Kunstaktion

Neukölln: Künstlerkollektiv setzt Zeichen gegen Verdrängung

Ganze Straßen in Neukölln werden aufgekauft. "Reflektor Neukölln" setzt Puppen aus, um auf Wohnungsmangel im Schillerkiez hinzuweisen.

Die Verdrängten - eine Kunstaktion des Künstlerkollektivs "Reflektor Neukölln".

Die Verdrängten - eine Kunstaktion des Künstlerkollektivs "Reflektor Neukölln".

Foto: Künstlerkollektiv "Reflektor Neukölln"

Neukölln. Der Schillerkiez im Norden von Neukölln ist eine der beliebtesten Wohngegenden in ganz Berlin. Hippe Bars und Restaurants, kleine Parks und das angrenzende Tempelhofer Feld, Kitas und gute Schulen. Kein Wunder also, dass der Kiez auch zu den teureren Wohngebieten der Stadt zählt. Und auch kein Wunde, dass Großinvestoren ein Auge auf die Filet-Wohnungen dort werfen.

Die Folge: Jahrelange Mieter sind von Verdrängung bedroht. Erst im Sommer flatterte bei rund 200 Bewohnern im Schillerkiez ein Brief ein mit der Nachricht, dass ihre Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden. Und das, obwohl die Häuser zum Milieuschutzgebiet Schillerkiez gehören. Eigentlich ist es in Milieuschutzgebieten untersagt, Miet- in Eigentumswohnungen umzuwandeln, Wohnungen mit einem höheren Standard zu modernisieren oder kleinere Wohnungen zusammenzulegen. Eigentlich.

Künstler wollen auf Gentrifizierung hinweisen

Das Neuköllner Künstlerkollektiv "Reflektor Neukölln" veranstaltet diesen Samstag, 15. Dezember, deshalb im Schillerkiez eine Kunstaktion, um auf das Thema Gentrifizierung und Verdrängung aufmerksam zu machen. Titel: "Die Verdrängten". Zwanzig lebensgroße und echt aussehende Puppen werden im Kiez verteilt. Sie sind weiß geschminkt und tragen nur das Nötigste bei sich: Zahnbürsten, Fernbedienung, Kaffeetasse, Stofftier, Spielzeug - eben das, was man in der Eile mitnehmen würde. Zwischen 10 und 16 Uhr werden die lebensechten Puppen im Schillerkiez entlang der Herrfurthstraße zwischen Weisestraße und dem Tempelhofer Feld zu sehen sein.

Wie Milieuschutz umgangen wird

Immer häufiger wird in Milieuschutzgebieten die Milieuschutzverordnung umgangen. Wurden beispielsweise in Neukölln 2012 noch 318 Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohngen genehmigt, waren es 2014 schon 1090 und im Jahr 2016 dann 1448 Umwandlungen. In ganz Berlin gab es im Zeitraum von Anfang Juni 2017 bis Ende Mai 2018 Umwandlungen von insgesamt 14.053 Wohnungen.

Wie in vielen Städten sind auch in Berlin die ganz zentralen Gebiete die teuersten. Nirgendwo in deutschen Großstädten müssen die Menschen mehr als 40 Prozent vom durchschnittlichen Haushaltseinkommen für die Miete ausgeben - außer in fünf Berliner Viertel in der Innenstadt.

Mietpreise: So teuer ist das Wohnen im Schillerkiez

Die Mietpreise im Körnerkiez (Postleitzahl 12049) liegen durchschnittlich bei 11,03 Euro mittlere Kaltmiete pro Quadratmeter. Damit rangiert das Areal mit seinen durchschnittlichen Mietpreisen im oberen Bereich der Wohnquartiere Berlins.

Allerdings zahlt man hier durchschnittlich zweieinhalb Euro weniger als in der teuersten Wohngegend Berlins am Hackeschen Mark (10178), wo im Jahr 2017 im Schnitt 13,50 Euro pro Quadratmeter verlangt werden.

Die Mietwohnungen im Schillerkiez haben im Durchschnitt ein mit den Wohnvierteln Frauenkopf in Stuttgart und dem Kiez Viktoria-Luise-Platz in Berlin vergleichbares Mietpreisniveau. 84 Prozent aller Postleitzahlen-Gebiete in Deutschland waren 2017 günstiger.

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