Umbau

700 Millionen für das Vivantes Klinikum in Neukölln

Das Größte Krankenhaus im Vivantes-Konzern muss saniert werden. Ein neuer OP-Trakt sowie größere Rettungsstelle sind geplant.

Das Vivantes Klinikum Neukölln soll umgebaut werden.

Das Vivantes Klinikum Neukölln soll umgebaut werden.

Foto: BM

Berlin. 1986 wurde das Vivantes Klinikum Neukölln eröffnet – und ist inzwischen deutlich in die Jahre gekommen. Seit Jahren plant Vivantes deshalb einen Neubau an der Rudower Straße. Baubeginn wird voraussichtlich 2020 sein, wie der Konzern kürzlich mitteilte. 2024 soll der Neubau aller Voraussicht nach fertig sein. Nun wurde bekannt, was genau neu an dem größten Klinikum des Vivantes-Konzerns in Berlin gemacht werden soll.

Um die vollständige Sanierung des Klinikums Neukölln zu ermöglichen, wird in einem ersten Bauabschnitt vor dem Hauptgebäude ein neuer Kopfbau, der sogenannte Nordkopf, errichtet. Das teilte Mischa Moriceau, Pressereferentin von Vivantes, gegenüber der Berliner Morgenpost mit. Er soll als Ausweichfläche für die danach einsetzende Sanierung des restlichen Krankenhauses dienen, die weitere zehn bis 15 Jahre andauern kann. Allein in diesem Neubau werden 16 neue Operationssäle (OP) entstehen. Der Erweiterungsbau wird voraussichtlich 150 Millionen Euro kosten. Er umfasst neben dem OP-Trakt eine neue Rettungsstelle, Funktionsdiagnostik für Kardiologie und Endoskopie sowie 240 Betten, 28 Betten der Intensivstation und einen Hubschrauberlandeplatz.

Alle Sanierungsmaßnahmen erfolgen im laufenden Betrieb

Die Rettungsstelle im bisherigen Krankenhaus Neukölln ist zusehends überlastet: Früher einmal für 25.000 Patienten pro Jahr ausgelegt, wird sie mittlerweile von rund 80.000 Menschen aufgesucht. Zudem ist sie die erste Rettungsstelle für den künftigen Großflughafen BER. Im Neubau sind deshalb 2400 statt der bisher 1500 Quadratmeter im alten Krankenhaus vorgesehen.

Das Klinikum Neukölln ist nach dem Virchow-Klinikum der Charité das größte der 81 Krankenhäuser der Stadt. Mit 1219 Betten, 539 Ärzten und 1069 Pflegekräften sowie mit mehr als 125.000 Patienten jährlich. Aufgrund seiner Lage ist es für die medizinische Versorgungssicherheit Berlins enorm wichtig. Alle Sanierungsmaßnahmen erfolgen daher im laufenden Betrieb. Die Kosten für den Um- und Neubau belaufen sich derzeit insgesamt auf schätzungsweise 700 Millionen Euro. Für einen Teil der Kosten wird der Vivantes-Konzern aufkommen, den Löwenanteil wird aber wohl das Land Berlin tragen. „Die Finanzierung von Klinikinvestitionen liegt grundsätzlich in der Verantwortung des Landes. Über die Finanzierung der Baukosten des Standortes Neukölln ist Vivantes derzeit im Gespräch mit der Senatsverwaltung“, teilte Moriceau mit.

Für 270 Parkplätze, die für den Bau des geplanten Nordkopfes weichen, muss Ersatz geschaffen werden, so eine Auflage des Bezirksamtes Neukölln. Ein neues Parkhaus mit 480 Parkplätzen wird dort gebaut, wo bis jetzt noch das zum Vivantes Klinikum Neukölln gehörende Ida-Wolff-Pflegeheim an der Fritz-Erler-Allee steht. Neben einem Parkhaus wird hier auch ein Ärztehaus neu sowie das Pflegeheim umgebaut.

Das Pflegeheim wird weiter betrieben, nur die Kapazitäten in dem jetzigen Bau werden leicht reduziert, sodass die Bewohner größtenteils dort bleiben können. Für sie steht darüber hinaus auch eine alternative Unterbringungsmöglichkeit in der näheren Umgebung zur Verfügung. Vivantes hat nämlich vor wenigen Wochen vier Seniorendomizile von einem anderen Betreiber übernommen. Eines davon befindet sich in unmittelbarer Nähe des Ida-Wolff-Pflegeheims und kann auf Wunsch ab Januar, sonst aber auch ab März, von einzelnen Bewohnern bezogen werden, teilte der Konzern mit.

Klinikum ist Alleinversorger in Neukölln

Bei der Notfallversorgung ist das Klinikum nahezu der Alleinversorger für Neukölln und deckt ein Einzugsgebiet ab, das weit in den Süden von Tempelhof-Schöneberg und nach Treptow-Köpenick reicht. Im Jahr 2014 wurde das Krankenhaus 23.000 Mal von Feuerwehr und Rettungsdiensten angesteuert. Damit liegt es in der Stadt einsam an der Spitze. Danach folgen das Vivantes Klinikum im Friedrichshain und das Virchow-Klinikum der Charité mit jeweils ungefähr 19.000 Anfahrten. Insgesamt gab es 2014 rund 275.000 Krankenhausanfahrten in Berlin – aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Aber auch das Mutter-Kind-Zen­trum, Psychiatrie, Onkologie, Lungenchirurgie und Gefäßmedizin sind wichtige Versorgungsschwerpunkte – und vielfach die einzigen im Süden Berlins.

Das Neuköllner Klinikum steht sinnbildlich für die Versäumnisse der Berliner Krankenhauspolitik in den vergangenen Jahren. 2017 bezifferte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Thomas Isenberg, den Investitionsstau bei allen Häusern in der Stadt auf zwei Milliarden Euro. Seitdem ist der Berliner Senat bemüht, die Investitionen in die Krankenhäuser zu erhöhen. Im vergangenen Jahr stellte er mehr als 150 Millionen Euro zur Verfügung. In den folgenden Jahren, bis zum Ende der Legislaturperiode 2021, sind laut Finanzplanung des Senats weitere stufenweise Anhebungen um jeweils 20 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen.

In das Universitätsklinikum Charité will das Land Berlin beispielsweise in den kommenden zehn Jahren mehr als eine Milliarde Euro investieren. Davon sind knapp 500 Millionen Euro bereits in der Finanzplanung bis 2021 eingeplant. Kräftig investiert wird vor allem in den Campus Virchow in Wedding. Hier soll ein Neubau für das künftige Universitäre Herzzen­trum und die zentrale Notaufnahme errichtet werden. Die Kosten liegen hier bei mindestens 250 Millionen Euro.

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