Umfrage

Wie sicher fühlen sich die Neuköllner in ihrem Bezirk?

15.000 Neuköllner werden derzeit befragt, wie sicher sie sich in ihrem Stadtteil fühlen.

Polizeigroßeinsatz auf der Sonnenallee in Neukölln im Frühjahr 2019: Wie sicher fühlen sich Neuköllner in ihrem Bezirk?

Polizeigroßeinsatz auf der Sonnenallee in Neukölln im Frühjahr 2019: Wie sicher fühlen sich Neuköllner in ihrem Bezirk?

Foto: Thomas Peise

Berlin. Neukölln – der Berliner Bezirk, der weit über die Stadtgrenzen hinweg bekannt ist. Clan-Kriminalität, Brennpunktschulen, manch einer spricht sogar von No-go-Areas. Aber wie sicher fühlen sich Neuköllner selbst in ihrem Bezirk? Wie stellen sie sich das Zusammenleben mit Nachbarn und Zugewanderten in ihrem Kiez vor? Und was hat sich in den letzten Jahren verändert, und was soll sich in Zukunft verbessern?

15.000 Neuköllner erhalten Fragebogen per Post

Diesen Fragen gehen gleich mehrere Universitäten derzeit im Rahmen des bundesweiten SiQua-Projektes (Sicherheitsanalysen und -Vernetzung für Stadtquartiere im Wandel) nach. Auf Stadtquartiersebene – in Neukölln sind das die Quartiere entlang der nördlichen Sonnenallee, im Gebiet rund um die Ringbahnstraße sowie in Gropiusstadt-Buckow – soll herausgefunden werden, wie die erlebte (subjektive) und wie die institutionell erfasste (objektive) Sicherheitslage von ansässigen, aber auch neu zugezogenen Bevölkerungsgruppen bewertet wird.

Insgesamt 15.000 Neuköllner Haushalte erhalten daher seit vergangener Woche Fragebögen per Post, die das SiQua-Projekt anonym auswerten wird. An der vergleichenden Studie nehmen neben Berlin auch noch Dresden und Essen teil.

„Die Studie wird wertvolle Hinweise dafür liefern, wie die Sicherheitslage in den Kiezen verbessert werden kann“, sagt Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD). Aus den Ergebnissen der Studie sollen anschließend „Konzepte für eine gute Zusammenarbeit vor Ort“ entwickelt werden, um so „Kieze gemeinsam sicherer zu machen“, so Hikel.

Drei Stadtviertel – drei unterschiedliche Lebensräume

Die drei in Neukölln befragten Stadtviertel unterscheiden sich in den jeweiligen Problemlagen voneinander. Der nördliche Teil der Sonnenallee ist geprägt durch eine Vielzahl an Geschäften, Restaurants, Shisha-Bars und Cafés. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund liegt hier teilweise bei bis zu 70 Prozent. Rund 90 Prozent der Geschäfte auf der Sonnenallee sind in arabischer Hand, schätzt die Bezirksregierung. Die Straße wird deshalb auch „arabische Straße“, Schara al Arab, genannt.

„Auch wenn das Zusammenleben meist friedlich verläuft und offene Straftaten eher selten passieren, ist der obere Abschnitt der Sonnenallee sowie der angrenzenden Straßen für unterschiedliche Teile der Bevölkerung auch ein Ort, der mit Unsicherheits- und Konfliktwahrnehmungen sowie vielfältigen Norm- und Regelverletzungserfahrungen verbunden ist. Der Fokus der Untersuchung liegt entsprechend auf den wahrgenommenen Sicherheitsproblemen“, schreibt SiQua zu diesem Befragungsgebiet.

Ringbahnstraße vom Drogenhandel betroffen

Im Gebiet entlang der Ringbahnstraße leben laut SiQua ebenfalls viele Menschen mit Migrationshintergrund, allerdings nicht als homogene Gruppe wie auf der Sonnenallee, sondern aus ganz verschiedenen Ländern. Dieses Quartier hat sich über die Jahre zu einem Schwerpunkt des Drogenhandels und –konsums entwickelt, schreibt SiQua auf ihrer Internetseite.

„Dabei sind insbesondere der Konsum in der Öffentlichkeit, in Hauseingängen, Parkanlagen, U- & S-Bahnhöfen sowie die damit einhergehenden Hinterlassenschaften der Konsumenten (Spritzen, Folien, Fäkalien, etc.) für die lokale Bevölkerung immer wieder Gegenstand von Unsicherheitswahrnehmungen und Erfahrungen. In der Fallstudie Ringbahntrasse stehen die wahrgenommenen Sicherheitsprobleme Drogenkonsum, Drogenhandel sowie das Verhalten Jugendlicher im öffentlichen Raum im Fokus. Untersucht werden sollen die wechselseitigen Wahrnehmungen, Erfahrungen und Zuschreibungen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen untereinander sowie in Bezug auf die Personengruppen, die mit den Sicherheitsproblemen verbunden werden“, so SiQua weiter.

Nachbarn leben in der Gropiusstadt anonym nebeneinander

Das Fallstudiengebiet Gropiusstadt-Buckow umfasst den mittleren und östlichen Teil von Buckow sowie die gesamte Gropiusstadt. Das Gebiet ist überwiegend geprägt durch Wohnhochhäuser und wird teilweise von Einfamilienhäusern umgrenzt.

Gerade in der Gropiusstadt beschränken sich die nachbarschaftlichen Beziehungen häufig auf die Etage eines Hochhauses. „Der verstärkte Zuzug neuer Bevölkerungsgruppen führt unter langjährigen Mietern mit und ohne Migrationshintergrund zusätzlich zu verschiedenen Sorgen, die das nachbarschaftliche Zusammenleben betreffen. Typische Konflikte an denen sich diese Sorgen abzeichnen, betreffen das Verhalten von Jugendlichen im öffentlichen Raum sowie die Entsorgung von Müll und die Regelung des Verkehrs“ so SiQua.

Seit vergangener Woche werden nun die Fragebögen versendet. Bezirksbürgermeister Hikel ruft alle Neuköllner, die Post erhalten, zum Mitmachen auf: „Nur wenn viele Antworten eingehen, können wir die besten Konzepte für eine gute Zusammenarbeit vor Ortentwickeln und unsere Kieze gemeinsam sicherer machen.“ Das Projekt ist bis Juni 2021 angelegt.