Demonstration geplant

Pensionsfonds kauft Wohnungen: Rixdorfer wehren sich

Ein dänischer Pensionsfonds hat einen ganzen Straßenzug in Neukölln aufgekauft. Anwohner fürchten Mieterhöhungen.

Die Mietervereinigung "BoeThie bleibt!" kämpft für ihre Straße: Elena Poeschl (erste Reihe links), Sprecherin von BoeThie, mit Mietern aus der Thiemann Straße.

Die Mietervereinigung "BoeThie bleibt!" kämpft für ihre Straße: Elena Poeschl (erste Reihe links), Sprecherin von BoeThie, mit Mietern aus der Thiemann Straße.

Foto: Anikka Bauer

Neukölln. Bis zu 600 Menschen werden am Samstag, 15. Dezember, ab 12 Uhr an der Thiemannstraße Ecke Böhmische Straße erwartet. Gemeinsam wollen sie gegen den dänischen Pensionsfonds PFA demonstrieren, der hier den ganzen Straßenzug aufgekauft hat. Doch nicht nur die Häuser in der Theimannstraße 16-23 sind betroffen, auch die Mehrfamilienhäuser in der Böhmische Straße 21 und 23 wurden aufgekauft. Insgesamt fürchten rund 300 Menschen in Rixdorf um ihre Wohnungen.

Bereits im Sommer hatte der fünftgrößte Pensionsfonds Europas, der dänischen PFA, die Häuser hier aufgekauft. Doch erst im November wurden die Anwohner über den Verkauf informiert. Nun ist die Sorge in der Thiemannstraße groß, dass die zumeist günstigen Mietwohnungen zu teuren Eigentumswohnungen umgewandelt werden könnten.

"Wir werden gemeinsam mit allen anderen betroffenen Mietern des PFA-Deals aus ganz Berlin und Deutschland sowie anderen gleichgesinnten Mieter-Initiativen gegen den Ausverkauf unserer Stadt an ausländische Investoren wie PFA demonstrieren", teilte nun die Hausgemeinschaft BoeThie mit, die den Widerstand gegen den Ausverkauf ihrer Straße organisiert. Dabei haben sie auch etwas ganz Besonderes vor: "Wir werden mit dänischen Flaggen durch die Straßen ziehen, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass die PFA tausende deutsche Mieter bedroht. Die dänischen Rentner wissen möglicherweise nicht, dass sie durch die Notlage der deutschen Rentner abgesichert sind", so die Ankündigung.

Größter Immobiliendeal Deutschlands 2018

Der PFA-Deal ist das größte bekannte Wohnimmobilieninvestment in Deutschland in diesem Jahr. Das sogenannte „Century“-Portfolio wurde von Industria Wohnen mit Sitz in Frankfurt am Main verkauft. 1,2 Milliarden Euro hat sich PFA insgesamt 3700 Wohnungen in ganz Deutschland kosten lassen. Darunter sollen etwa 400 Wohnungen in Berlin sein.

33 bis 40 davon liegen in Prenzlauer Berg, 80 bis 110 in Wedding, 113 in Tempelhof-Schöneberg und 140 in Neukölln. Das sind allerdings nur die Wohnungen, die in Milieuschutzgebieten liegen. Ob PFA noch weitere Objekte erworben hat in Gebieten, die keinem besonderen Schutz unterstehen, ist nicht bekannt.

Portfolio Manager für PFA in Deutschland ist die Münchener Domicil Real Estate Group. Über die Berliner Wohnungen schreibt Geschäftsführer Khaled Kaissar auf der Internetseite: „Die Objekte befinden sich überwiegend in guten bis sehr guten Wohnlagen in begehrten Wohnumfeldern. Darüber hinaus bietet das Portfolio zusätzliches Mietsteigerungspotenzial.“

Bezirk prüft sein Vorkaufsrecht

In Neukölln prüft nun der Bezirk sein Vorkaufsrecht. Davon kann er im Milieuschutzgebieten Gebrauch machen. Neuköllns Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) möchte sich aber nicht äußern zum aktuellen Stand in dem „schwierigen Prozess“. Sicher ist nur: Bis zum 7. Januar muss eine Entscheidung gefallen sein. Denn das Vorkaufsrecht kann nur innerhalb von zwei Monaten ausgeübt werden.

Etwa 300 Menschen leben in den 140 Wohnungen in der Thiemann- und Böhmischen Straße, die verkauft wurden. Darunter etwa 60 Rentner.

Die Demonstration findet am Samstag, 15. Dezember, ab 12 Uhr, in der Thiemannstraße Ecke Böhmische Straße. Sprechen werden unter anderem Politiker wie Fritz Felgentreu, Cansel Kiziltepe sowie der Neuköllner Bürgermeister Martin Hikel, möglicherweise der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, und Rainer Wild, Direktor des Berliner Mieterverbandes.

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