„Morus 14“

Der Rollberg hat zum letzten Mal getafelt

Der Verein „Morus14“ gibt sein Gemeinschaftshaus auf und legt das Hauptaugenmerk künftig auf Bildungsarbeit.

Susanne Weiß übernimmt die Geschäftsführung des Vereins "Morus 14" von Gilles Duhem.

Susanne Weiß übernimmt die Geschäftsführung des Vereins "Morus 14" von Gilles Duhem.

Foto: Nina Kugler

Neukölln. Es ist das Ende einer langen Tradition im Rollbergiez in Neukölln: Der Verein „Morus 14“ gibt nach 15 Jahren sein Gemeisnchaftshaus in der Morusstraße auf. Nötig geworden war das unter anderem, weil der Verein das Haus selbst finanzieren musste, ohne öffentliche Regelförderung. Ein Kraftakt, den der gemeinnützige Verein am Ende nicht mehr stemmen konnte und wollte.

Jeden Mittwoch um 12.30 Uhr kochten in der Küche des Gemeinschaftshauses Freiwillige. Mal waren es Politiker, mal Vereinsmitglieder, mal Polizisten oder Anwohner. Seit 2002 wurden so 815 Essen auf den Tisch gebracht. „Rollberg tafelt“ hieß die Aktion. Zum letzten Essen am Mittwoch gab es Festagsbraten: Hirschgulasch mit Rotkohl und Klößen. Der Gemeinschaftsraum in der Morusstraße war brechend voll, viele Weggefährten wollten vor allem auch Gilles Duhem, Gründer und langjähriger Leiter von „Morus 14“ Adieu sagen. Denn Duhem hängt nach 18 Jahren seinen Job an den Nagel - er verlässt den Verein. Wie es für ihn weiter geht, weiß er nach eigenen Angaben noch nicht. Erst am vergangenem Wochenende wurde Duhem für sein jahrelanges ENgegement mit der Neuköllner EHrennadel, der höchsten AUszeichnung des Bezirks, geehrt.

Duhems Aufgabenbei „Morus 14“ wird Susanne Weiß künftig übernehmen. Sie will das Hauptaugenmerk der Vereinsarbeit auch künftig stark auf die Bildungsarbeit mit Jugendlichen legen. Nachhilfeunterricht, Schülerpatenschaften, Ausflüge - an der Vereinsarbeit, wie man sie heute von „Morus 14“ kennt, wird sich nichts ändern. „Ich würde aber gern muslimische Schülerpaten für unsere Arbeit gewinnen“, sagt Weiß. Schon heute sind die Wartelisten auf einen freien Platz im Verein für Schüler lang. Bis zu 50 Personen warten darauf, dass „Morus 14“ die Kiezkinder unterstützt. „Die Verankerung im Kiez ist eben wichtig“, weiß die neue Geschäftsführerin.

Wie es mit dem Haus in der Morusstraße weitergeht, steht noch nicht fest. Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) verhandelt mit „Stadt und Land“ über einen neuen Pächter. Eins wünscht sich Hikel dabei besonders: „Wir wollen gern wieder einen gemeinnützigen Verein hier drin haben. Denn man kann gar nicht genug würdigen, was Gilles Duhem und sein Verein bis jetzt schon für den Kiez, aber auch für ganz Neukölln geleistet haben.“