Prozessbeginn

Frau vor 32 Jahren getötet - 61-Jähriger vor Gericht

Klaus R. soll im September 1987 in Neukölln eine junge Frau getötet haben. Wollte er eine Vergewaltigungsversuch vertuschen?

Eingang zum Kriminalgericht Moabit

Eingang zum Kriminalgericht Moabit

Foto: Sven Braun / picture alliance/dpa

Berlin.  Knapp 32 Jahre nach dem Mord an einer jungen Frau aus Neukölln hat am Dienstag vor dem Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Der heute 61-jährige Klaus R. ist angeklagt, sein Opfer im September 1987 getötet zu haben, um dadurch einen vorangegangenen Vergewaltigungsversuch zu vertuschen. Der Angeklagte selbst schwieg zum Prozessauftakt, einer seiner beiden Verteidiger wies in einer Erklärung die Vorwürfe zurück.

In dem Prozess sind die Mutter der damals Getöteten und die beiden Söhne des Opfers als Nebenkläger zugelassen. Während die inzwischen hochbetagte Mutter nicht selbst an der Verhandlung teilnahm, folgten die Söhne, zur Tatzeit zwei und sechs Jahre alt, angespannt den Ausführungen der Staatsanwaltschaft mit allen schrecklichen Details zum gewaltsamen Tod ihrer Mutter.

Opfer mit Pullover stranguliert und erstochen

Der Anklage zufolge klingelte Klaus R. am späten Vormittag des 18. September 1987 an der Wohnungstür von Annegret W. an der Innstraße in Neukölln. Da soll er bereits den Raub und die Vergewaltigung der Frau geplant haben. Der Anklage zufolge händigte Annegret W. dem Eindringling angesichts seiner Drohungen freiwillig ihre Geldbörse aus.

Doch damit soll sich R. nicht zufrieden gegeben, sondern die Frau ins Schlafzimmer gedrängt haben. Aus bislang noch unbekannten Gründen brach er die geplante Vergewaltigung allerdings ab. Um die Tat zu vertuschen, soll der Angeklagte sein Opfer zunächst mit einem Pullover stranguliert und anschließend durch fünf Stiche in den Hals getötet haben. Das benutzte Messer soll er dazu eigens aus der Küche geholt haben.

Ein Verteidiger bezeichnete die Anklage in einer Erklärung als dürftig und widersprüchlich. Eine Vergewaltigung habe es nicht gegeben, sagte der Anwalt. Das Opfer sei zwar später auf dem Bett liegend mit hochgeschobenem Kleid entdeckt worden, dafür sei allerdings ein Rettungssanitäter verantwortlich, der das Kleid bei seinen Wiederbelebungsversuchen hochgeschoben habe.

Bei Totschlag wäre die Tat verjährt

Die versuchte Vergewaltigung erscheint nicht übermäßig wichtig angesichts des Hauptvorwurfes Mord. Doch für die Verteidigung ist sie von entscheidender Bedeutung. Wäre die 30-Jährige nicht getötet worden, um die Sexualtat zu vertuschen, würde unter Umständen das Mordmerkmal „Verdeckungsabsicht“ fehlen. Die Strategie der Verteidigung scheint klar: Sollte die Tat statt als Mord „nur“ als Totschlag gewertet werden, könnte ihr Mandant den Gerichtssaal als freier Mann verlassen, denn ein Totschlag wäre bereits verjährt. Auf die 32 Schwurgerichtskammer wartet eine schwierige Beweisaufnahme. Zahlreiche geladene Zeugen müssen sich an eine Tat erinnern, die 32 Jahre zurückliegt.

Der Fall blieb lange Zeit unaufgeklärt. Erst 2015 nahm eine für alte unaufgeklärte Fälle (Cold Cases) zuständige Spezialgruppe des Landeskriminalamtes die Ermittlungen wieder auf. Mit Hilfe moderner Technik, die zum Tatzeitpunkt noch nicht bekannt war, konnten die Beamten gesichertes DNA-Material dem Angeklagten zuordnen. Im November vergangenen Jahres wurde Klaus R. festgenommen, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.