Baustelle Neukölln

Der Umbau der Karl-Marx-Straße wird noch Jahre dauern

Der Umbau der Karl-Marx-Straße wird wohl erst 2022 abgeschlossen sein. Begonnen haben sie bereits vor mehr als zehn Jahren.

Baustelle Karl-Marx-Straße / Rathaus Neukölln

Baustelle Karl-Marx-Straße / Rathaus Neukölln

Foto: Reto Klar

Berlin.  Die Karl-Marx-Straße in Neukölln ist vieles: Einkaufsstraße, Hauptverkehrsstraße, Kiezzentrum. Und seit 2008 auch die längste Baustelle im Bezirk. Auf rund zwei Kilometern wird eine der größten und wichtigsten Straßen Neuköllns saniert. Vor mehr als zehn Jahren begannen die Bauarbeiten am U- und S-Bahnhof Neukölln. Und sie werden noch einige Jahre lang dauern, mindestens wohl bis 2022. Ursprünglich war die Fertigstellung für 2021 geplant.

Karl-Marx-Straße: Von vier Spuren bleibt momentan nur noch eine

In den vergangenen Jahren hat sich die Baustelle schon bis zur Briesestraße und dem Alfred-Scholz-Platz hinauf geschoben. Denn gebaut wird nicht alles auf einmal, sondern etappenweise. So soll sichergestellt werden, dass der Verkehr nicht vollkommen zusammenbricht. Das klappt aber nicht immer. War die Karl-Marx-Straße vor Baubeginn eine vierspurige Straße, ist heute nur noch eine Fahrbahn stadteinwärts in Richtung Hermannplatz geblieben. Der Verkehr stadtauswärts muss die Nebenstraßen nutzen oder auf die Sonnenallee ausweichen.

Radwege auf beiden Seiten der Karl-Marx-Straße geplant

Nach dem Ende der Bauarbeiten soll noch je ein Fahrstreifen pro Fahrtrichtung bleiben, mit Tempo 30 anstatt 50 wie bisher. Zudem werden auf beiden Seiten Radwege angelegt. Und die Gehwege sollen breiter werden.

Momentan wird auf Höhe des Alfred-Scholz-Platzes gebaut. Auf den Bürgersteigen auf der Seite der Alten Post, die ebenfalls seit einigen Jahren kernsaniert wird, müssen sich Fußgänger mittlerweile zwischen hohen Häusern und Bauzäunen entlangschlängeln. Schon allein eine Frau mit Kinderwagen zu überholen, ist hier schier unmöglich.

720 Meter lang ist der Baustellenabschnitt zwischen Briese- und Weichselstraße. Er wird mit knapp sieben Million Euro zu Buche schlagen.

Umbau der Straße in Neukölln ist „Operation am offenen Herzen“

Neuköllns Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) gibt zu: „Der Umbau der Karl-Marx-Straße ist eine Operation am offenen Herzen, weil jedes Haus jederzeit erreichbar bleiben muss. Er ist damit Belastung und Geduldsprobe für Anwohnende und Gewerbetreibende gleichermaßen.“ Dennoch bleibt er optimistisch und ist vom Sinn des Umbaus weiterhin überzeugt. Biedermann sagt: „Wir können auf dem schon fertiggestellten südlichen Teil sehen, dass sich der Umbau lohnt. Besonders für Fußgänger und Radfahrer verbessert sich die Situation deutlich: Breitere Fußwege, Barrierefreiheit, ein durchgängiger Radstreifen und sichere Abstellmöglichkeiten machen sich bemerkbar. Insgesamt erhält die Karl-Marx-Straße dadurch einen deutlich einladenderen Charakter – man hält sich dort jetzt lieber auf als vor dem Umbau.“

Karl-Marx-Straße: Zwölf Millionen Euro für zwei Kilometer Baustelle

Dass die Bauarbeiten so lange dauern, liegt nicht nur allein daran, dass etwa nur die Fahrbahn saniert werden muss. Die Karl-Marx-Straße ist sowohl über- wie auch unterirdisch ein Sanierungsfall. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) dichten die Tunneldecken über der U-Bahnlinie U7 ab, Telekom und Vattenfall erneuern ihre Leitungen, der Bezirk verbreitert die Bürgersteige, pflanzt Bäume und stellt Fahrradbügel und neue Straßenlaternen auf.

Dabei bereitet insbesondere die Abdichtung der Tunneldecke der U-Bahn Probleme. „Eigentlich sollten die Bauarbeiten schon weiter vorangekommen sein, allerdings gestaltet sich die Abdichtung der Tunneldecke der unter der Karl-Marx-Straße verlaufenden U7 schwieriger und langwieriger als erwartet“, teilt ein Sprecher des Bezirksamtes mit. Und weiter: „Der Grund dafür sind festgestellte Schadstoffe in der Tunneldecke, die in einem sehr aufwendigen und kleinteiligen Verfahren aufgenommen und entsorgt werden müssen.“ Eigentlich sollte die Baustelle auf der Karl-Marx-Straße bis 2021 planmäßig fertiggestellt sein. Nun rechnet das Bezirksamt aber mit einer Verzögerung von bis zu zwei Jahren.

Sobald die Tunnelabdichtungen fertig sind, zieht die Baustelle auf die linke Seite der Straße.

Karl-Marx-Straße soll lebenswerter und fahrradfreundlicher werden

Die Straße soll insgesamt hübscher, lebenswerter und fahrradfreundlicher werden. Zwölf Millionen Euro wird die Runderneuerung voraussichtlich kosten.

Entlang der Karl-Marx-Straße werden ebenfalls mehrere Parallelstraßen saniert. So wurden beispielsweise die Neckar- und Isarstraße umgebaut. Für rund 900.000 Euro wurden hier Bäume gepflanzt, Gehwege verbreitert und neue Fahrradparkplätze geschaffen.

Die Donaustraße hingegen soll als innerbezirkliche Radroute zwischen Kreuzberg und Neukölln ausgebaut werden. Die Kopfsteinpflasterstraße wird deshalb asphaltiert, zudem werden auch hier weitere Fahrradbügel aufgestellt.

Alfred-Scholz-Platz gibt Straße Boulevard-Charakter

Der südliche Teil der Karl-Marx-Straße, der bereits fertig gestellt wurde, lädt aber irgendwie noch nicht so richtig zum Verweilen ein. Boulevard-Charakter, wie es sich die Baustellenleitung wünscht, hat die Hauptstraße nicht. Lediglich der Alfred-Scholz-Platz, der zwischen 2012 und 2014 für etwa 670.000 Euro aufwendig umgebaut wurde, macht aus der Straße einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, musizieren oder essen. Zu verdanken ist das unter anderem der Imbissbude „Rixbox“ und ihrem Inhaber Hossein Eggebrecht. Die Terrasse ist mit kleinen Biertisch-Garnituren möbliert, zu essen gibt es Sandwiches, dazu kühles Bier oder sämtliche Kaffeetrendgetränke. Im Frühjahr und Sommer finden auf dem Platz zudem mittwochs immer kleine Straßenkonzerte statt.

Hermannplatz soll komplett umgebaut werden

Das Ende der Bauarbeiten am jetzigen Bauschabschnitt zwischen Briese- und Weichselstraße sollen zugleich das Ende der Großbaustelle sein. Jedoch fehlen dann noch immer rund 600 Meter bis zum Hermannplatz. Ob auf dieser Strecke auch noch gebaut wird, ist bislang nicht sicher.

Was hingegen sicher ist, ist die Umgestaltung des Hermannplatzes. Bereits angekündigt ist der Umbau des Karstadt-Gebäudes. Der Signa-Konzern möchte das Traditionshaus wieder im Glanz der 20er-Jahre errichten. Dafür will Signa das 90 Jahre alte Kaufhaus am Hermannplatz in den kommenden Jahren zum Teil abreißen, komplett umbauen und erweitern. Das Gebäude soll seine ursprüngliche Art-déco-Fassade zurückbekommen. Auch die Wiedereröffnung der legendären Dachterrasse und der Wiederaufbau von zwei Türmen ist in Planung.

Voraussichtlich 450 Millionen Euro wird das kosten. Mit dem Umbau soll aber frühestens mit dem Abschluss der Bauarbeiten an der Karl-Marx-Straße begonnen werden.

Zudem soll der verkehrsreichste Platz Neuköllns in Zukunft eine Tramlinie aufnehmen, die von der Warschauer Brücke aus geführt wird. Der genau Streckenverlauf der verlängerten M10 wird derzeit noch diskutiert. Frühestens in sieben Jahren könnte es dann aber heißen: „Hermannplatz, Endstation. Bitte alle aussteigen.“