900 Wohnungen

Neues Stadtquartier entsteht auf den Buckower Feldern

Im Süden von Neukölln, an der Grenze zu Brandenburg, werden 850 neue Wohnungen gebaut. Baubeginn ist voraussichtlich 2021.

So soll die Buckower Felder einmal aussehen, wenn es bebaut ist.

So soll die Buckower Felder einmal aussehen, wenn es bebaut ist.

Foto: STADT UND LAND-Wohnbauten GmbH

Neukölln. Im Süden von Neukölln, an der Grenze zu Brandenburg, soll ein neues Stadtquartier entstehen. Zwischen 850 und 900 Wohnungen, in denen schätzungsweise 1700 Menschen leben sollen, werden auf den Buckower Feldern gebaut. Ein Acker soll also Abhilfe schaffen für den chronisch überlasteten Berliner Wohnungsmarkt. Baubeginn wird voraussichtlich 2021 sein. Das teilte nun die Senatsverwaltung für Bauen und Wohnen sowie die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land bei einer Informationsveranstaltung mit.

Das Gebiet, das vom Buckower Damm, der Gerlinger Straße sowie dem Berliner Mauerweg umschlossen wird, gehört in Berlin zu den wenigen landeseigenen Flächen mit großem Wohnungsbaupotential. Größtenteils wird Stadt und Land auf einer Gesamtwohnfläche von rund 63.800 Quadratmetern drei- bis fünfgeschossigen Wohnungen bauen. 20 Prozent der Fläche dürfen jedoch von Drittanbietern, wie beispielsweise Genossenschaften oder Baugruppen, bebaut werden. Insgesamt, so teilte ein Sprecher von Stadt und Land mit, solle auf die "Berliner Mischung" geachtet werden - "also Wohnungen für breite Schichten der Bevölkerung." Und so werden auf etwa 58.400 Quadratmetern Einraumwohnungen bis hin zu Fünf-Zimmer-Appartements entstehen, und auf circa 5.400 Quadratmetern "Eigenheime oder Wohneinheiten mit einer stadtvillenartigen Struktur", so der Unternehmenssprecher weiter.

Mieten sollen nicht mehr als 6,50 Euro pro Quadratmeter kosten

Um diese "Berliner Mischung" erreichen zu können, sollen rund die Hälfte der neuen Wohnungen für 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. "Wichtig ist uns, dass das Quartier, was wir hier schaffen, eine gesunde Mischung hat, lebendig ist, sozial funktioniert und perspektivisch eine Gemeinschaft entsteht", so die Stadt und Land. Und: "Priorität hat die Schaffung von günstigem Wohnraum."

Die Stadt und Land geht derzeit von einer Bauzeit von circa drei Jahren aus. Das heißt, dass die ersten Mieter frühestens im Jahr 2024 einziehen werden, also in etwa fünf Jahren.

Neben Wohnungen sollen aber auch Kitas, Jugendeinrichtungen und Arztpraxen in das neue Quartier ziehen. Außerdem soll es verschiedene Freiflächen, wie Anger und Plätze, geben, an denen sich das soziale Leben der neuen Wohnsiedlung abspielen soll. In den Hinterhöfen der Häuser, die in weiß, grau, blau und beige gestrichen werden sollen, werden Kleingärten und Spielplätze angelegt. Eingerahmt wird das Viertel, das autoarm sein soll, von einem großzügigen Landschaftspark im Westen und einem grünen Gürtel im Osten am Buckower Damm. In dem Landschaftspark wird zudem ein 1700 Quadratmeter großer Kinderspielplatz gebaut.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erreichen ist das neue Wohnquartier jedoch erstmal nur per Bus. Die Bushaltestellen Buckower Damm/ Ringslebenstraße und Heinrich-Mann-Oberschule (Gerlinger Straße) der Buslinien M44 und 172 liegen fußläufig. "Durch die Festsetzung einer Buswendestelle im Bebauungsplan werden planerisch die Vorrausetzungen geschaffen, künftig bei steigender Nachfrage durch die Gebietsentwicklung Liniennetzergänzungen beziehungsweise Taktverdichtungen vorzunehmen", teilte die Senatsverwaltung auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mit. Die nächste U-Bahnstation, die Lipschitzallee der U7, liegt knapp drei Kilometer entfernt. Pläne, die U8 von der Hermannstraße weiter in Richtung Süd-Neukölln zu erweitern, liegen derzeit nicht vor.

Bürger werden bei Infoveranstaltungen einbezogen

Bei der Planung zur Bebauung der Buckower Felder wurden die Anwohner über Informationsveranstaltungen mit einbezogen. Denn als das Bauvorhaben vor einigen Jahren bekannt wurde, gab es Kritik von Seiten der Anwohner: Erste Überlegungen waren noch von rund der Hälfte der nun beschlossenen 850 bis 900 Wohnungen ausgegangen. Außerdem forderten viele Anwohner, dass auf Neuköllns letzter großer landwirtschaftlicher Fläche weiterhin auch Landwirtschaft betrieben werden solle. Eine weitere Befürchtung: Es könne hier ein neuer sozialer Brennpunkt entstehen. Schließlich sollen rund die Hälfte der Wohnungen - Sozialwohnungen - für einen Quadratmeterpreis von 6,50 Euro vermietet werden. Zumal leben in der Umgebung bereits etliche Menschen mit wenig Geld. Doch der Berliner Senat beschloss Anfang 2015, dem Bezirk Neukölln das Baurecht zu entziehen und das Areal zu einem Gebiet von gesamtstädtischer Bedeutung zu erklären.

Berlin hat nur noch wenige Flächen, auf denen große Neubaugebiete überhaupt möglich wären. Immer wieder genannt werden die Elisabeth-Aue, der Flughafen Tegel, auf dem – nach der geplanten Schließung – 5000 Wohnungen gebaut werden sollen, auf dem aber Platz für mehr wäre, oder der Blankenburger Süden. Auch das Tempelhofer Feld weckt weiter Begehrlichkeiten, zumindest für eine Randbebauung, wie sie beim Volksentscheid 2014 zur Debatte stand – und abgelehnt wurde. Die Buckower Felder sind eines von elf großen Neubaugebieten, in denen laut Koalitionsvertrag von SPD, Linken und Grünen rund 37.000 Wohnungen errichtet werden sollen.

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