Tabakindustrie

Philip Morris stellt Zigarettenproduktion in Neukölln ein

Der Zigarettenhersteller schließt zum Ende des Jahres sein Werk in Neukölln. Nur 75 von ursprünglich 1050 Arbeitern verbleiben dort.

Der Marlboro-Mann auf dem Werk von Philip Morris in Berlin-Neukölln: Der Standort soll geschlossen werden.

Der Marlboro-Mann auf dem Werk von Philip Morris in Berlin-Neukölln: Der Standort soll geschlossen werden.

Foto: Wolfram Steinberg / picture alliance / Wolfram Steinberg

Berlin. Der Tabakkonzern Philip Morris will die Zigarettenproduktion in seinem Berliner Werk beenden. Das teilte die Konzernspitze ihren Mitarbeitern bei einer Betriebsversammlung am Dienstagvormittag mit. Von der Schließung des Werks in Neukölln sind 950 von 1050 Arbeitsplätzen betroffen. Lediglich 75 Beschäftigte werden am Standort Berlin verbleiben. Etwa 25 Arbeitsplätze werden zudem in die Verwaltung nach Dresden sowie Gräfelfing bei München ausgegliedert.

„Die Veränderung des Konsumentenverhaltens erfordert eine deutliche Reduzierung der Produktionskapazitäten“, sagte der Vize-Präsident EU Manufacturing bei Philip Morris International, Mark Johnson-Hill. Da der Absatz von versteuerten Zigaretten in Europa seit Jahren zurückginge, gäbe es mittlerweile erhebliche Überkapazitäten, so Johnson-Hill weiter. Der Plan ist, die Produktion zum 1. Januar 2020 einzustellen. Nach Unternehmensangaben soll es für die 950 Mitarbeiter „faire und sozialverträgliche Lösungen“ geben.

Das forderte auch Berlins Wirtschaftssenatorin, Ramona Pop (Grüne). „Der geplante Arbeitsplatzabbau von Philip Morris ist bedauerlich, nun geht es zu aller erst um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Sorge um ihre Zukunft umtreibt. Das Unternehmen steht hier in besonderer Verantwortung. Ich erwarte, dass Philip Morris gemeinsam mit den Beschäftigten nach zukunftsfesten Lösungen sucht“, sagte sie gegenüber der Berliner Morgenpost.

Philip Morris zählt zu den größten Arbeitgebern in Neukölln

Schockiert von der Schließung des Berliner Werks zeigte sich die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Zwar hätte es in letzter Zeit Gerüchte um Stellenabbau gegeben, berichtete die Pressesprecherin Karin Vladimirov, gegenüber dieser Zeitung. „Aber dass das Werk geschlossen wird, damit haben wir nicht gerechnet.“ Insbesondere, da der Konzern bis heute mit seinem Werk in Neukölln Gewinn mache.

Philip Morris zählt zu den größten Arbeitgebern in Neukölln. Das Werk besteht seit 1972. „Das Werk Berlin von Philip Morris arbeitet hochprofitabel, schreibt seit Jahren schwarze Zahlen“, sagte Freddy Adjan, stellvertretender NGG-Gewerkschaftsvorsitzender.

Und weiter: „Es ist unverantwortlich und heuchlerisch, wenn Philip Morris seit Jahren die Leistungen und den Einsatz der Mitarbeiter – der ‚Berliner Originale‘ – betont und ein ‚verantwortungsvolles, langfristiges und stabiles Wachstum‘ proklamiert und mit einem Schlag diese Leute, die dem Unternehmen seit Jahrzehnten Milliardengewinne erwirtschaftet haben, auf die Straße setzt und ohne Not damit auch ihren Familien die Lebensgrundlage entzieht.“

Was passiert im Körper, wenn man aufhört zu rauchen?

Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) sprach unterdessen von einer „Hiobsbotschaft“. „Die Schließung des Werkes ist ein harter Schlag für den Standort Neukölln“, so Hikel. In den kommenden Tagen wolle er sich gemeinsam mit der Arbeitsagentur und Verantwortlichen von Philip Morris zusammensetzen, um eine sozialverträgliche Lösung für die Beschäftigten zu finden. Aus dem Bezirksamt hieß es, dass dazu vom Tabakkonzern positive Signale kommen würden.

Philip Morris will sich aus Zigarettengeschäft zurückziehen

Philip Morris ist seit 1987 Marktführer auf dem deutschen Zigarettenmarkt. Der Konzern zählt unter anderem Marlboro, L&M Chesterfield zu seinen Marken. Zukünftig möchte sich Philip Morris vom Zigarettengeschäft verabschieden, der Konzern setzt auf Produkte, die angeblich weniger schädlich sind für die Gesundheit, wie die Tabakerhitzer Iqos oder Heets, bei dem ein Tabakstick in einem elektrischen Stab erhitzt wird, anstatt dass er verbrennt.

Insbesondere seit 2002 ist der Tabakkonsum in Deutschland eingebrochen. Wurden vor 17 Jahren im Schnitt noch 398 Million Zigaretten am Tag geraucht, sind es heute noch 204 Million. Dafür steigt der Umsatz im Bereich der alternativen Rauchprodukte, wie Iqos oder Heets. Der Absatz von Heets habe sich laut Philip Morris 2018 im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht.