Zwischenstand

Drogenkonsumraum in Neukölln: Stadtrat legt erste Zahlen vor

Seit der Eröffnung des Drogenkonsumraums an der Karl-Marx-Straße steigt die Zahl der Konsumvorgänge. Das hat einen Grund.

Im Sommer wurde hier noch gebaut, Anfang des Jahres hat dann Neuköllns erster Drogenkonsumraum eröffnet.

Im Sommer wurde hier noch gebaut, Anfang des Jahres hat dann Neuköllns erster Drogenkonsumraum eröffnet.

Foto: Nina Kugler

Berlin. Ende Januar hat an der Karl-Marx-Straße in Neukölln der erste feste Drogenkonsumraum im Bezirk eröffnet. Und von den Konsumenten wird er gut angenommen. Das zeigen Zahlen, die nun Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vorgestellt hat.

Demnach wurden allein im Februar – im ersten Monat, in dem der Raum geöffnet hatte – 581 Mal Drogen in den Fixerräumen konsumiert. Zum Vergleich: In dem Drogenkonsummobil – ein Kleinbus, der gegenüber des jetzigen Drogenkonsumraums stand, ehe dieser eröffnet wurde – wurden laut Liecke „im letzten Jahr zwischen 132 und 203 Konsumvorgänge“ gezählt.

Stadtrat Liecke: Erhebliche Steigerung der Konsumvorgänge

Neuköllns Gesundheitsstadtrat spricht von einer „erheblichen Steigerung der Konsumvorgänge“. Und liefert zugleich eine Erklärung. Denn in den neuen festen Drogenräumen gibt es 12 Plätze, je sechs für in­ji­zie­renden Konsum und sechs Rauchplätze. In dem Drogenkonsummobil, das nur zwei Plätze für den intravenösen Konsum hatte, hingegen durften Drogen nicht geraucht werden.

Der inhalative Konsum aber hat die Zahlen derart in die Höhe schießen lassen. Von den 581 Konsumvorgängen im Februar im Drogenkonsumraum wurden die Drogen 226 intravenös gespritzt, zwei Mal wurden sie durch die Nase gezogen, und 353 mal wurden sie inhaliert.

„Insgesamt ist daher die Steigerung auf 226 intravenöse Konsumvorgänge als eher moderat zu bezeichnen“, so Liecke.

Bezirksamt für erweiterte Öffnungszeiten

Angesicht der steigenden Zahlen hält das Bezirksamt erweiterte Öffnungszeiten für den Drogenkonsumraum für sinnvoll. Jedoch nur unter Voraussetzung, „dass daraus keine negativen Auswirkungen auf die Anwohner in Folge einer zu hohen Frequentierung resultiert“, teilte Liecke weiter mit.

Zudem fordert der Gesundheitsstadtrat von Neukölln eine Ausweitung der Straßensozialarbeit sowie eine engere Zusammenarbeit auf Landesebene.

„Wir haben hier zu kämpfen mit den Auswirkungen des Drogenkonsums, mit der Verwahrlosung des öffentlichen Raums. Und vom Senat bekommt man immer nur zu hören ‘In diesem Doppelhaushalt haben wir leider kein Geld.’ Ja, danke fürs Bescheid sagen – dann muss man sich da bitte etwas überlegen“, sagte Liecke zuletzt in einem Interview mit der Berliner Morgenpost.