Veranstaltung

Morgenpost-Leserforum: Wie geht es mit Neukölln weiter?

Das Leserforum am 29. April befasst sich mit den Perspektiven und Problemen des Bezirks Neukölln.

Bezirksbürgermeister Martin Hikel

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Auf der Liste der beliebtesten Wohnquartiere steht Neukölln bei vielen Berlinern ganz oben – zumindest, wenn sie jünger sind als 30. Sie nehmen in Kauf, dass insbesondere im Norden des Bezirks unterschiedliche soziale und kulturelle Milieus aufeinandertreffen und dies nicht immer konfliktfrei verläuft. Britz, Buckow und Rudow liegen weniger im öffentlichen Fokus, sind aber längst ebenfalls begehrte Ortsteile, vor allem bei Familien. Auch dort halten die Angebote an Wohnungen und Einfamilienhäusern mit der Nachfrage nicht Schritt.

Dabei treten in Neukölln gesellschaftliche Probleme massiver als in anderen Bezirken zu Tage. Das gilt nicht nur für die Gentrifizierung, das gilt beispielsweise auch für die Gefahr von Parallelgesellschaften und die Sauberkeit im öffentlichen Raum. Und es gilt für die Sicherheit. Gerade im verstärkten Kampf gegen Organisierte Kriminalität spielt Neukölln eine gewichtige Rolle.

Auch Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel ist dabei

Grund genug, sich mit dem Bezirk in einem Leserforum zu beschäftigen. Die Berliner Morgenpost bietet ihren Lesern die Möglichkeit, sich am Montag, 29. April, aus erster Hand über die Entwicklung des Bezirks zu informieren und mit unseren Experten auf dem Podium darüber zu diskutieren, wie er lebenswert bleiben kann. Unser nächstes Leserforum in der Reihe „Morgenpost vor Ort“ trägt den Titel „Neukölln – Probleme und Per­spektiven eines Bezirks“.

Auf dem Podium diskutieren: Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD); Astrid-Sabine Busse, Leiterin der Schule in der Köllnischen Heide und Vorsitzende der Interessenvertretung Berliner Schulleitungen; Sevil Yildirim, stellvertretende Leiterin des Mädchentreffs „Madonna“; Polizeioberrat Dirk Daube, stellvertretender Leiter des Polizeiabschnitts 55 (Rollbergstraße) und Nina Kugler, Neukölln-Reporterin der Berliner Morgenpost. Moderator des Abends ist Morgenpost-Autor Hajo Schumacher.

Leserforum: 60 Minuten Podiumsdiskussion, danach ist das Publikum gefragt

Das Leserforum beginnt am 29. April um 19 Uhr und dauert circa zwei Stunden. Es findet im Rathaus Neukölln an der Karl-Marx-Straße statt. Nach der etwa 60 Minuten langen Podiumsdiskussion ist das Publikum gefragt. Teilnehmer des Forums können ihre Fragen stellen und sich in die Debatte einschalten. Die Teilnahme ist für unsere Leser kostenlos, sie müssen sich allerdings zuvor in unserer Redaktion anmelden. Wie das geht, erläutern wir am Ende dieses Textes

Gentrifizierung, Schulen, Kitas, U7: Wie enwickelt sich Neukölln?

Das erste Thema des Leserforums ist die zukünftige Entwicklung von Neukölln, insbesondere in den Bereichen Stadtentwicklung und Wohnungsbau sowie Wirtschaft und soziale Infrastruktur. Gibt es noch Grundstücke, auf denen Wohnungen oder Büros gebaut werden können? Wo sollen weitere Schulen und Kitas errichtet werden? Müssen Alteingesessene angesichts steigender Mieten wegziehen? Wird die U7 verlängert?

Experten wollen sich mit kriminellen Clans und Sauberkeit im Bezirk befassen

Ein weiteres zentrales Thema wird die Sicherheit sein, insbesondere mit der Clan-Kriminalität wollen sich unsere Experten befassen. Auch, wie die Sauberkeit im Bezirk verbessert werden kann, soll eine Rolle spielen. Und schließlich wollen wir darüber sprechen, wo das Miteinander der Kulturen im Bezirk funktioniert und wo nicht.

Berlin gilt als Hochburg der organisierten Kriminalität und Neukölln als Brennpunkt in dieser Hochburg, denn Mitglieder arabischer Großfamilien spielen in der organisierten Kriminalität eine große Rolle. In vielen deutschen Städten haben sie ihre Reviere abgesteckt, Neukölln steht obenan. In Berlin gibt es etwa 20 Großfamilien mit jeweils bis zu 500 Mitgliedern, die die Polizei im Visier hat. Allein in Neukölln leben zehn dieser Clans, fast alle sind arabischstämmig. Sie besitzen Immobilien und Läden, in denen sie sich treffen und feiern – und in denen sie laut Polizei auch illegalen Geschäften nachgehen.

Kampf gegen die Vorherrschaft von Clans im Neuköllner Norden

Es geht dabei vor allem um Drogenhandel, aber auch um Schutzgelderpressung, Prostitution, Steuerbetrug mit illegalem Shisha-Tabak und Schleuserkriminalität. In Shisha-Bars werden häufig Flüchtlinge angetroffen. Die Ermittler hegen den Verdacht, dass sie für kriminelle Geschäfte rekrutiert werden. Natürlich sind nicht alle Mitglieder dieser Großfamilien kriminell, es gibt junge Männer, die sich als Arzt oder Apotheker, als Fitnesstrainer oder Ladenbesitzer etabliert haben. Doch für Polizei und Politiker ist „Clan“ mehr und mehr zur Chiffre für „kriminell“ geworden.

Polizei und Ordnungsamt, Senats- und Bezirkspolitiker kämpfen dagegen an, dass Straßen im Neuköllner Norden von Clans dominiert oder gar als rechtsfreier Raum angesehen werden. Sie verfolgen seit einigen Monaten eine neue Taktik: die „Politik der Nadelstiche.“ Sie kontrollieren Shisha-Bars, Wettbüros, Cafés und Kneipen im Kiez.

Ständige Durchsuchungen kratzen am Image der kriminellen Clans in Neukölln

Der Aufwand ist erheblich, aber Experten sagen, die ständigen Durchsuchungen störten nicht nur den reibungslosen Ablauf krimineller Geschäfte sondern kratze auch am Image der Clans als „Herren über die Kieze“. Polizei, Staatsanwaltschaft, Ordnungsamt und Zoll setzen gemeinsam Zeichen. An die Clans: „Wir haben euch im Blick.“ An die Nachbarn im Kiez: „Der Staat ist nicht hilflos.“ Innensenator Andreas Geisel und Bezirksbürgermeister Martin Hikel (beide SPD) haben schon mehrfach an solchen Razzien teilgenommen. Das wird registriert. Wichtig und richtig, sagen Szenekenner. Die Opposition rügt diese Auftritte indes als „Showveranstaltungen“.

77 Immobilien einer arabischen Großfamilie konfisziert

Polizei und Justiz beobachten zunehmend die Tendenz der Familien, von illegalen in legale Geschäftsfelder zu wechseln. Protagonisten der Clans betreiben nicht nur Shisha-Bars, sie handeln auch mit Immobilien und Autos. Im Sommer 2018 konfiszierten Ermittler 77 Immobilien, die dem R.-Clan gehören.

Die Behörden gehen davon aus, dass der Ankauf durch Straftaten finanziert wurde. Als Käufer fungierten teilweise Hartz-IV-Empfänger. Wie kann das sein, fragen da viele Berliner – und ärgern sich auch darüber, dass die Großfamilie weiterhin die Mieteinnahmen aus diesen Immobilien kassieren darf, weil sie rechtlich gegen die Beschlagnahme vorgegangen ist.

Fünf-Punkte-Plan des Senats gegen die kriminellen Clan-Strukturen

Ende vergangenen Jahres beschloss der Senat einen Fünf-Punkte-Plan gegen die kriminellen Clan-Strukturen. Als erstes wurde eine Koordinierungsstelle beim Landeskriminalamt aufgebaut. In diesem „Abwehrzentrum“ stimmen Polizei, Justiz, Zoll, Gewerbeaufsicht und Jobcenter ihr Vorgehen ab. Die Staatsanwaltschaft gründete zudem eine Spezialabteilung zur Vermögensabschöpfung.

Was die Alltagskriminalität in Neukölln anbelangt, ist die Zahl der Straftaten in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich gesunken. Das geht aus dem Kriminalitätsatlas der Berliner Polizei hervor. Der Bezirk liegt hinter Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Charlottenburg-Wilmersdorf auf Rang vier der Statistik. Dabei werden, berechnet auf 100.000 Einwohner, im Zentrum Neuköllns rund viermal so viele Straftaten angezeigt wie in Buckow und Rudow.

So können Sie am Leserforum der Berliner Morgenpost teilnehmen

Das Leserforum „Berliner Morgenpost vor Ort“ zum Thema „Neukölln – Probleme und Perspektiven eines Bezirks“ beginnt am Montag, 29. April, um 19 Uhr im Rathaus Neukölln an der Karl-Marx-Straße 83 (Sitzungssaal der Bezirksverordneten-Versammlung, zweite Etage). Es dauert zwei Stunden. Die Teilnahme ist für unsere Leser kostenlos. Voraussetzung ist eine Anmeldung in unserer Redaktion unter dem Kennwort „Morgenpost vor Ort“.

Das geht per E-Mail an aktionen@morgenpost.de, per Fax an die Nummer 030/8872 77967 oder per Postkarte/Brief an die Berliner Morgenpost, Redaktion Lokales, Kurfürstendamm 21, 10719 Berlin. Teilen Sie uns bitte mit, wie viele Plätze Sie benötigen. Abonnenten der Berliner Morgenpost können gern ihre Abonummer dazuschreiben, sie werden bei der Platzvergabe zuerst berücksichtigt. Alle Anmeldungen werden nach Eingang bearbeitet und müssen spätestens b is Donnerstag, 25. April, 16 Uhr, in der Redaktion vorliegen. Der Zugang zum Leserforum ist nur mit schriftlicher Bestätigung der Redaktion möglich.

Das Rathaus Neukölln ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Der gleichnamige U-Bahnhof (U7) liegt direkt vor der Tür. Die BVG-Buslinien 104 und 166 halten ebenfalls am Rathaus. Es gibt Parkplätze in begrenztem Umfang auf den umliegenden Straßen. Das Einkaufszentrum Neukölln Arcaden (Karl-Marx-Straße 66, Ecke Flughafenstraße) verfügt aber über ein Parkhaus. Dieses ist rund um die Uhr geöffnet.

Diese Experten sitzen auf dem Podium

Martin Hikel (SPD, 32) ist seit März 2018 Bezirksbürgermeister von Neukölln. Zuvor unterrichtete er Politik und Mathematik an der John-F.-Kennedy-Schule. Hikel wurde 2011 Bezirksverordneter in Neukölln. 2016 bis 2018 war er dort Fraktionschef der Sozialdemokraten.

Sevil Yildirim (34) ist Diplom-Psychologin und stellvertretende Leiterin des Mädchentreffs „Madonna“. Die gebürtige Neuköllnerin studierte an der Humboldt-Universität. Sie ist in der Gewaltprävention, auch mit Jungen, tätig. Zudem führt sie Projekte in der Jugendarbeit durch.

Nina Kugler (30) arbeitet seit 2018 für die Berliner Morgenpost und kümmert sich hauptsächlich um Menschen, Politik, Kultur und Gesellschaft in Neukölln. Die gebürtige Stuttgarterin studierte Politik- und Europawissenschaften in Bonn, Bordeaux und Tübingen.

Dirk Daube (51) ist Polizeioberrat und stellvertretender Leiter des Polizeiabschnitts 55. Dieser Abschnitt ist zuständig für den Norden Neuköllns rund um Karl-Marx- und Hermannstraße. Daube, gebürtiger Reinickendorfer, arbeitet seit 1988 bei der Berliner Polizei.

Astrid-Sabine Busse (61) leitet seit mehr als 26 Jahren die Schule in der Köllnischen Heide mit 80 Prozent arabischstämmigen Schülern. Die gebürtige Berlinerin studierte Geografie und Politologie. Busse ist auch Vorsitzende der Interessenvertretung Berliner Schulleitungen.

Hajo Schumacher (54), Morgenpost-Autor und -Kolumnist, moderiert die Diskussionsrunde. Der aus Münster stammende Journalist und Politikwissenschaftler arbeitet auch für Magazine, Hörfunk, Online-Medien und TV. Schumacher ist zudem Verfasser mehrerer Bücher.