Spektakulärer Umbau

Hermannplatz: Karstadt soll legendäre Fassade zurückbekommen

Das Warenhaus in Kreuzberg an der Grenze zu Neukölln soll im Art-déco-Stil renoviert werden. Die Bruttogeschossfläche wird vergrößert.

Das Karstadt-Kaufhaus soll wieder so aussehen wie in den 20er-Jahren – hier eine Aufnahme von 1929.

Das Karstadt-Kaufhaus soll wieder so aussehen wie in den 20er-Jahren – hier eine Aufnahme von 1929.

Foto: dpa Picture-Alliance

Berlin. Das Karstadt-Gebäude am Hermannplatz ist eine Bausünde der 50er-Jahre. Grau und gedrungen liegt es plump an dem 160 mal 50 Meter großen Platz zwischen Kreuzberg und Neukölln. Doch das war nicht immer so. Kurz nach seiner Eröffnung Ende der 1920er-Jahre entwickelte sich Europas größtes Kaufhaus schnell zur Attraktion der Weimarer Republik. Nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das ehemals imposante Gebäude jedoch nach pragmatischen Vorstellungen wiederaufgebaut. Doch nun will der österreichische Signa-Konzern, zu dem Karstadt gehört, die einst legendäre Fassade des Warenhauses wiederherstellen.

Karstadt am Hermannplatz: früher ein Markenzeichen

Als das Warenhaus mit seiner 70.000 Quadratmeter großen Nutzfläche 1929 eröffnet wurde, ragte seine imposante Art-déco-Fassade 32 Meter und sieben Stockwerke über den Platz. Verkleidet hatte Architekt Philipp Schäfer die Außenfassade mit einer quadratischen 6,50 mal 6,50 Meter Eisenbeton-Skelettkonstruktion. Gekrönt wurde das Gebäude mit zwei Türmen, die nochmals 24 Meter höher waren als das restliche Haus. Auf denen wiederum waren noch zwei zusätzliche blaue Lichtsäulen angebracht, die insgesamt 71 Meter in die Höhe ragten.

Das Karstadt-Haus - übrigens seiner Zeit das größte kontinentaleuropäische Warenhaus - erinnerte mit seiner Muschelkalkfassade und seiner vertikalen Gliederung stark an die mondänen Wolkenkratzer New Yorks. Und: Es war das erste Kaufhaus in Europa, das über einen unterirdischen U-Bahn-Zugang verfügte. Besonders begeistert waren die Besucher allerdings von der rund 4000 Quadratmeter großen Dachterrasse, von der aus man über Kreuzberg und Neukölln blicken konnte. Bis zu 5000 Menschen fanden hier Platz. Jeden Nachmittag spielte eine Musikkapelle, während man sich vom Einkaufen, Baden oder Sport erholen konnte - denn das Warenhaus bot damals nicht nur Shoppingmöglichkeiten, sondern eben auch eine Bade- und Sportanstalt.

Wenige Tage vor Kriegsende allerdings fiel das filigran wirkende Kaufhaus Straßenkämpfen zum Opfer. Lediglich ein kleiner Teil der Originalfassade an der Westseite an der Kreuzberger Hasenheide ist bis heute erhalten. In den 1950er-Jahren wurde schließlich mit dem Wiederaufbau des einstigen Vorzeige-Warenhauses begonnen. Doch pragmatisch, wie der Baustil damals war, erlangte das Karstadt-Haus seinen alten Glanz nicht zurück. Und ist bis heute eher eine Bausünde denn ein Augenschmaus. Doch das könnte sich nun ändern.

Signa will Art-déco-Stil wiederherstellen

Denn der Signa-Konzern mit Sitz in Wien will das Gebäude neu bauen. Als eine "Projektentwicklung der besonderen Art" beschreibt das Unternehmen, das Karstadt 2014 aufkaufte, den geplanten Neubau am Hermannplatz. Das Haus soll seine "ursprüngliche Größe und sein Aussehen aus den 20ern des letzten Jahrhunderts" zurückerhalten, teilt der Konzern mit.

Konkret heißt das, dass das Bestandsgebäude neu errichtet und um circa ein Drittel auf rund 126.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche erhöht werden soll. Das Warenhaus soll zu einem "flexiblen Multi-Use-Objekt" umgewandelt werden, inklusive Büros, Wohnungen, Hotel sowie einer großen Markthalle. Und natürlich sollen auch die beiden Türme sowie die legendäre Dachterrasse wieder aufgebaut werden – "wie im früheren Karstadt Hermannplatz", so der Signa-Konzern. Karstadt werde dabei zentraler Bestandteil der Immobilie bleiben.

Da das Projekt aber noch ganz am Anfang stünde, gäbe es derzeit noch keine weiteren Informationen, teilte ein Konzernsprecher auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mit. Zum Zeitrahmen und zu den Kosten der Umgestaltung machte Signa keine Angaben.

Und auch beim zuständigen Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Grüne), liegen derzeit noch keine Bauanträge von Seiten des Signa-Konzerns vor. Übrigens: Der Hermannplatz liegt zwar in Neukölln, das Karstadt-Haus gehört aber bereits zu Friedrichshain-Kreuzberg.

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