friedrichshain-Kreuzberg, der Hermannplatz aber gehört zu Neukölln – der Neubau betrifft also beide Bezirke.

Diskussionen über Neubau über Bezirksgrenzen hinweg

Lange wurde in den beiden Bezirken schon über einen möglichen Neubau diskutiert. Eigentlich sollte hier am Hermannplatz eine sogenannte „Mixed-Use-Immobilie“ entstehen – also eine Mischung aus Shopping-Center, Einzelhandel, Dienstleistungen, Gastronomie, Fitnessangeboten, einer Markthalle, einer öffentlichen Dachterrasse, kulturellen Angeboten und gemeinwohlorientierten Nutzungen, all das ergänzt durch Büro- und Hotelflächen.

Der Neubau sollte denn auch im Glanz der 1920er-Jahre erstrahlen – ganz so wie das Originalgebäude, das während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde. Die Investitionssumme für den Neubau wurde zwar nie bestätigt, es war aber die Rede von rund 450 Millionen Euro.

Schmidt: Zu teuer und zu hohe Mieten

Doch dem erteilt Schmidt nun eine klare Absage. Was laut des Vermerks des ihm unterstellten Fachbereichs Stadtplanung negativ zu Buche geschlagen hat: „Bedingt durch hohe zu erwartende Abriss- und Neubaukosten ist mit hohen Mieten zu rechnen. Die geplante Fassadenrekonstruktion ist nur noch eine Hülle für ansonsten austauschbare Nutzungen. Eine Replik, die befürchten lässt, dass sie in ihrer Wirkung nicht authentisch ist.“ Die Hauptsorge im Bezirk dürfte allerdings sein, dass ein Neubau das bestehende Gewerbe am Hermannplatz, am Kottbusser Damm und an der Karl-Marx-Straße bedrohen könnte.

Denn, so teilt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg weiter mit, würde der „Monumentalbau“ nicht in die „kleinteilige Parzellenstruktur des Umfeldes“ und auch nicht mehr in die „soziokulturelle Lage“ in Neukölln und Kreuzberg passen. „Daher muss sich die Frage stellen, inwieweit die Reinszenierung der großartigen Geste aus der Vorkriegszeit noch für die heutige Zeit geeignet ist und wie sich das städtebaulich herleiten lässt.“

Bezirksamt kritisiert fehlendes Verkehrskonzept

Zudem, so kritisiert das Bezirksamt weiter, sei das Verkehrskonzept bei einem etwaigen Neubau lückenhaft. So sei die Frage nach Stellplätzen für Autos und Fahrräder nicht geklärt, ebenso würden Aussagen zum ruhenden Verkehr, zur Belieferung sowie zur Entsorgung fehlen, wirft das Bezirksamt der Signa GmbH vor.

Der Fachbereich Stadtplanung urteilt deshalb: „Das nun vorgestellte Neubauprojekt wirft viele städtebauliche und stadtgestalterische Fragen auf.“ Vor diesem Hintergrund wäre eine Rekonstruktion, „trotz aller Faszination für das historische Gebäude, in der heutigen Situation überzogen und unangemessen.“

Wirtschaftssenatorin schaltet sich in den Konflikt ein

Ein Urteil, das sowohl bei der Signa GmbH wie auch im Neuköllner Rathaus und im Berliner Senat für Unverständnis und Kopfschütteln sorgt.

Timo Herzberg, Deutschland-Chef von Signa, erklärt gegenüber der Berliner Morgenpost, dass er „total überrascht“ sei von Schmidts Absage an einen Neubau. Denn, so Herzberg weiter, seien die Gespräche dazu eigentlich immer konstruktiv und offen verlaufen. Besonders unverständlich findet Herzberg nach eigenen Angaben das Nein in einem so frühen Planungsstadium: „Das Verfahren wurde zu einer Zeit abgebrochen, an dem es noch gar nicht richtig begonnen hat.“

Neuköllns Bürgermeister versteht das Nein nicht

Das sieht auch Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel so: „Ich finde diese Form der pauschalen Ablehnung des Projektes zum jetzigen Zeitpunkt bedauerlich. Es gibt sicherlich viele Argumente für und gegen das Neubauprojekt.“ Er hätte sich aber einen offenen Diskurs mit Anwohnern und Gewerbetreibenden gewünscht. Und: „Die bestehende Kritik, etwa die Befürchtung einer Shopping-Mall und daraus entstehende Verdrängungseffekte, sollten aus meiner Sicht lösungsorientiert diskutiert werden.“

Momentan würden bei Karstadt am Hermannplatz laut Herzberg rund 150 Berliner arbeiten. „In dem neuen Gebäude hätten es schätzungsweise 500 bis 650 sein können“, so der Unternehmenschef weiter. Er appelliert deshalb an Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sich in den Konflikt einzumischen.

Und das tut Pop auch – und stellt sich auf die Seite von Karstadt und gegen ihren Parteikollegen Schmidt. Sie begrüße die Neubau-Pläne von Signa am Hermannplatz, teilt die Wirtschaftssenatorin mit, und sei dazu auch in Gesprächen mit Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat.

Lesen Sie den Kommentar von Nina Kugler zu dem Thema hier