Mieten

Wird das Wohnen in der Gropiusstadt zu teuer?

Der Eigentümer „Gropiuswohnen“ saniert und modernisiert Wohnungen für mehr als 100 Millionen Euro. Anwohner fürchten steigende Mieten.

Olaf Kamp, Geschäftsführer von Gropiuswohnen.

Olaf Kamp, Geschäftsführer von Gropiuswohnen.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Die Gropiusstadt im Süden von Neukölln – lange hatte die Hochhaussiedlung, die in den 1960er-Jahren innerhalb von etwas mehr als zehn Jahren aus dem Boden gestampft wurde, keinen guten Ruf. Brennpunktkiez, Kriminalität, Drogen, Christiane F. Doch lange hat die Siedlung die Klischees überholt.

Die Gropiusstadt hat sich zu einem beliebten Wohnviertel gemausert. Die rund 37.000 Anwohner leben zumeist gern hier. Direkt vor der Haustür liegt Berlins größte Shopping-Mall, die Gropius-Passagen. Die U7 fährt zwölf Minuten bis zum Hermannplatz und in sechs bis nach Rudow. Und die Mieten in der Gropiusstadt sind – vor allem im Berliner Vergleich – noch bezahlbar. Noch.

Gropiuswohnen modernisiert 4200 Wohnungen

Denn einer der größten Wohnungseigentümer in der Großwohnsiedlung, die Gropiuswohnen, saniert und modernisiert fleißig ihre rund 4200 Wohnungen. Etwa 10.000 Mieter dürften von den Baumaßnahmen betroffen sein. Und es geht um sehr viel Geld, sowohl für den Eigentümer, wie auch die Anwohner.

Seit 2010 saniert und modernisiert Gropiuswohnen seinen Bestand in der Großsiedlung. 90 Millionen Euro hat die Immobiliengesellschaft dafür schon ausgegeben. 80 Millionen Euro flossen in Instandhaltungsmaßnahmen, wie die Erneuerung von Fahrstühlen, neue Bäder oder die Erneuerung von Wasserleitungen. 10 Millionen Euro hingegen flossen in energetische Modernisierungsmaßnahmen. Die Instandhaltungskosten trägt allein der Eigentümer. Die Kosten der Modernisierung hingegen dürfen auf die Bewohner umgelegt werden, sprich: Dafür darf der Vermieter mehr Miete verlangen.

Geschäftsführer Kamp: Keine Luxussanierungen

„Wir wollen hier aber keine Luxussanierungen durchführen“, bekräftigt Olaf Kamp, Geschäftsführer von Gropiuswohnen. „Wir wollen unsere Bestandsmieter nicht verdrängen.“ Bisher liegen die durchschnittlichen Quadratmeterpreise von Gropiuswohnen bei 6 Euro. Nach der Modernisierung werden sie vermutlich auf 8 Euro ansteigen.

Die Bewohner bekommen dafür unter anderem neue Wasserleitungen, neue Bäder, barrierefreien Zugang zu den Häusern, neue Aufzüge oder neue Häuserfassaden.

„Es ist die erste große Renovierung der Häuser seit dem Bau in den 1960er-Jahren“, erklärt Kamp, der selbst unweit der Gropiusstadt aufgewachsen ist. „In 50 Jahren kommt da natürlich einiges zusammen.“

Langjährige Mieter sollen nicht verdrängt werden

Kamp beteuert aber, dass er seine langjährigen Mieter keinesfalls verdrängen möchte. Schließlich, da ist er sich sicher, haben die nämlich einen Löwenanteil daran, dass die Gropiusstadt ihr Schmuddelimage ablegen konnte. Für die, die sich die Mietsteigerung nicht leisten können, müsse eine Lösung gefunden werden, sagt der Geschäftsführer. „Mieter können einen Härtefallantrag stellen.“ Der könnte dann erfolgreich sein, wenn die Miete mehr als 30 Prozent des Monatseinkommens übersteigt, so Kamp.

Etwa 12 Prozent der Mieter von Gropiuswohnen sind Erstbezügler, leben also in den Wohnungen seit der Fertigstellung in den 1970er Jahren.

Anwohner gründen Mieterinitiative

Ganz so lange lebt Ilona Vater zwar noch nicht in der Gropiusstadt. Aber immerhin schon seit 2000, also seit 19 Jahren. Im vergangenem Jahr flatterte bei ihr und ihrem Mann ein Brief von ihrem Vermieter – Gropiuswohnen – ein. Ihnen wurde mitgeteilt, dass sie eine Mietsteigerung wegen Modernisierung zu erwarten haben. „Bisher haben wir 383 Euro kalt im Monat für unsere 76 Quadratmeterwohnung gezahlt“, erzählt Ilona Vater. „Und jetzt sollen wir 170 Euro mehr bezahlen im Monat“, sagt sie. „Das steht doch in keiner Relation.“

Höhere Mieten, kaum Kosteneinsparungen

Der Ärger ist groß. Versprochen wurden den Bewohnern nämlich unter anderem erhebliche Einsparungen bei den Heizkosten nach der energetischen Sanierung. „Aber wir zahlen gerade einmal sechs Euro weniger Heizgebühren im Monat“, sagt Vater verärgert.

Gemeinsam mit anderen Mietern ihres Hauses hat Vater deshalb eine Mieterinitiative gegründet. Die Mietsteigerung wollen sie nicht einfach so hinnehmen.

Ihre größte Sorge: „Dass sich das soziale Gefüge der Gropiusstadt verändern könnte. Und natürlich, dass mein Mann und ich uns die Wohnung nicht mehr leisten können und raus müssen.“ Einen Härtefallantrag hat sie schon gestellt, schließlich sind die Vaters Rentner. Ob der allerdings durchgeht, ist noch nicht entschieden.

Und noch etwas stößt Vater sauer auf: Sieben Bäume wurden vor ihrem Haus wegen der Bauarbeiten gefällt. „Rücksichtslos“, findet sie das. Und auch, dass kein Ersatz gepflanzt werden soll.

Mieterinitiative ruft zur Demonstration auf

Vater und ihre Mitstreiter haben deshalb für Donnerstag, 14. März, um 14 Uhr eine Demonstration geplant. Start soll an der Lipschitzallee sein. Dann wird der Zug bis zum Imbuschweg, dem Sitz von Gropiuswohnen ziehen.

Mehr Nachrichten aus dem Bezirk Neukölln lesen Sie hier.