Estrel Hotel

Jobmesse bringt Firmen und Geflüchtete zusammen

Bei Europas größter Jobmesse für Geflüchtete und Ausländer suchten rund 4000 Neu-Berliner einen Beruf.

Besucher sprechen auf der Jobbörse für Geflüchtete und ausländische Arbeitssuchende im Estrel Hotel mit einem Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit.

Besucher sprechen auf der Jobbörse für Geflüchtete und ausländische Arbeitssuchende im Estrel Hotel mit einem Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit.

Foto: Gregor Fischer/dpa

Neukölln. Liqaa Alshammry kam vor gut drei Jahren nach Berlin. Gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn floh sie vor dem Bürgerkrieg im Irak. Dort hatte sie studiert und einen Job als Lebensmitteltechnologieingenieurin. In Deutschland war diese Ausbildung dann aber nichts mehr wert - Alshammry musste wieder von Vorne beginnen. Mittlerweile spricht die junge Mutter fließend Deutsch und überlegt zu studieren. Aber zuerst braucht sie Arbeit. Denn ihr winkt eine Duldung. "Aber um eine Chance darauf zu haben, brauche ich jetzt unbedingt einen Job", erzählt sie. Wie rund 4000 andere Geflüchtete und ausländische Arbeitssuchende, kam Alshammry deshalb am Montag in das Estrel Hotel in Neukölln, wo bereits zum vierten Mal Europas größte Jobmesse für Geflüchtete und Ausländer stattfand.

Hier stellen sich rund 180 potentielle Arbeitgeber den Arbeitssuchenden vor. Von Amazon, Mc Donald's über die AWO bis hin zur Deutschen Bahn oder Daimler: Im Gepäck haben sie insgesamt rund 3500 freie Stellen. Denn Ende 2017 waren in Berlin rund 28.000 Geflüchtete auf der Suche nach Arbeit. Für die Arbeitgeber potentielle Fachkräfte, die sie händeringend suchen.

Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) leben derzeit rund 1,5 Million Geflüchtete in Deutschland. Allein im vergangenem Jahr kamen rund 143.000 Flüchtlinge neu an. Fünf Prozent von ihnen, 7260, wurden nach dem sogenannten "Königsteiner Schlüssel" in Berlin aufgenommen. 2017 waren es 8285 Flüchtlinge, die nach Berlin kamen, 2016 knapp 17.000 und im Rekordjahr 2015 sogar rund 55.000.

Doch, so sagte es der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, auf der Jobmesse im Estrel Hotel, entspanne sich die Zahl der arbeitssuchenden Geflüchteten und Ausländern von Jahr zu Jahr immer weiter. In Berlin und bundesweit. Zehntausende nach Deutschland geflüchtete Menschen werden nach seiner Ansicht in diesem Jahr einen Job finden. Scheele führt das auf den Spracherwerb zurück, der sich mit den Jahren verfestige. Es werden deutschlandweit ungefähr zwischen 60.000 und 70.000 sein, die derzeit noch als arbeitssuchend oder arbeitslos gemeldet sind. "Das ist ein hervorragender Wert", sagte Scheele.

Flüchtlingsfrauen sollen stärker gefördert werden

370.000 Menschen aus den Asylherkunftsländern - das sind Syrien, Afghanistan, Pakistan, Iran, Irak, Somalia, Nigeria und Eritrea - haben laut Bundesagentur für Arbeit zurzeit einen Job. Das seien 100.000 mehr als ein Jahr zuvor. Zugleich seien 600.000 erwerbsfähige Geflüchtete bei den Jobcentern registriert. Und rund 430.000 befänden sich in Integrationskursen oder Praktika und könnten deshalb nicht als "arbeitslos gemeldet" gezählt werden.

Auf der Messe zählt unter anderem die krankenhauseigene Vivantes Gastronomie zu den Ausstellern. Nach eigenen Angaben hätten sie 30 bis 40 Stellen zu vergeben. Und schon heute arbeiten rund 30 Geflüchtete bei ihnen. Im Moment findet der erste "Flüchtlingsfrauenkurs" statt, eine Schulung exklusive für Frauen. Nach sechs Monaten Theorie und Ausbildung winkt eine unbefristete Anstellung als Serviceassistentin.

Auch Alshammry hat sich einen Bewerbungsbogen von Vivantes Gastronomie mitgenommen. Gerne würde sie im Labor arbeiten und passende Mahlzeiten für beispielsweise Diabeteskranke zusammenstellen. "Das wäre mein Traum", sagt sie. Und: "Ich bin Stier vom Sternzeichen, ich bin also ein Sturkopf. Ich habe ein Ziel - also schaffe ich das auch, was ich mir vornehme", sagt sie und lacht.

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